Nachtrag zum Outing des Nazis Frank Arens aus Bochum

Christian Wiggershaus, Siegfried Borchardt und Frank Arens (Dortmund, 2012)

Dass das Outing des in Dortmund aktiven Neonazis Frank Arens in seinem Wohnumfeld in Bochum Ende August ein so großes Echo hervorgerufen hatte, hat uns auch etwas überrascht. Im Folgenden wollen wir unsere Angaben zu Arens noch einmal etwas weiter ausführen und das Verhalten der Bochumer Polizei näher betrachten, die erklärt hatte, den langjährigen Neonazi überhaupt nicht zu kennen.

 

Seit mehr als dreißig Jahren ist Frank Arens (geboren am 16. März 1969 in Herne) in der nordrhein-westfälischen Neonaziszene aktiv. Zunächst bewegte er sich in der neonazistischen “Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpatei”. Enger Weggefährte ist seit jeher der bundesweit bekannte Neonazi Siegfried “SS-Siggi” Borchardt. Zusammen begingen sie zahlreiche politisch motivierte Straftaten.

 

Exemplarisch schildern wir im Folgenden einen Tatkomplex, der beim Prozess gegen die Neonazis aus dem Wittener FAP-Spektrum Arens, Kopperschläger, Krieger und Reichel, am 14. Januar 1988 vor dem Bochumer Bezirksjungendschöffengericht verhandelt wurde. Wie sich später mit der Urteilsbegründung bestätigte, sah es das Gericht als erwiesen an, dass der damals 18-jährige Frank Arens im Mai 1987 zunächst einer Feier auf dem “Kahlen Plack” (einer großen Lichtung in Witten-Annen) zusammen mit seinen Kameraden beigewohnt hatte. Kurz nach Mitternacht hat die Neonazi-Clique den Entschluss gefasst, dem nahe gelegenen Asylbewerberheim “ein Besuch” abzustatten. Dort angekommen haben die FAP-Aktivisten versucht die Bewohner anzugreifen und Steine und Flaschen auf das Wohnhaus geschleudert. Darüber hinaus haben sie die vor dem Gebäude geparkten Fahrzeuge demoliert. Von den drei damals zum Prozess geladenen Bewohnern des Hauses wurde Arens eindeutig als einer der Steinewerfer identifiziert. Anschließend sind die Nazis zum Wohnhaus des Wittener SPD-Politikers Klaus Lohmann gefahren, haben vor dessen Tür getreten und Parolen gerufen wie “Komm raus, du Bolschewikenschwein! Wir machen dich alle!”. Letztlich wurde Arens nach vier Prozesstagen am 29. Januar 1988 vom vorsitzenden Richter Frank Haardt zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt – er wurde wegen Fluchtgefahr noch im Gericht festgenommen.

 

Auch wenn Arens die letzten Jahre von der Bildfläche verschwunden schien, war er nach wie vor in der regionalen Neonaziszene aktiv. In den letzten Jahren fiel er insbesondere durch seine Verbindungen zu den “Autonomen Nationalisten” des “Nationalen Widerstands Dortmund” (NWDO) auf. Regelmäßig besuchte er zusammen mit Siegfried Borchardt die wöchentlichen Treffen, die die vergangenen Jahre (seit Juli 2009) im “Nationalen Zentrum” an der Rheinischen Straße 135 in Dortmund-Dorstfeld stattfanden. Von öffentlichen Versammlungen der regionalen Neonaziszene hingegen hielt sich Arens offenbar ganz bewusst fern – wohl aus Angst erkannt zu werden. Nach dem Outing ist diese (scheinbare) Anonymität allerdings verloren gegangen. Nicht nur seine Nachbarn wissen nun Bescheid, sondern auch sein derzeitiger Arbeitgeber. Sie wissen Bescheid, dass Frank Arens ein überzeugter Neonazi ist, der seit mehr dreißig Jahren ein aktiver Protagonist der militanten Neonaziszene ist. Dass die Beamten am 23. August 2012 seine Wohnung durchsuchten zeigt, dass auch die Ermittlungsbehörden ihn nach wie vor als aktiven Neonazi wahrnehmen und ihn zu den vom NRW-Innenministerium ausgemachten 62 Neonazis des NWDO zählen.

