[Chile] Der 11. September: Geschichte und Nachlass einer Diktatur

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Santiago de Chile. Der 11. September hat in Chile eine besondere Bedeutung, historisch wie sozial. 1973 wurde an diesem Tag durch einen Militärputsch die sozialistische Regierung Allendes' gestürzt.

Haben sich die Verhältnisse stark geändert, bleiben doch die Rahmenbedingungen nach dem „paktierten Übergang“ zur Demokratie im März 1990 nahezu die gleichen. Die Concertación hält weiter am neoliberalen Wirtschaftsmodell fest und die Verfassung von 1980, ein Kind der Diktatur, zementierte eine repressive Gesetzgebung.

Doch auch der Widerstand blüht auf. Proteste gegen die Regierung und ihre Vorhaben mehren sich seit Jahren und lassen sich zusehends schwieriger in die Staatsraison integrieren. Beantwortet wird dies mit zum Teil heftigen Repressionen. Aufstände werden niedergeknüppelt, jährlich werden Protestierende von den Carabineros, der chilenischen Militärpolizei, erschossen. Das makellose Bild der chilenischen Demokratie trägt zunehmend Risse davon.

 

Reportage: "Mit Kerzen und Krawallen: Erinnern am 11. September"

 

Infoseiten (spanisch):

IMC Santiago | hommodolars.org | El Cuidadano | Doku: The Chicago Conspiracy

 


Alles beim alten? – Kontinuitäten und Brüche im post-diktatorischen Chile

So unterschiedlich die sozialen Bewegungen in Chile heute auch sein und so wenig Schnittstellen sie miteinander haben mögen, sehen sie sich nach der Militärregierung doch mehr oder minder den gleichen Problemen ausgesetzt. Durch den „paktierten Übergang“, eine Bezeichnung für den mit Abmachungen zwischen demokratischer Elite und Militärjunta gekennzeichneten Prozesses zur Demokratie, konnten alte Übel nur schwerlich beseitigt werden. Die Concertación, das Mitte-Links Bündnis das seit dem Übergang die Regierung stellt, setzt den neoliberalen Wirtschaftskurs unentwegt fort. Daraus entstehende soziale Konflikte werden, sofern sie sich nicht integrieren lassen, mit den Mitteln bedacht, welchen den staatlichen Behörden am vertrautesten sind: „Demonstrationen werden nicht genehmigt, gegen die Teilnehmer wird mit Tränengas, Kavallerie und Greiftrupps vorgegangen, die auf ihren gepanzerten Fahrzeugen wie auf römischen Schlachtwagen durch die Straßen Santiagos fahren“ [1]. Die zum Teil massiven Repressionen werden juristisch von einer Verfassung gestützt, die noch aus der Militärdiktatur stammt. Diese durch ein Schein-Plebiszit in Kraft getretene Verfassung gilt als das große Erbe der Diktatur. Das Antiterror-Gesetz, während der Diktatur eingeführt, wurde nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 deutlich verschärft. Heute werden Steine schmeißende Jugendliche und Landbesetzer_innen unter diesem Gesetz für fünf Jahre und mehr weggesperrt.

Flankiert werden die Repressionen von konservativen Medien, die aus Protestierenden Delinquent_innen machen. Sozial-politische Konflikte werden medial zu Strafdelikten und somit zu einem ordnungspolitischen Problem. El Mercurio, die auflagenstärkste Tageszeitung Chiles, bot schon der Diktatur „medialen Flankenschutz“. Unter ihr konnte sich der Printkonzern ungehindert ausbreiten. Gegenwärtig stellt dieser eine von zwei Konsortien, auf die sich landesweit eine Medienmacht von mehr als 90% konzentriert [2]. Im Zuge der Transition änderte sich auch die Berichterstattung des Mercurio. Rief er Anfang der 70er noch indirekt zum Sturz der Regierung auf, unterlässt er dies heute. Über die Geschehnisse während der Diktatur wird sich allerdings ausgeschwiegen. Nur wenig Raum wird kritischen Initiativen in den Massenmedien hinsichtlich der Aufbereitung der Vergangenheit geboten. Kommt dennoch mal etwas über das Thema, wird die Diktatur nicht selten durch konservative Medien verharmlost. Die Gewalt sei „Verfehlungen Einzelner“ gewesen, und man „müsse auch die guten Seiten der Regierung Pinochets erkennen“.

 

 

Vorbedingungen des Putsches:

Schon 1970, mit der Machtergreifung der Unidad Popular (UP), war die chilenische Gesellschaft polarisiert, was sich auch in ihrem knappen Wahlsieg widerspiegelte.

Die Wirtschaftspolitik der UP, vor allem die Verstaatlichung bedeutender Wirtschaftssektoren wie dem Kupfer, verstärkte die Spaltung der Gesellschaft in zwei Lager. Begünstigt wurde diese Spaltung weiterhin durch das Klima des Kalten Krieges. Die nationalistischen Diskurse der Linken und Rechten warteten mit haarsträubenden Verschwörungstheorien auf um Verantwortliche für politische und ökonomische Miseren zu suchen. Die Linke beschuldigte die USA und ihre imperialistischen Agenten in Chile, während die Rechte über das Gespenst des internationalen Kommunismus schwadronierte, angeleitet von Kuba und der Sowjetunion. Der Kalte Krieg legte ebenfalls den Grundstein für umstürzlerische Pläne, die seit 1963 massiv von der US-Regierung verfolgt wurden. In diesem Jahr wurden erstmals geheimdienstliche Tätigkeiten eingeleitet um einen Wahlsieg der UP zu verhindern. Als dies 1970 jedoch scheiterte, stand fest, dass die Regierung der Unidad Popular zu Fall gebracht werden müsse. Der CIA entsandte Agenten nach Chile, finanzierte die Opposition und die konservative Tageszeitung El Mercurio, lieferte Informationen und bildete Militärs aus. Begleitet wurden die Aktivitäten des Geheimdienstes durch Wirtschaftsblockaden der US-Regierung. Stefan Rinke, einem Sozialwissenschaftler an der FU Berlin, zufolge legt der jetzige Forschungsstand nahe, "dass die Destabilisierungsbemühungen der USA ein wichtiges, wenngleich nicht entscheidendes und vor allem keineswegs ausschließliches Element in der Herbeiführung des Putsches waren" [3].

