Dortmund: “Borussenfront”-Feier in städtischer Immobilie

borussenfront

Wie nun aus Szene-Kreisen bekannt wurde, wollen ehemalige Mitglieder und SympathisantInnen der bekannten Hooligangruppierung “Borussenfront” eine Jubiläumsfeier am kommenden Freitag, dem 22.04., veranstalten. Fast jedes Jahr feiert diese extrem rechte Gruppierung am Karfreitag, dem Jahrestag ihrer offiziellen Gründung im Jahr 1982. Besonders brisant ist es, dass die diesjährige Feier im “Nationalen Zentrum”, dem örtlichen Neonazitreffpunkt an der Rheinischen Straße 135, stattfinden soll. Die Immobilie gehört seit dem Jahreswechsel 2011 der Stadt Dortmund, wird aber immer noch von Neonazis als Treffpunkt genutzt.[1]

Kerstin Wiedemann, Pressesprecherin der Antifaschistischen Union Dortmund, erklärt hierzu: “Der Stadt Dortmund dürfte die kritische Nutzungssituation dieses Ladenlokals bekannt sein. Ziel sollte es daher also sein, zu prüfen, ob eine hinreichende Gefahrenprognose vorliegt, die es ermöglicht, die Veranstaltung zu untersagen. Nicht selten kam es im Umfeld von Feiern Dortmunder Neonazis zu ‘Sieg Heil’-Rufen sowie zu Angriffen auf MigrantInnen und alternative Jugendliche.”

 

“SS, SA, Borussia”

Die "Borussenfront" war in den 1980er Jahren eine der bekanntesten Hooligangruppierungen. Ihre Mitglieder prügelten sich nicht nur an Spieltagen mit gegnerischen Fans, sondern gingen auch außerhalb des Stadions auf MigrantInnen los. Auch optisch bezog man deutlich Stellung: die Dortmunder Hooligans benutzten dabei auch immer wieder NS-Symbole wie Runenschrift oder den SS-Totenkopf, etwa auf ihren Zaunfahnen oder T-Shirts. Dass dabei nicht nur ein Wille zur Provokation, sondern auch eine durchaus ernstgemeinte politische Einstellung zum Ausdruck kam, lässt sich am besten an der Person Siegfried Roland Borchardt zeigen: „SS-Siggi“ war Mitbegründer der neonazistischen „Kameradschaft Dortmund“ und fungierte früher in der Dortmunder Neonaziszene als Anmelder von zahlreichen Aufmärschen. Er war lange Zeit einer der führenden Köpfe der "Borussenfront", die ihrerseits wiederum bis in die 90er Jahre hinein das Sagen auf der Dortmunder Südtribüne hatte. „Früher waren wir einmal Fußballfans heute machen wir unsere eigene Show!“, hieß es in einer Selbstverständniserklärung der Gruppierung, deren offizielles Motto „Stehenbleiben und draufhauen!“, war. Doch spätestens seit ihr großen “Jubiläumsfeier” zum 20-jährigen Bestehen, war es merklich still um die Truppe geworden. Nachdem Ostern 2002 die Feier in Dortmund untersagt wurde, verlegte man die Veranstaltung auf einen Acker bei Kirtorf (Hessen) und reiste spontan mit den 150 Gästen zu dem Konzert der extrem rechten Bremer Band “Kategorie C”. Dort feierte man sich dann schließlich mit bis zu 600 Personen unter der Parole “SS, SA, Borussia” selbst.  

 

Stadt muss aktiv werden

“Jenseits von reiner Symbolpolitik ist es nun wichtig, dass die Stadt handelt und ihren Bekundungen, ein ‘Auge auf das Gebäude’[2] zu haben, Taten folgen lässt”, betont Wiedemann. So sollte es durchaus möglich sein, dass die Stadt Dortmund die Feier bei einer entsprechenden Gefahrenprognose verbietet. Auch eine ständige Beobachtung der Feier von Polizei und Ordnungsamt wäre zumindest eine Möglichkeit, die Gefahr für MigrantInnen und andere Personen, die von den Gästen der Feier ausgeht, zu reduzieren. Kerstin Wiedemann erklärt dazu weiter: “Es kann nicht sein, dass sich zahlreiche Neonazis und gewaltbereite rechte Hooligans in einer Immobilie der Stadt Dortmund treffen und dort ungestört feiern können. Die Stadt steht hierbei in der Pflicht, alle Maßnahmen, die zur Verhinderung der Nazi-Feier beitragen könnten, zu ergreifen.”