 

In einem Zeitungsartikel der Ruhr Nachrichten , der einen Tag nach dem Outing veröffentlicht wurde heißt es: “Der Polizei sei er nicht bekannt, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Dass er tatsächlich aktives Mitglied der Dortmunder Nazi-Szene sein soll, konnte ebenfalls nicht offiziell bestätigt werden.”

 

Es wäre die eine Sache gewesen, wenn die Polizei gesagt hätte, sie könne aus datenschutzrechtlichen Gründen nichts dazu sagen. Dass die Behörde aber gegenüber der Presse (und damit der Öffentlichkeit gegenüber) angibt, Frank Arens sei ihnen “nicht bekannt” ist ein Skandal. Ob die die Behörden einfach nur untereinander nicht zusammenarbeiten oder der Staatsschutz seine Erkenntnisse nicht an die betreffenden Stellen vor Ort weitergibt, so hat das nach dem Bekanntwerden der Ermittlungspannen und den bewussten Verstößen der Behörden im Fall der rechtsterroristischen Gruppe “Nationalsozialistischer Untergrund” doch einen mehr als faden Beigeschmack.*

 

Laut dem Zeitungsartikel der Ruhr Nachrichten überlegt der derzeitige Arbeitgeber von Frank Arens, die Musical-Show “Starlight Express” in Bochum, rechtliche Schritte wegen des Outings einzuleiten – nicht gegen Arens sondern gegen uns. Wir hoffen, dass Arens’ Vorgesetzte die hier nochmal aufgeführten Beweise für Arens’ Neonazi-Tätigkeit zum Anlass nehmen, umzudenken und ihn vor die Tür zu setzen! Schließlich hatten sie angekündigt, die “Vorwürfe” zu prüfen und gegebenenfalls die Konsequenzen zu ziehen. Nachdem die Behörden nach den Razzien am 23. August in NRW kurzzeitig aktiv wurden, scheinen sie nun wieder in ihren üblichen Trott zurückzufallen und mit wichtigen Informationen hinterm Berg zu halten.

 

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* Obgleich wir mit dieser Kritik dem Ausbau staatlicher Überwachung das Wort reden ist dies nun einmal der Spagat, in den sich jedwede (linke) realpolitische Kritik an staatlichen Behörden und Organen zwangsläufig begeben muss, wenn sie sich nicht gleich die Absolutforderung nach der Auflösung des Staates auf die Fahnen schreiben will.

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"Es wäre die eine Sache gewesen, wenn die Polizei gesagt hätte, sie könne aus datenschutzrechtlichen Gründen nichts dazu sagen. Dass die Behörde aber gegenüber der Presse (und damit der Öffentlichkeit gegenüber) angibt, Frank Arens sei ihnen “nicht bekannt” ist ein Skandal."

Der erste Satz kann aber auch als "Ja" gewertet werden, von daher war die zweite Reaktion die einzig richtige wenn jemand Fremdes (nichtstaatliches) kommt und Informationen über Personen haben will.

Dieses Foto von 1988 zeigt Wittener, Gelsenkirchener und Dortmunder FAP-ler während einer Prozesspause am Bochumer Gericht. Auf der rechten Seite Christian Sennlaub (FAP-Gausekretär Ruhrgebiet), (verdeckt) Siegfried Borchardt (FAP-Landesführer- und Kameradschaftsführer Dortmund) und Gisbert Reichelt.

 

FAP-Prozess 1988 (Foto: Azzoncao)

Fünfter von Links, mit Brille, zeigt Frank Arens.

wo bin ich hier den gelandet?! warum packst du auf das foto ein logo? "mein foto gehört mir!" ... was ist das denn? jetzt fängt auch schon die linke mit so copyright-denken an. pfui!