 

Streiks der Opposition im Inland sowie die Wirtschaftsblockaden brachten die chilenische Wirtschaft ins Wanken. 1972 spitzte sich die Lage weiter zu. Anschläge und gewaltsame Konfrontationen waren die Folge. Die Christdemokraten wandten der UP endgültig den Rücken zu, wodurch die Opposition die Mehrheit im Parlament errang. Ein Totalboykott schmetterte jeden Antrag der Regierung ab und machte sie parlamentarisch handlungsunfähig.

Ende Juni 1973 spiegelte sich das Ausmaß der innergesellschaftlichen Krise am Tanquetazo wider, dem ersten Putschversuch, der jedoch verhindert werden konnte.

 

Wie dieser Versuch im Juni zeigte, gab es eine zunehmende Bereitschaft innerhalb des Militärs die Staatskrise gewaltsam zu lösen. Dies wurde weiterhin durch die antimilitaristische Haltung linksradikaler Gruppen verstärkt, in der sich das Militär als Institution an sich bedroht sah. Tage vor dem 11. September stimmten sich die Oberbefehlshaber der drei Waffengattungen, namentlich der Marineadmiral José Toribio Merino, der Luftwaffengeneral Gustavo Leigh, der Oberbefehlshaber des Heeres Augusto Pinochet sowie der General der Carabineros César Mendoza aufeinander ab. Am Vorabend des 11.9. unterzeichneten sie gemeinsam eine Deklaration des Putsches in der sie sich auf die Bewahrung der „historisch-kulturellen Identität des Vaterlands“ beriefen.

 

 

Staatsstreich und Festigung der Militärdiktatur

Am Morgen des 11. Septembers 1973 mobilisierten die Streitkräfte ihre Truppen. Die Marine nahm die Hafenstadt in Valparaíso ein, während die Armee Concepción, eine Hochburg der Arbeiterklasse im Süden Chiles, besetzte. Die Hauptstadt, in der am heftigsten Widerstand geleistet wurde, besetzte nach und nach das Heer. Da Allende nicht Willens war zu kapitulieren, bombardierte gegen die Mittagszeit die Luftwaffe den Präsidentenpalast La Moneda. Allende starb bei den Gefechten, unklar ist jedoch ob er sich das Leben nahm oder von Putschisten getötet wurde.

In den darauf folgenden Tagen richtete die Junta ihr Augenmerk auf die Verfolgung der Opposition. Hunderte von Menschen starben, tausende wurden in Lagern interniert und gefoltert, oppositionelle Medien verboten.

Noch im gleichen Jahr gründete die Militärdiktatur die Geheimpolizei Dirección de Inteligencia Nacional (DINA), welche ihre politischen Gegner landesweit, aber auch im Ausland verfolgte. Berühmt-berüchtigtes Beispiel ist das transnationale Terrornetzwerk Operación Cóndor, das die Ausschaltung von Regimegegner_innen und der Kampf gegen die "internationale terroristische Aggression", wie es in einem Dokument der argentinischen Präsidentschaft vom 18. September 1979 heißt, zum Ziele hat. An dem Netzwerk beteiligten sich neben lateinamerikanischen Militärdiktaturen auch die CIA und hochrangige französische Militärs. Die Initiative für den Aufbau ergriff jedoch Manuel Contreras, der damalige Leiter der DINA. Diese spielte weiterhin eine Schlüsselrolle (1, 2) in dem Austausch von Informationen zwischen den Diktaturen. Auf das Konto der DINA gehen mindestens 119 politische Morde.

Parallel zur systematischen Verfolgung von Regimegegner_innen wurden erste Internierungs- und Folterlager errichtet. Diese wuchsen bis zum Ende der Diktatur am 11. März 1990 auf bis zu 1.200 an und verteilten sich über das gesamte Land. Auch die Colonia Dignidad, eine christliche Sekte um den Nazi Paul Schäfer wurde, in Absprache mit diesem, von Geheimdiensten als Folterzentrum genutzt. Sie spielte jedoch schon weit vor dem Putsch eine bedeutsame Rolle: so unterstützte die Colonia Dignidad schon früh die Aktivitäten der faschistisch-terroristischen Organistation Patria y Libertad mit Waffen aus Deutschland, durch welche diese in der Regierungszeit der UP Attentate und Sabotageakte verübte.

Gute Beziehungen mit den USA, unter der Nixon- und Ford-Regierung, verhinderten indessen Untersuchungen der Menschenrechtslage sowie Resolutionen gegen das Regime in den Vereinten Nationen [4].


Die Ideologie des politischen Systems unter Pinochet speiste sich zu bedeutenden Teilen aus einer völkisch-nationalistischen und antikommunistischen Haltung. Die „Rettung der Nation“ gegen "kommunistische Söldner" [5] wurde propagiert. Es herrschte eine autoritäre Oligarchie vor, die ein rigiden Antipluralismus durchsetzte.

1980 gab sich die Diktatur durch eine eigene Verfassung einen seriösen Anstrich. Diese Schaffung eines institutionellen Rahmens durch und für das Regime kann als Legitimierungsversuch gewertet werden. Galt Pinochet, der seit 1974 zusätzlich als Präsident auftrat, „der Schein der Verfassungsmäßigkeit“ [6] als wichtig. Grundlegende Merkmale sind die benötigte ¾ Mehrheit im Kongress zu deren Änderung und das binominale Wahlsystem, welches in jedem Wahlkreis nur zwei Sitze für die jeweiligen Siegerparteien bereit stellt. Dies begünstigt einseitig die Parteirechte, die seit der Transition die Opposition im Parlament stellt, und diskriminiert kleinere Parteien. Die Verfassung, die durch ein Schein-Plebiszit in Kraft trat, ist heute noch in Teilen gültig.

 

Gegen Mitte der 70er Jahre litt die nationale Ökonomie unter einer schweren Krise. Um dieser zu begegnen wurde von den so genannten "Chicago Boys", einer Gruppe chilenischer Wirtschaftswissenschaftler, eine neoliberale Wirtschaftspolitik eingeleitet. Die Öffnung der Märkte und massive Privatisierungen waren unmittelbare Folge. Die umfassenden Privatisierungsmaßnahmen betrafen Bereiche wie das Gesundheits- und Bildungswesen, Infrastruktur wie die Post, Elektrizität, das öffentliche Transportwesen und den Straßenbau. „Da der innere Feind der Militärs“, so der Sozialwissenschaftler Straßner, „weitgehend mit dem Klassenfeind der Wirtschaftseliten deckungsgleich war, ergänzten sich die neoliberale Wirtschaftspolitik und die militärische Repression“ [7]. Durch den Rückzug des Staates aus wirtschaftlichen und sozialen Kernbereichen verelendeten große Teile der Bevölkerung. Litten 1970 noch 6 % unter extremer Armut, waren es 1987 bereits 13,5 % der Bevölkerung. Der Anteil der Armen in der Bevölkerung stieg ebenfalls von 11 % 1970, auf 24,6 % im Jahre 1987 an [8].

