Linker Troubadour aus Uruguay Daniel Viglieti in Freiburg

Daniel Viglieti

Nach fast dreißig Jahren kommt Daniel Viglietti, der uruguayische Troubadour, wieder zu einem Konzert nach Freiburg. Daniel Viglietti (1939 geboren) ist eine lebende Legende der lateinamerikanischen Musik. Sein halbes Leben widmete er der Musik und der Poesie. Jahre der Diktatur, der Not, des Widerstands. Viglietti spiegelt all dies in seinen Versen und den herausragenden Klängen seiner Gitarre, das Bewusstsein seiner Hörer fordernd.

 

"Canciones Humanas" "Lieder über Menschen", so will Viglietti seine nächste CD nennen. So möchten wir auch sein Werk beschreiben. Sensibilität, politisches Bewusstsein und Erinnerung vermischen sich.

 

*Mittwoch 20.10. 2010 um 20 Uhr
Vorderhaus
Freiburg, Habsburgerstr. 9


Einige Lieder:

Nocturna
A desalambrar

Otra voz canta

Chiapaneca



Daniel Viglietti / Canciones humanas

Die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts waren in Uruguay durch heftige soziale Kämpfe geprägt. Mit ihnen einher ging der Boom der sogenannten música popular: Unter dieser Bezeichnung kam eine Generation von MusikerInnen und SängerInnen auf, die den canto popular, die uruguayische Version des Singer-Songwriting entscheidend veränderten. Sie suchten neue musikalische Ausdruckformen und griffen mit ihren Texten, die Mut und Hoffnung verbreiten sollten, in die sozialen Auseinandersetzungen ein. Einer der herausragenden Vertreter dieser musikalischen Strömung ist der 1939 geborene Daniel Viglietti.


Von Kindheit an wächst er in einem musikalischen Umfeld auf. Seine Mutter, die Pianistin Lyda Indart, bringt ihm die klassische Musik nahe, sein Vater, Cédar Viglietti, die Folklore-Musik. Schon in jungen Jahren zeigt sich sein außergewöhnliches Talent im Gitarrespiel. Mitte der 1950er beginnt er eine musikalische Laufbahn als Konzertgitarrist und verfasst die ersten eigenen Kompositionen. Schnell zieht er die Aufmerksamkeit der Konzertgäste und Musikkritiker auf sich. Viele sehen in ihm den nationalen Hoffnungsträger für die Konzertgitarre. Doch Daniel und seine Gitarre entscheiden sich für einen anderen Weg. Tief beeindruckt von der kubanischen Revolution, widmet Viglietti sich der Fortentwicklung des canción popular und setzt sich in seinen Liedern mit der sozialen Realität seines Landes und Lateinamerikas auseinander. Berühmtestes Beispiel ist sein Stück A desalambrar, das Teil der 1967erschienenen Platte Canciones para el hombre nuevo ist. Das Stück avanciert zum Klassiker des canto popular. A desalambrar ist der revolutionäre Aufruf, die Zäune um den Großgrundbesitz einzureißen und das Land den Besitzlosen zu geben.

 

Ich frage alle hier, / habt ihr nie daran gedacht, / dass diese Erde uns gehört, / und nicht dem, der am meisten hat.

Mit dem Erscheinen dieser LP schließen sich die MusikerInnen des *canto popular *den Protesten gegen soziale Ungleichheit an. Das politische Lied, das "ein politisches Programm entwirft", wie Viglietti es ausdrückt, geht auf die sozialen Bewegungen zu. AktivistInnen und MusikerInnen profitieren gleichermaßen von diesem Bündnis und inspirieren sich gegenseitig. In dieses Jahr fällt eine der kreativsten Schaffensphasen Vigliettis. In seinem Repertoire verbindet sich der rebellische Gestus mit der Poesie von AutorInnen wie Cesar Vallejo, Federico García Lorca, Rafael Alberti, Nicolás
Guillén, Mario Benedetti, Idea Vilarino, Circe Maia u.a.


Im Jahr 1972 ist Daniel Viglietti auf einem Gipfel seiner Popularität angelangt, während die Regierung mit brutaler Repression gegen die Opposition vorgeht. Die Gefängnisse füllen sich mit politischen Gefangenen, und auch Viglietti wird verhaftet. Dank einer internationalen Solidaritätskampagne, an der sich u.a. Miguel Angel Asturias, Jean Paul Sartre und Francois Mitterrand beteiligen, kommt er wieder frei. Doch nur wenig später begibt er sich 1973 nach dem Militärputsch in ein Exil, das elf Jahre dauern sollte. Von Paris aus verbreitet er seine Musik in der ganzen Welt und beteiligt sich an den Kampagnen gegen die lateinamerikanischen Diktaturen. Trotz Repression und Zensur bleiben seine Lieder in der lateinamerikanschen Bevölkerung die ganze Zeit über lebendig und machen den Widerstandsgruppen auf der Straße und den politischen Gefangenen Mut. Als sich 1984 das Ende des Militärregimes abzeichnet, kehrt Viglietti nach Uruguay zurück, wo er von Tausenden von Landsleuten begeistert empfangen wird. Sofort setzt er sich auf seinen Konzerten für die Freilassung der politischen Gafangenen und die Wiederherstellung der Demokratie ein.

Nach dem Übergang zur Demokratie schließt sich Viglietti der Bewegung gegen die Straflosigkeit an. Auch für andere Bewegungen greift er unermüdlich und häufig unentgeltlich in die Saiten, sei es auf einem Konzert gegen die Privatisierung des Wassers oder einem Festival zur Unterstützung einer Landbesetzung im Norden Uruguays. Gegenüber der Frente Amplio-Regierung nimmt er eine im Grundsatz solidarische, in letzter Zeit aber auch zunehmend kritische Haltung ein.

Parallel zu seinen Aktivitäten als Sänger ist er als Journalist für die Wochenzeitung Brecha tätig. In Radio und Fernsehen führt er durch eigene Sendungen.

Auch nach über 50 Bühnenjahren vermag Daniel Viglietti mit seiner Stimme und seiner Gitarre das Publikum zu berühren. Und er setzt seine Suche fort, die ihn mit Generationen von Menschen verbindet, die wie er an der Utopie einer solidarischen Welt festhalten.

 

*Mittwoch 20.10. 2010 um 20 Uhr
Vorderhaus
Freiburg, Habsburgerstr. 9


*Abendkasse 15 €, ermäßigt 10 €, mit FreiburgPass 5 €
Kartenreservierung: 0761/4766009
Abholung um 19 Uhr
Veranstalter: Städtepartnerschaftsverein Freiburg - Wiwili u.a.