Schau auf Infothek Dessau, Recherche-Nord, Apabiz, etc.. Die und viele ander Linke haben allen Grund ihre Fotografien zu adden. Weil sie sich der Gefährdung aussetzen, sich die Arbeit machen, ihre Zeit opfern und schließlich andere "Linke" bedienen, die damit Geld verdienen.

Naja, entweder bist Du ein Neuling (rookie) oder ein notorischer Stänkerer. Such´s dir aus.

Ich bin nicht der von oben, ich bin kein Anfänger und ich finde das Logo auf deinem Foto auch scheiße. Ich kann mir schon denken, dass dich die wiederholten Verwendungen deiner Fotos ohne Credits ärgern. Aber dass du deshalb genau den gleichen unsolidarischen Weg gehst wie Infothek Dessau, Recherche-Nord, Apabiz, etc. enttäuscht mich sehr. Schade, du hattest dazu mal eine andere Einstellung, vielleicht überdenkst du das ja nochmal.

Seid wann ist es unsolidarisch ein Foto mit seiner Signatur zu versehen?

Es ist ein Copyright-Vermerk. Du versuchst damit eure Politik (repräsentiert durch das Logo) anderen Antifas aufzudrücken. Es ist Privatbesitz an Rechercheergebnissen und damit unsolidarisch. Ganz ehrlich, das regt mich nicht nur bei diesem Fall auf, das finde ich auch bei allen anderen erwähnten Antifagruppen scheiße.

Das ist d/eine Auslegung. Und sie folgt der reinen Besitz-Logik.

 

Recherchearbeit wird von Menschen geleistet. Fotos von Fotografen gemacht, Bilder von Maler, Graffities von Sprayern, Häuser von Maurern gebaut, Getreide von Bauern geerntet, usw..

Jeweils besteht ein direkter Bezug zu dem/r Arbeitenden. Der/diejenige hat durchaus das Recht sich als der/die Erzeuger, Erbauer, etc. zu benennen.

Du forderst im Kapitalismus den altruistischen Menschen, der alles für alle gibt. Der, deiner Meinung nach, aber nicht einmal das Recht besitzt, zu sagen, dass er/sie etwas Bestimmtes geschaffen hat. Du forderst implizit die Selbstaufgabe und Gesicht- und Geschichtslosigkeit von Menschen.

Wie gesagt: Du warst da mal anders drauf und ich finde es schade, dass Leute, die deine Arbeit nicht wertschätzen, dich zu sowas treiben. Dann pack halt deinen Stempel drauf, mehr Anerkennung kriegst du dafür sicher nicht. Ich werde das weiterhin nicht machen und du wirst meine Arbeit auch weiterhin ohne Logo benutzen können. Und du wirst sie auch weiterhin benutzen, wie du das in der Vergangenheit (mit meinem Einverständnis) auch getan hast. ;-)

Der Umgang in der angeblichen "Linken", die neoliberal durchstrukturiert ist oder autoritär dominiert wird, sollte mehr deine Kritik und deinen Widerstand herausfordern. Auf die aufgezeigten Problemfelder der Funktionalisierung, Ausbeutung und Erpressung innerhalb dieser "Linken" gehst Du nicht ein. Weder theoretisch noch mit praktischen Vorschlägen.

Auf die geäußerten Bezüge zu anderen Produktionsprozessen und Zuordnungen gehst Du auch nicht ein.

Allein ein moralischer Zeigefinger wird erhoben. Das mag zwar dem ein oder anderen ein gutes Gefühl geben und hilft sich abzugrenzen. Problemlösend ist es auf keinen Fall.

Du könntest weiterhin darauf hinweisen, wenn deine Fotos ohne Credits verwendet werden. Das hast du ja in der Vergangenheit auch gemacht.