 

 

Widerstand wird populär

Ab 1978 kam erstmals die Besetzung fester Termine als Gedenkrituale und Gegenveranstaltungen wie etwa dem 4. September, der Machtergreifung der UP oder eben dem 11. September auf. An diesem Punkt geriet die Deutungsmacht des Regimes empfindlich ins Wanken. Massendemonstrationen zu den Gräbern prominenter Opfer der Diktatur legten den Grundstein für die heutigen Märsche hin zum Hauptfriedhof. Repressionen blieben nicht aus und erreichten am 10. Jahrestag des Putsches einen Höhepunkt.

Anfang der 80er Jahre gewann der Widerstand gegen die Diktatur an Aufwind. Die ersten populären Protestwellen gehen auf die Verelendung durch die neoliberalen Reformen in Chile zurück. Die Initiative ergriffen regimetreue Gewerkschaften. Kleine und mittelständische Unternehmen, die sich während der Regierung der Unidad Popular noch aktiv an Destabilisierungskampagnen beteiligten, unterstützten die Gewerkschaften rasch, sahen sie sich von den Wirtschaftsreformen doch in ihrer Existenz bedroht. Die katholische Kirche deckte den Gewerkschaften derweil den Rücken. Sie selbst trat schon 1975 mit der Gründung der Vicaría de la Solidaridad in Erscheinung, welche Verschwundene registrierte und ihre Angehörigen unterstützte. „Überhaupt zeigte sich [... Mitte der 80er Jahre] immer deutlicher eine tiefe Spaltung der chilenischen Gesellschaft in Anhänger und Gegner des Pinochet-Regimes“ [9].

Die Armenviertel La Victoria, Villa Francia und Lo Hermida, galten seit jeher als kämpferisch. Die Unidad Popular genoss großen Rückhalt unter den Bewohner_innen, den pobladores. Dadurch wurden sie auch zur Zielscheibe staatlicher Repression während der Diktatur. Den Widerstand konnten sie damit allerdings nicht brechen. Die pobladores schlossen sich in Nachbarschaftsgruppen und Stadtteilkommitees zusammen, planten regimekritische Aktionen und organisierten ollas comunes, Essen zu günstigen Preisen, ähnlich linker Volksküchen in Deutschland. Den Frauen kam der Organisierung in den poblaciones eine Schlüsselrolle zu.

 

 

Vom „paktierten Übergang“ zur Demokratie

1985 kam auf Initiative des Erzbischofs Kardinal Juan Fransisco Fresno der Acuerdo Nacional para la Transición a la Plena Democracia (Nationalen Übereinkunft für den Übergang zur vollen Demokratie) zusammen. Dieses Bündnis, an dem sich alle Parteien außer der kommunistischen beteiligten, trat in Dialog mit der Militärdiktatur und forderte Schritt für Schritt eine Rückkehr zur Demokratie. Aus diesem Grund wird der Transitionsprozess auch als „paktierter Übergang“ bezeichnet, gab es dementsprechend Verhandlungen über Art und Weise des Übergangs mit der Diktatur. Bestandteil des Paktes war u.a. Militärs hohen Ranges, die an Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren, juristisch nicht zu behelligen.

Als 1989 das Plebiszit Pinochets zu einer weiteren Amtszeit als Präsident scheiterte, erfolgte langsam diese Phase des Übergangs. Arenhövel spricht sich allerdings gegen einen alleinigen Pakt aufgrund Abmachungen zwischen der militärischen und demokratischen Elite aus: „Der Transitionsmodus eines „paktierten Übergangs“, des Konsenses und der Versöhnung war daher nicht allein den konkreten Eliten-Konstellationen geschuldet, sondern trug ebenfalls den in großen Teilen der Bevölkerung tiefsitzenden Ängsten vor einer Wiederholung konfliktreicher, polarisierender Auseinandersetzungen Rechnung“ [10]. Solche Ängste sollten Formen politischer Partzipation bis heute prägen.

 


[1] Boris Schöpnner 2008. Nachbeben. Chile zwischen Pinochet und Zukunft. Frankfurt: Trotzdem Verlagsgenossenschaft. S. 222-3.

[2] Vergleiche: Mark Arenhövel 1998. Transition und Konsolidierung in Spanien und Chile. Strategien der Demokratisierung. Gießen: Focus, S. 169

[3] Stefan Rinke 2007. Kleine Geschichte Chiles. München: Beck. S. 157

[4] Vergleiche: Stefan Rinke 2007. Kleine Geschichte Chiles. München: Beck, S. 161

[5] Rinke, Stefan 2007: Kleine Geschichte Chiles. München: Beck, S. 157

[6] Stefan Rinke 2007. Kleine Geschichte Chiles. München: Beck, S. 160

[7] Veit Straßner 2007. Die offenen Wunden Lateinamerikas. Vergangenheitspolitik im postautoritären Argentinien, Uruguay und Chile. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S. 231

[8] Quelle: Peter Imbusch 1995. Unternehmer und Politik in Chile. Eine Studie zum politischen Verhalten der Unternehmer und ihrer Verbände. Frankfurt am Main: Vervuert, S. 201

[9] Stefan Rinke 2007. Kleine Geschichte Chiles. München: Beck, S. 171

[10] Vergleiche: Mark Arenhövel 1998. Transition und Konsolidierung in Spanien und Chile. Strategien der Demokratisierung. Gießen: Focus, S. 124

 

 

 


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Auch zu beachten:

 

Chile-Feier am Freitag, dem 11.9. im Falkenbüro - Stuttgart

 

Am 11.9.1973 wurde in Chile die demokratisch gewählte Regierung unter Salvador Allende, die einen demokratischen Sozialismus einrichten wollte, von chilenischem Militär unter General Augusto Pinochet mit Unterstützung der USA aus dem Amt geputscht. Was folgte, waren Jahre des Terrors gegen Linke und die Einrichtung einer faschistischen Militärdiktatur.

