Thor Steinar-Outlet kauft sich in Nauen ein – Rechtes Szenelabel nahe Asylheim in Nauen

Erstveröffentlicht: 
24.09.2015

Erst im August gab es hier einen Anschlag auf ein geplantes Asylheim. Nun hat in Nauen ausgerechnet eine Firma, die "Thor Steinar" verkauft, eine Immobilie ersteigert - unweit einer anderen Flüchtlingsunterkunft.

 

Nauen - Eine Firma, die mit dem in der rechtsextremistischen Szene beliebten Modelabel „Thor Steinar“ handelt, hat in Nauen (Havelland) unweit einer in Bau befindlichen Asylunterkunft eine Immobilie erworben. Es handelt sich um ein Einfamilien- und ein Mehrfamilienhaus, beide leer stehend, sowie ein sanierungsbedürftiges Saalgebäude.


Bei Neonazis beliebt: Die Outlet-Firma vertreibt "Thor Steinar"

Konkret geht es um die Firma Skytec Outlets GmbH, die ihren Sitz in Mittenwalde bei Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) hat und die Marke Thor Steinar in einem Outlet-Shop vertreibt. Sie firmiert unter derselben Adresse wie die eigentliche Thor-Steinar-Firma.

Die Skytec Outlets GmbH hat das Gelände in Nauen am vergangenen Mittwoch bei einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht Potsdam erworben. Das bestätigte die Firma auf PNN-Anfrage. Auch das Rathaus bestätigte die Information. Betrieben worden sein soll die Zwangsversteigerung von einer Bank und dem Wasser- und Abwasserverband Nauen.


Die Firma will sich nicht zu ihren Plänen äußern

Die Skytec Outlets GmbH soll den Zuschlag für eine Summe von 210 000 Euro erhalten haben. Die Firma wollte sich nicht näher dazu äußern, was sie mit dem Gelände vorhat. Der Abwasserverband wies schon die PNN-Anfrage nach der Zwangsversteigerung brüsk zurück.

Das Gelände gehört zur früheren Zuckerfabrik in Nauen. Auch auf dem Nachbargrundstück hat ein einschlägig bekanntes Unternehmen seinen Sitz, wie Handelsregisterauszüge belegen. Die Firma hat in Berlin lange Jahre bei Neonazis und Hooligans beliebte Modemarken verkauft.


Beratungsteam ist besorgt: Marke transportiert politische Ideologie

Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) wollte sich noch nicht zu dem Verkauf äußern. Er bestätigte aber, dass sich die Immobilie etwa 200 Meter Luftlinie von einer geplanten Asylunterkunft für mehr als hundert Flüchtlinge befindet. Bis Ende erstes Quartal 2016 soll es fertig sein.

Frauke Postel vom Mobilen Beratungsteam (MBT) gegen Rechtsextremismus äußerte sich besorgt über den Grundstücksankauf in der Nachbarschaft des künftigen Flüchtlingsheimes. Zwar sei die Frage der Nutzung des Geländes noch völlig offen, jedoch halte sie ein Projekt zur Stärkung der rechtsextremen Szene vor Ort durchaus für möglich. Immerhin gehöre zu dem Grundstück auch eine Halle, die in der Vergangenheit unter anderem als Disko genutzt wurde.

Außerdem habe die von Skytec Outlets produzierte Marke Thor Steinar, so Postel, „in der rechtsextremen Szene immer noch einen bestimmten Stellenwert“. Die Kleidung gelte nach wie vor „als Medium für den Transport von politischer Ideologie“, sagte die Rechtsextremismus-Expertin vom MBT.


Heimtückischer Brandanschlag im August

Wie berichtet hatte Neonazis Ende August in Nauen einen Brandanschlag auf eine als Flüchtlingsunterkunft vorgesehene Turnhalle verübt, die völlig zerstört wurde. Wie berichtet, sind die Täter dabei offenbar besonders heimtückisch vorgegangen. Nach PNN-Informationen hat sich der zunächst aus Reihen der Linken in Brandenburg geäußerte und später von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) aufgegriffene Verdacht erhärtet, bei dem Anschlag handle es sich um rechten Terror. Offenbar vermuten die Ermittler inzwischen, dass die mutmaßlich rechtsextremen Täter Gas in die Turnhalle eingeleitet haben.