Du könntest einfach mal einen Schritt zurück gehen und mit Abstand betrachten, dass die Verwendung eines Fotos durch Nazigegner ohne Credits kein Weltuntergang ist. Sicher, das ärgert und ist nicht nett, aber es rechtfertigt aus meiner Sicht nicht dieses penetrante in den Vordergrund drängen durch ein Logo.

Und wie kommst du auf die Idee, dass ich autoritäre Strukturen nicht kritisieren würde? Natürlich tue ich das, aber doch nicht an dem Punkt, wo ich dich für die Verwendung eine Logos kritisiere.

Ich bleibe dabei, du lässt dich hier in eine Rolle drängen, die deiner guten Arbeit nicht gerecht wird. Ich werde das auch in Zukunft nicht mitmachen, auch wenn meine Fotos vom politischen Gegner (nicht vom politischen Feind) benutzt werden.

Aber selbst das ist mir schon passiert, die NPD hat mal eines meiner Fotos geklaut. Daraus habe ich den Schluss gezogen, dass Fotos für sich genommen eine Aussage haben müssen, die sich nicht so leicht vereinnahmen lässt. Seitdem versuche ich so zu fotografieren, dass die Sachen für Nazis unattraktiv sind und bisher hat das auch funktioniert.

Mit der Verwendung eines Logos drückst du zukünftiger Antifarecherche deinen Stempel auf. Nicht, weil die Leute von deinem Konzept oder deiner Arbeit begeistert sind, sondern einfach, weil du es kannst. Das ist eine Machtstruktur, die eng an der kapitalistischen Logik des Privatbesitzes angelehnt ist. Und sowas lehne ich ab.

man hat doch jetzt zur "nsu" sache oft genug gesehen das bild & co irgendwelche nazis abdrucken mit komischen quellenangaben wie internet. ein wasserzeichen ist ganz praktisch da sie dann vielleicht die urheber kontaktieren.

...woanders ausdiskutiert werden?

Es geht hier um das Outing Frank Arens', nicht um den Umgang mit dem Urheberrecht.

Gäähnnnn...

Da hat die Ruhrgebiets-Recherche mal wieder 1A gearbeitet.

Aktuelle (und brisante) Fotos geschossen, Archiv-Material durchforstet, Zusammenhänge recherchiert und übersichtlich dargestellt: Super Ding, liebe Dortmunder/Bochumer! Das sitzt! Weiß den schon sein Arbeitgeber, der Starlight Express, von dem Artikel und den Fotos? Und dieses Mal bleibt offenbar auch das sonst übliche Gedisse weg. Schön!

 

PS: Die Copyright-Diskussion gehört nun wirklich nicht zum eigentlichen Artikel und sollte deshalb als Off-Topic markiert werden.

in der nacht vom 19.11. auf den 20.11. wurde die im sommer durchgeführte outing-aktion gegen den neonazi frank arens zu ende gebracht in dem sein privat pkw in der tippelsberger straße in bochum abgefackelt wurde.

https://linksunten.indymedia.org/de/node/72070

 

20.11.2012 | 13:29 Uhr
POL-BO: Pkw am Tippelsberg ausgebrannt

Bochum (ots) - Ein brennender Pkw an der Tippelsberger Straße in Bochum lieferte den Grund eines Einsatzes in den heutigen Nachtstunden für Feuerwehr und Polizei. Anwohner bemerkten gegen 02.10 Uhr einen dumpfen Knall. Bei Nachschau stellten sie dann Flammen an einem geparkten Pkw in Höhe der Hausnummer 50 fest. Das Feuer griff zügig auf den Fahrzeuginnenraum über. Der Kleinwagen brannte völlig aus. Die Feuerwehr löschte das Auto. Einen technischen Defekt schließen die Ermittler der Kriminalpolizei aus und gehen mithin von einer Brandlegung aus. Hierzu werden Hinweise von Zeugen erbeten. Unter der Rufnummer 0234/909-3121 werden diese entgegengenommen.

http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/11530/2367191/pol-bo-pkw-am-...