Wir wollen die Erinnerung daran wachhalten und veranstalten deswegen am Freitag, den 11.9.2009 eine Chile-Feier in den Räumlichkeiten der Falken Stutgart.
Ab 20.00 Uhr wird es dort chilenische Volxküche, Getränke und Musik geben. Außerdem gibt es weitere Infos und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bestreben Allendes und dem darauffolgenden Putsch.

Das Falkenbüro befindet sich in der Wagenburgstraße 77 und ist mit der Buslinie 40, Haltestelle Tunnel Ostportal zu erreichen.

Libertäre Initiatvie Stuttgart

www.list.blogsport.de

mit Salvador Allende dann hier lesen ??

Fidel Castro: Salvador Allende, ein bleibendes Beispiel
Donnerstag, 26. Juni 2008
Er wurde vor einhundert Jahren, am 26. Juni 1908, in Valparaiso, im Süden von Chile, geboren. Sein Vater gehörte dem Mittelstand an, war Rechtsanwalt und Notar und Mitglied der chilenischen Radikalen Partei. Als ich geboren wurde, war Allende 18 Jahre alt. Seine Schulausbildung der mittleren Reife erfolgte in einem Gymnasium seiner Heimatstadt.

Während seiner Gymnasialjahre kommt er über einen alten Anarchisten, Juan Demarchi, mit den Büchern von Karl Marx in Berührung.

Er schließt die Schule als Bestschüler ab. Er mag und treibt Sport. Er tritt freiwillig in das Regiment Coraceros von Viña del Mar zum Militärdienst ein. Er bittet um Umsetzung in das Regiment Lanceros von Tacna, einer chilenischen Enklave im trockenen und halb wüstenartigen Norden, der später an Peru zurückgegeben wurde. Bei Abschluss seines Militärdienstes wird er zum Reserveoffizier der Armee. Dies tut er schon als ein Mensch mit sozialistischen und marxistischen Ideen. Es handelte sich nicht um einen weichlichen Jüngling ohne Charakter. Es war so, als ob er voraussehen würde, dass er eines Tages bis zum Tode kämpfen würde, um seine Überzeugungen zu verteidigen, die schon in seinem Kopf zu reifen begannen.

Er beschließt den edlen Studiengang Medizin an der Universität von Chile zu belegen. Er organisiert eine Gruppe von Kameraden, die sich periodisch treffen, um über Marxismus zu lesen und zu diskutieren. Im Jahr 1929 gründet er die Gruppe Avance. Er wird 1930 zum stellvertretenden Vorsitzenden des Studentenbundes von Chile gewählt und nimmt aktiv am Kampf gegen die Diktatur von Carlos Ibáñez teil.

Mit der 1929 ausgelösten Krise der Wertpapierbörse war die große Wirtschaftsdepression in den Vereinigten Staaten schon entfesselt worden. In Kuba hatte der Kampf gegen die Machado-Tyrannei begonnen. Mella war ermordet worden. Die kubanischen Arbeiter und Studenten boten der Unterdrückung und Verfolgung die Stirn. Die Kommunisten unter Führung von Martínez Villena lösten den Generalstreik aus. „Hace falta una carga para matar bribones, para acabar la obra de las revoluciones…“ – hatte er in einem kraftvollen Gedicht ausgerufen. Guiteras,  tiefgehend antiimperialistisch verwurzelt, versuchte die Tyrannei mit Waffengewalt zu stürzen. Es fällt Machado, der dem Ansturm der Nation nicht standhalten konnte, und es beginnt eine Revolution, welche durch die Vereinigten Staaten in wenigen Monaten mit Seidenhandschuhen und eiserner Faust zermalmt wird und ihre Totalherrschaft dauert bis 1959.

In diesem Zeitraum führte Salvador Allende in einem Land, wo die imperialistische Herrschaft über seine arbeitenden Menschen, seine Kultur und Naturreichtümer auf brutale Art und Weise ausgeübt wurde, einen konsequenten Kampf, der ihn niemals von seiner makellosen revolutionären Haltung abweichen ließ.

Im Jahr 1933 erhielt er seinen Arzttitel. Er nahm an der Gründung der Sozialistischen Partei Chiles teil. Im Jahr 1935 ist er schon Vorsitzender des Chilenischen Ärztebundes. Er erleidet eine fast halbjährige Gefängnishaft. Er unternimmt große Anstrengungen, um die Frente Popular (Volksfront in Chile) zu gründen und man wählt ihn 1936 als stellvertretenden Generalsekretär der Sozialistischen Partei.

Im September 1939 übernimmt er in der Regierung der Frente Popular das Ministerium für Gesundheitswesen. Er veröffentlicht ein Buch über Sozialmedizin. Er organisiert die erste Wohnungsausstellung. Im Jahr 1941 nimmt er an der Jahresversammlung des Amerikanischen Ärztebundes in den Vereinigten Staaten teil. Er wird 1942 zum Generalsekretär der Sozialistischen Partei Chiles. Im Jahr 1947 stimmt er im Senat gegen das Gesetz  zur ständigen Verteidigung der Demokratie, das aufgrund seines repressiven Charakters als „Ley Maldita“ (verdammtes Gesetz) bekannt ist. Im Jahr 1949 wird er zum Vorsitzenden des Ärztegremiums erhoben.

Im Jahr 1952 wird er von der Frente del Pueblo als Präsidentschaftskandidat aufgestellt. Er war damals 44 Jahre alt. Er verliert. Er legt dem Senat ein Gesetzesprojekt zur Nationalisierung des Kupfers vor. Er reist 1954 nach Frankreich, Italien, in die Sowjetunion und die Volksrepublik China.

Vier Jahre später, 1958, wird er als Kandidat der Frente de Acción Popular (Front der Volksaktion) für die Präsidentschaft der Republik aufgestellt. Diese wurde von dem Sozialistischen Volksbund (Unión Socialista Popular), der sozialistischen Partei Chiles und der Kommunistischen Partei gebildet. Er verliert die Wahlen gegenüber dem Konservativen Jorge Alessandri.

Er nimmt 1959 an der Amtsübernahme von Rómulo Betancourt als Präsident von Venezuela teil, der bis dahin als eine revolutionäre linke Persönlichkeit angesehen war.

Er reist im selben Jahr nach Havanna und hat eine Unterredung mit dem Che und mit mir. Er unterstützt 1960 die Kohle-Bergarbeiter, die ihre Arbeit für über drei Monate lahm legen.

Gemeinsam mit dem Che klagt er 1961  bei dem OAS-Treffen in Punta del Este in Uruguay den demagogischen Charakter der Alliance for Progress an.

Erneut als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, wird er 1964 durch Eduardo Frei Montalva besiegt, ein Christdemokrat, der über alle Mittel der herrschenden Schichten verfügte und der gemäß den freigegebenen Dokumenten des Senats der Vereinigten Staaten von dem CIA Geld zur Unterstützung seiner Kampagne erhielt. Während seiner Regierung versuchte der Imperialismus das zu entwerfen, was sie als ideologische Antwort auf die Kubanische Revolution „Revolución en Libertad“ (Revolution in Freiheit) nannten. Sie führte dazu, die Grundlagen der faschistischen Tyrannei zu schaffen. Bei jenen Wahlen erhält Allende dennoch über eine Million Stimmen.

Er ist 1966 Leiter der Delegation, die an der Trikontinentalen Konferenz von Havanna teilnimmt. Er besucht die Sowjetunion zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution. Im Folgejahr, 1968, besucht er die Demokratische Republik Korea und die Demokratische Republik Vietnam, wo er mit großer Befriedigung den außerordentlichen Führer jenes Landes Ho Chi Minh kennen lernt und Gespräche mit ihm führt. Dieselbe Rundreise schließt Kambodscha und Laos mit ein, die sich in vollem revolutionärem Aufruhr befinden.

Nach Ches Tod begleitet er persönlich drei Kubaner der Guerilla von Bolivien, die den Tod des Guerillero Heroico überlebten und sich auf chilenischem Gebiet befanden, bis nach Tahiti.

Die Unidad Popular (Bündnis der Volkseinheit), eine politische Koalition der Kommunisten, Sozialisten, Radikalen, von MAPU, PADENA und der Unabhängigen Volksaktion, stellt ihn am 22. Januar 1970 als ihren Kandidaten auf und er siegt bei jenen Wahlen am 4. September jenes Jahres.

Er ist ein echt klassisches Beispiel des Kampfes mit friedlichen Mitteln zur Errichtung des Sozialismus.

Die Regierung der Vereinigten Staaten unter der Präsidentschaft von Richard Nixon tritt unmittelbar nach dem Wahlsieg sofort in Aktion. Der Oberbefehlshaber der chilenischen Armee, General René Schneider, wird am 22. Oktober Opfer eines Attentats, an dem er drei Tage später verstirbt, weil er sich der imperialistischen Forderung zu einem Putsch nicht beugte. Der Versuch, die Machtübernahme der Regierung der Unidad Popular zu verhindern, scheitert.

Allende übernimmt am 3. November 1970 rechtmäßig und mit aller Würde das Präsidentenamt von Chile. Er beginnt ausgehend von der Regierung seinen heldenhaften Kampf um die Veränderungen, wobei er dem Faschismus die Stirn bietet. Er war schon 62 Jahre alt. Ich hatte die Ehre, seit dem Sieg der Kubanischen Revolution mit ihm 14 Jahre des antiimperialistischen Kampfes zu teilen.

Bei den örtlichen Wahlen vom März 1971 erreicht die Unidad Popular absolute Stimmenmehrheit von 50,86 Prozent. Am 11. Juli verkündet Präsident Allende das Gesetz zur Nationalisierung des Kupfers, eine Idee, die er dem Senat 19 Jahre vorher schon vorgeschlagen hatte. Es wurde im  Kongress einstimmig verabschiedet. Niemand wagte, etwas dagegen einzuwenden.

Im Jahr 1972 erhebt er öffentlich Anklage in der Generalversammlung der Vereinten Nationen über die internationale Aggression, die sein Land erleidet. Er bekommt viele Minuten lang Beifall von den Anwesenden, die sich von ihren Plätzen erhoben haben. Er besucht im selben Jahr die Sowjetunion, Mexiko, Kolumbien und Kuba.

Im Jahr 1973, bei den Parlamentswahlen vom März, erreicht die Unidad Popular 45 Prozent der Stimmen und vergrößert ihre Parlamentspräsenz.

Die von den Yankees in beiden Kammern geförderten Maßnahmen zur Absetzung des Präsidenten haben keinen Erfolg.

Der Imperialismus und die Rechte verschärfen den erbarmungslosen Kampf gegen die Regierung der Unidad Popular und lösen den Terrorismus im Land aus.

Ich habe ihm in den Jahren 1971 bis 1973 eigenhändig sechs vertrauliche Briefe mit kleiner Schrift und einem sehr spitzen Füllhalter geschrieben, in denen ich Themen von Interesse mit der größten Zurückhaltung behandelte.

Am 21. Mai 1971 teilte ich ihm mit:

„Wir hegen Bewunderung für deine außerordentlichen Anstrengungen und grenzenlosen Energien, um den Sieg zu halten und zu konsolidieren.“

„Von hier aus können wir wahrnehmen, dass die Volksmacht trotz ihrer schwierigen und vielschichtigen Mission an Boden gewinnt.“

„Die Wahlen vom 4. April stellten einen großartigen und ermutigenden Sieg dar.“

„Dein Mut und deine Entschlossenheit, deine geistige und körperliche Energie sind entscheidend gewesen, um den revolutionären Prozess voranzubringen.“

„Sicherlich warten große und vielschichtige Schwierigkeiten auf euch, denen ihr unter Bedingungen, die nicht gerade ideal sind, begegnen müsst, aber eine gerechte Politik, die sich auf die Massen stützt und die mit Entschlossenheit angewandt wird, kann nicht besiegt werden…“

Am 11. September 1971 schrieb ich ihm:

„Der Überbringer reist, um mit dir die Details des Besuchs zu vereinbaren.“

„Anfänglich hatten wir die Zweckmäßigkeit in Betracht gezogen, in Arica zu landen und die Rundreise im Norden zu beginnen, wobei wir an einen möglichen Direktflug mit einem Flugzeug von Cubana de Aviación  gedacht hatten. Später ergaben sich zwei neue Dinge: das dir von Velazco Alvarado mitgeteilte Interesse an einem möglichen Kontakt während meiner Reise dorthin und die Möglichkeit, über ein sowjetisches Flugzeug IL-62 mit größerem Aktionsradius zu verfügen. Letzteres ermöglicht im gewünschten Fall den Direktflug nach Santiago.“

„Wir schicken einen Entwurf der Reiseroute und der Aktivitäten, damit du die Veränderungen hinzufügst, bzw. das streichst, was du für angebracht hältst.“

„Ich habe mich bemüht, ausschließlich daran zu denken, was von politischem Interesse sein kann, ohne mich sonderlich um den Arbeitsrhythmus oder die Arbeitsintensität zu kümmern, aber absolut alles unterliegt deinen Kriterien und Erwägungen.“

„Wir haben die außerordentlichen Erfolge deiner Reise nach Ekuador, Kolumbien und Peru sehr genossen. Wann werden wir in Kuba die Möglichkeit haben, mit den Ecuadorianern, Kolumbianern und Peruanern bezüglich der riesigen, dir beim Empfang entgegengebrachten Zuneigung und Wärme zu wetteifern?“

Bei jener Reise, deren Entwurf ich Präsident Allende übermittelte, überlebte ich wie durch ein Wunder. Ich bin Dutzende Kilometer entlang einer riesigen, am Straßenrand stehenden Menschenmenge gefahren. Der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten organisierte drei Aktionen, um meine Ermordung während dieser Reise abzusichern. Bei einer im Vorhinein angekündigten Pressekonferenz gab es eine Kamera, die von einem venezolanischen Fernsehsender geliefert wurde und mit Maschinengewehren ausgerüstet war. Diese wurde von kubanischen Söldnern bedient, die mit Ausweisen jenes Landes in Chile eingereist waren. Denjenigen, die während der langen Zeit des Interviews und der auf mich gerichteten Kameras nur den Abzug zu bedienen gehabt hätten, reichte der Mut nicht aus. Sie wollten nicht Gefahr laufen, zu sterben. Sei hatten mich außerdem durch ganz Chile verfolgt, wo sie mich nicht erneut so nahe und verwundbar gehabt haben. Ich konnte die Details der feigen Aktion erst Jahre später in Erfahrung bringen. Der Geheimdienst der Vereinigten Staaten war weiter gegangen, als wir es uns denken konnten.

Am 4. Februar 1972 schrieb ich Salvador Folgendes:
„Die Militärdelegation wurde hier von allen mit größter Sorgfalt empfangen. Die Revolutionären Streitkräfte haben in diesen Tagen praktisch ihre gesamte Zeit deren Betreuung gewidmet. Die Treffen waren freundschaftlich und menschenfreundlich. Das Programm war intensiv und vielseitig. Mein Eindruck ist der, dass die Reise positiv und nützlich war und dass die Möglichkeit besteht, diesen Austausch fortzusetzen und dass dies angebracht ist.“

„Mit Ariel sprach ich über die Idee deiner Reise. Ich verstehe vollkommen, dass die intensive Arbeit und der Ton des politischen Kampfes in den letzten Wochen es dir nicht erlaubt haben, diese für den erwähnten ungefähren Zeitpunkt vorzusehen. Zweifellos hatten wir diese Eventualitäten nicht berücksichtigt. Mich meinerseits beruhigte an jenem Tag, d.h. am Vortag meiner Rückreise, als wir schon bei Tagesanbruch in deinem Haus zu Abend aßen, der Gedanke, dass wir relativ bald erneut in Kuba zusammentreffen würden, wo wir mehr Zeit für ausgedehnte Unterhaltungen haben würden. Ich hege trotzdem die Hoffnung, dass du den Besuch vor Mai in Erwägung ziehen kannst. Ich habe diesen Monat genannt, weil ich spätestens ab Mitte desselben die nicht mehr aufschiebbare Reise  nach Algerien, Guinea, Bulgarien und andere Länder und die UdSSR antreten muss. Diese umfangreiche Besuchsreise wird mir eine beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen.“

„Ich danke dir sehr für deine mir übermittelten Eindrücke zur jetzigen Lage. Hier, wo wir mit jedem Tag mehr mit dem chilenischen Prozess vertraut, an ihm interessiert und von ihm emotionell bewegt sind, verfolgen wir mit großer Aufmerksamkeit die Nachrichten, die uns von dort erreichen. Jetzt können wir besser die Wärme und Leidenschaft verstehen, welche die kubanische Revolution in der ersten Zeit hervorgerufen haben muss. Man könnte sagen, dass wir unsere eigene Erfahrung andersherum erleben.“

„In deinem Brief kann ich die ausgezeichnete Willensbereitschaft, Gelassenheit und den Mut erkennen, mit denen du bereit bist, den Schwierigkeiten zu begegnen. Und das ist fundamental in jedem revolutionären Prozess, besonders, wenn er unter den sehr vielschichtigen und schwierigen Bedingungen von Chile abläuft. Ich bin mit einem außerordentlichen Eindruck über die moralische, kulturelle und menschliche Qualität des Volks von Chile und über seine bedeutende patriotische und revolutionäre Berufung zurückgekehrt.  Dir ist das einzigartige Privileg zugefallen, sein Revolutionsführer in diesem für die Geschichte von Chile und Amerika entscheidenden Moment zu sein, was wie eine Vollendung eines immer mit Kampf angefüllten Lebens ist, wie du es im Stadium gesagt hast, das der revolutionären Sache und dem Sozialismus gewidmet ist. Kein Hindernis kann unüberwindbar sein. Jemand hat gesagt, dass eine Revolution mit ‘Kühnheit, Kühnheit und nochmals Kühnheit’ voranschreitet. Ich bin von der tiefgehenden Wahrheit  überzeugt, welche dieses Axiom beinhaltet.“

Ich habe Präsident Allende erneut am 6. September 1972 geschrieben:

„Über Beatriz habe ich dir Botschaften zu verschiedenen wichtigen Angelegenheiten geschickt. Nachdem sie abgereist war und aufgrund der vergangene Woche erhaltenen Nachrichten haben wir beschlossen, Genossen Osmany zu schicken, um unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit in jeglichem Sinne zu bestätigen. Gleichzeitig, damit du uns über ihn deine Einschätzung der Situation und deine Ideen bezüglich der vorgesehenen Reise hierher und in andere Länder mitteilen kannst. Der Vorwand von Osmanys Reise wird eine Inspektion der kubanischen Botschaft sein, obwohl sie auf keine Weise öffentlich verkündet werden wird. Wir möchten, dass sein Aufenthalt dort kurz und diskret ist.“

„Die von dir über Beatriz angetragenen Dinge, werden schon ausgeführt…“

„Obwohl wir die jetzigen Schwierigkeiten des chilenischen Prozesses begreifen, vertrauen wir darauf, dass ihr die Art und Weise finden werdet, sie zu bezwingen.“

„Du kannst vollkommen auf unsere Kooperation zählen. Wir senden dir alle einen brüderlichen und revolutionären Gruß.“

Am 30. Juni 1973 schickten wir eine offizielle Einladung an Präsident Salvador Allende und die Parteien der Unidad Popular zu den Feierlichkeiten anlässlich des 20. Jahrestages des Sturms auf die Moncada-Kaserne.

In einem zusätzlichen Brief, sagte ich ihm Folgendes:
„Salvador!
Das vorhergehende ist die offizielle, formelle Einladung zu den Feierlichkeiten des 20. Jahrestages. Es wäre großartig, wenn du zu diesem Datum einen Abstecher nach Kuba machen könntest. Kannst du dir vorstellen, was für eine Freude, Befriedigung und Ehre das für die Kubaner bedeuten würde? Ich weiß jedoch, dass das vor allem von deiner Arbeit und der Situation dort abhängt. Sodass wir es deinem Ermessen überlassen.“

„Wir stehen noch unter dem Eindruck des großen revolutionären Sieges vom 29. und der glänzenden persönlichen Rolle, die du bei den Ereignissen gespielt hast. Es ist natürlich, dass viele der Schwierigkeiten und Hindernisse weiter bestehen bleiben werden, aber ich bin sicher, dass diese erste erfolgreich bestandene Probe euch viel Mut einflößen und das Vertrauen des Volkes festigen wird. Auf internationaler Ebene wurde den Ereignissen viel Bedeutung beigemessen und es wird als ein großer Sieg eingeschätzt.“

„Wenn du so handelst, wie du es am 29. getan hast, dann wird die chilenische Revolution siegreich aus jeder Prüfung hervorgehen, egal wie hart diese auch sei. Ich wiederhole dir, dass wir Kubaner an deiner Seite stehen und dass du auf deine treuen Freunde von eh und je immer zählen kannst.“

Am 29. Juli 1973 schicke ich ihm den letzten Brief:
„Lieber Salvador!
Unter dem Vorwand, mit dir Angelegenheiten bezüglich des Treffens der blockfreien Staaten zu besprechen, werden Carlos und Piñeiro eine Reise dorthin machen. Die reale Zielstellung  besteht darin, von dir Information über die Situation zu erfahren und wie immer unsere Bereitschaft zur Kooperation gegenüber den Schwierigkeiten und Gefahren anzubieten, die den Prozess behindern und bedrohen. Ihr Aufenthalt wird sehr kurz sein, da sie hier viele ausstehende Verpflichtungen zu erfüllen haben und wir haben beschlossen, dass sie diese Reise unternehmen, trotzdem das ihre eigene Arbeit beeinträchtigt.“

„Ich sehe, dass ihr euch jetzt inmitten der schwerwiegenden Ereignisse, wie der brutalen Ermordung deines Marine-Adjutanten und des neuen Streiks der Lastwagen-Besitzer, in der heiklen Angelegenheit des Dialogs mit den Christdemokraten befindet. Deshalb kann ich mir die große vorhandene Spannung und deinen Wunsch, Zeit gewinnen und das Kräfteverhältnis verändern zu wollen, und zwar für den Fall, dass es zum Ausbruch des Kampfes kommt, vorstellen, und außerdem den Wunsch, einen Weg zu finden, der ein Fortschreiten bei dem revolutionären Prozess ohne Bürgerkrieg ermöglicht, und außerdem deine historische Verantwortung für das, was geschehen kann, wahrt. Das sind lobenswerte Absichten. Aber für den Fall, dass die andere Seite, deren reale Absichten wir von hier aus nicht einzuschätzen in der Lage sind, stur auf einer verräterischen und unverantwortlichen Politik beharren und dabei einen von der Unidad Popular und der Revolution unmöglich bezahlbaren Preis verlangen wir, – was sogar recht wahrscheinlich ist – vergiss keinen Augenblick die riesige Kraft der chilenischen Arbeiterklasse und die energische Unterstützung, die sie dir in allen schwierigen Augenblicken gegeben hat. Sie kann auf deinen Aufruf hin, dass die Revolution in Gefahr schwebt, die Putschisten zum Erliegen bringen, die  Unschlüssigen an unserer Seite halten, ihre Bedingungen auferlegen und ein für alle Male das Schicksal von Chile entscheiden, falls es notwendig wäre. Der Feind muss wissen, dass sie aufmerksam gemacht wurde und zum In-Aktion-Treten bereit ist. Ihre Kraft und ihr Kampfgeist können die Waage in der Hauptstadt zu deinen Gunsten umschwenken lassen, selbst wenn andere Umstände ungünstig wären.“

„Dein Entschluss, den Prozess mit Standhaftigkeit und Ehre selbst um den Preis deines eigenen Lebens zu verteidigen, - wovon jedermann weiß, dass du es zu erfüllen bereit bist -  wird alle jene Kräfte an deine Seite ziehen, die zu kämpfen in der Lage sind und alle würdigen Männer und Frauen von Chile. Dein Mut, deine Gelassenheit und deine Kühnheit in dieser historischen Stunde deines Vaterlandes und vor allem deine standhaft, entschlossen und heldenhaft ausgeübte Führung stellen den Schlüssel zur Situation dar.“

„Teile Carlos und Manuel mit, womit wir, deine treuen kubanischen Freunde, Kooperation leisten können.“

„Ich unterstreiche dir die Zuneigung und das unbegrenzte Vertrauen unseres Volkes!“

Das habe ich eineinhalb Monate vor dem Putsch geschrieben. Die Abgesandten waren Carlos Rafael Rodríguez und Manuel Piñeiro.

Pinochet hatte eine Unterredung mit Carlos Rafael. Er hatte vor ihm eine Loyalität und Standhaftigkeit ähnlich wie die des Generals Carlos Prats, Armeeoberbefehlshaber während eines Teils der Regierungszeit der Unidad Popular, simuliert. Prats war ein würdiger Militär, den die Oligarchie und der Imperialismus in eine vollkommene Krise brachten, die ihn zum Rücktreten zwang, und er wurde später, nach dem faschistischen Putsch von 1973, von den Schergen des chilenischen Geheimdienstes DINA in Argentinien ermordet.

Ich misstraute Pinochet seitdem ich die Bücher über Geopolitik gelesen hatte, mit denen er mich während meines Besuchs in Chile beschenkt hatte, und seinen Stil und seine Erklärungen beobachtet hatte und seine Methoden, die er als Armeechef anwendete, wenn die Provokationen von Rechts Allende zwangen, den Belagerungszustand in Santiago auszurufen. Ich erinnerte mich an das, vor dem Marx im 18. Brumaire warnte.

Viele führende Militärs der Armee in den Regionen und ihre Generalsstäbe wollten sich mit mir unterhalten, wo immer ich auch hinkam, und zeigten beachtliches Interesse an den Themen unseres Befreiungskrieges und den Erfahrungen der Oktoberkrise (Raketenkrise) von 1962. Die Treffen in der Morgendämmerung, die einzige mir zur Verfügung stehende freie Zeit, dauerten stundenlang. Ich willigte ein, um Allende zu helfen, indem ich ihnen mühsam die Idee beibrachte, dass der Sozialismus kein Feind der Armeeeinrichtungen ist. Pinochet war da als Militärchef keine Ausnahme. Allende betrachtete diese Treffen als nützlich.

Am 11. September 1973 fällt er heldenhaft bei der Verteidigung des Präsidenten-Palasts  Palacio de la  Moneda. Er hat wie ein Löwe bis zum letzten Atemzug gekämpft.

Die Revolutionäre, die dort dem faschistischen Ansturm standhielten, haben fabelhafte Dinge über die letzten Augenblicke erzählt. Die Versionen stimmten nicht immer überein, weil sie von verschiedenen Stellen des Palasts aus kämpften. Außerdem sind einige seiner nächsten Mitarbeiter gestorben bzw. wurden nach dem harten und ungleichen Kampf ermordet.

Der Unterschied der Zeugenaussagen bestand darin, dass die einen behaupteten, dass er die letzten Schüsse auf sich selbst abgab, um nicht gefangen genommen zu werden, und die anderen, dass sein Tod auf das feindliche Feuer zurückzuführen ist. Der Palast brannte, er war durch Panzer und Flugzeuge angegriffen worden, um einen Putsch zu vollenden, den sie als eine einfache Angelegenheit ohne Widerstand ansahen. Es gibt keinerlei Widerspruch zwischen beiden Formen die Pflicht zu erfüllen. In unseren Befreiungskriegen gab es mehr als ein Beispiel von berühmten Kämpfern, die, als es keine mögliche Verteidigung mehr gab, sich das Leben genommen haben, bevor sie gefangen genommen werden konnten.

Es gibt noch viel darüber zu sagen, was wir alles für Allende zu tun bereit gewesen waren, manche haben es schriftlich festgehalten. Das ist nicht das Ziel dieser Zeilen.

Heute ist ein Jahrhundert seit seiner Geburt vergangen. Sein Beispiel wird überdauern.

Fidel Castro Ruz
26. Juni 2008
18:34 Uhr

Ihr könntet in Stuttgart auch darüber diskutieren WARUM Salvador Allende am 11.September 1973 sterben musste.

Warum er überhaupt sterben musste, warum die Bewegung in Chile sterben sollte.

 

Die üblichen Verdächtigen, sie werden in den Zeilen von Fidel Castro  genannt.

Sie und ihre Steuermänner, wir befinden uns 1973 im "Kalten Krieg", ließ die Befürchtung nicht los,

wenn Chile einen Weg wie Kuba gehen würde, ein Flächenbrand nicht mehr aufzuhalten sein könnte.

 

Dieser könnte den Weg auf das Europäische Festland finden.

Die Kapitalistisch/Imperialistischen "Think Thanks" z.b unter Milton Freedman, fürchteten dass die "Idee Chile" auch auf Italien durchschlagen könnte und neben der KPdSU im Ostblock, auch die KP in Italien erfassen würde und  damit  die Idee des gelebten Sozialismus im Westen Fuß fassen könnte.

 

Wir erinnern uns, wir haben 1973 eine KPdSU. Diese hatte schon vor Salvador Allende formuliert, das eine Aktionseinheit von Kommunisten und Sozialisten einen Wendepunkt in der ganzen politischen Situation in Westeuropa garantieren und ein starkes Bollwerk gegen die Kräfte der Reaktion und Aggression errichten könnte.

 

Davor hatten die USA und Reaktionäre Kräfte in Teilen Europas ganz einfach Angst.

Russland wäre durch die Rüstungsspirale nicht mehr zu schwächen gewesen (die Westlichen Rüstungskonzerne hätten keine Kohle mehr verdienen können etc.etc.), und die KPdSU hätte das Geld statt für beschissene Panzer und Raketen in Bildung und Soziales stecken können. Vielleicht hätte der Sozialismus dann ja funktioniert. Ich weiss es auch nicht.

 

Ich weiss nur das die ganze Scheisse munter weiter breit gelatscht wird. Der Kalte Krieg ist vorbei da der Ostblock nicht mehr ist,

aber die Kriege gehendurch die NATO munter immer weiter.

 

Und der "War On Terror" lässt sich ziehen wie ein Kaugummi.   (Und die Kohle die manche damit verdienen ebenfalls)

Das sieht man in Afghanisten.

Zuerst dort einen Angriffskrieg wegen angeblicher Zerstörung des WTC I & II, WTC VII und das Pentagon durch Bin Laden,

Fakt ist das es bis heute deswegen keinen Haftbefehl der US-Behörden gegen OBL gibt.

Kein Afghani war an dieser 9/11 Sache beteiligt.

Inzwischen sind die Grünen in Afghanistan um für alles möglche zu kämpfen, den 9/11 schon längst vergessen.

Als nächstes ist Pakistan an der Reihe um zu verhindern das die "Al Kaida" an Atomwaffen kommt.

Irak ist im Eimer. (War auch nicht am 9/11 beteiligt und hatte nie "Weapons of Mass Destruktion"

U.N.glaublich..

 

Ihr werdet nicht umhinkommen die Kapitalismus - Sozialismus/Kommunismus Diskussion zu führen. Sicher.

 

Grüsse

 

Ach ja, Iran. Man sollte aufpassen wo man mitmarschiert und demonstriert.