 

Weitere Infos findet ihr hier:

"Borussenfront"-Artikel bei Wikipedia

Broschüre über die "Borussenfront" von 1984 [pdf]

 

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[1] http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/lokalnachrichten_dortmund/Stadt-hat-Nazi-Haus-gekauft;art930,1144506

[2] http://www.westline.de/lokales/dortmund/nachrichten/ln/Stadt-hat-Nazi-Haus-gekauft;art1787,367936

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Niemand wird dagegen Aktiv, weder Stadt oder sonstwer.

Wer den Scheiss ernsthaft und nachhaltig verhindern will muss antifaschistisch intervenieren!

ja, genau. lasst uns schnell zu massenblockaden aufrufen. damit haben wir schon 2010 den "nationalen antikriegstag" verhindert. wir rufen alle parteien, gerwerkschaften, migranten und antifaschisten auf uns anzuschließen! schnell! dortmund stellt sich quer! wir sind einfach mit allen solidarisch!

Da sitzt das Trauma aber tief...

Wenn Ihre Gruppe so radikal ist, wie sie vorgibt, warum demonstrieren und boykottieren sie diese Veranstaltung nicht am gleichen Tag?

Warum rufen sie nach dem kapitalistischen Stadtstrukturen?

wo gibt die gruppe vor radikal zu sein? hab ich was überlesen?

Offenbar haben Sie da etwas missverstanden. Es handelt sich nicht um einen Ruf nach den "kapitalistischen Stadtstrukturen", sondern um eine Aufforderung an die Stadt, von ihrer Symbolpiltik abzuweichen und nun mal Taten sprechen zu lassen. Natürlich steht es Ihnen frei, darin einen Ruf nach dem starken Staat oder dergleichen zu sehen. Ich allerdings wäre da eher vorsichtig mit solchen Überinterpretationen. Wieso Sie ferner das Primat der Ökonomie in Spiel bringen bleibt mir bei diesem Beispiel auch schleierhaft.

 

Und zu guter letzt, Herr anonym. Woher glauben Sie zu wissen, dass nicht doch noch direkter Protest organisiert wird? Wissen Sie etwa schon wieder mehr als ich? Vielleicht kann das hier ja auch schon als erste(?) Reaktion auf die Faschisten-Party angesehen werden? " Neue Farbattacke auf Nationales Zentrum"

"“Borussenfront”-Feier in städtischer Immobilie", was anderes als Verweis auf Eigentum und Primat der Ökonomie ist das?Was anderes als Ruf nach Ordnungsamt und Polizei?Hast du noch immer deinen Glauben an das Gute im Staat und Kapital nicht verloren?Schreib weiter Pressenotizen. Das kannst Du gut.Einer weiteren Karriere im Amt steht Dir Nicht im Wege. Konvertieten werden immer gesucht.

hier gehts um nen simplen appel an die stadt, die naziparty zu untersagen und nicht ums große ganze. wer so verrannt und dogmatisch ist und auf die art und weise gegen staat, kapital und nation agieren will, der sollte am besten gleich in de wald ziehen, wenn sein denken und handeln so isoliert vom rest der welt ist und er meint, das man im luftleeren raum lebt. denk mal drüber nach. kannst ja auch gerne mit deinen zahlreichen antifa-atzen aus bochum nach dortmund jiggern. ach, warte. da bist du ja auch so isoliert. schade.

...machte der Papiertiger und schnurrte um Schaftstiefel.

wie immer gute arbeit, liebe dortmunder. weiter so!

 

Rechtsextremismus : Stadt und Polizei wollen Szene im Auge behalten

Dortmund, 21.04.2011, DerWesten

Dortmund. Das städtische Haus an der Rheinischen Straße, in dem die rechte Borussenfront ihren Geburtstag feiern will, bleibt weiter unter Kontrolle. Polizei und Stadt haben angekündigt einzuschreiten, „wenn es dazu Anlass gibt“.


Polizei und Stadt werden in den nächsten Tagen das städtische Gebäude an der Rheinischen Straße im Auge behalten und, „wenn es dazu Anlass gibt, einschreiten“, erklärte Stadtsprecher Michael Meinders. Nachdem der Stadt Dortmund zugetragen worden war, dass rechte Kreise möglicherweise in dem städtischen Gebäude eine Gedenkveranstaltung zur Gründung der rechtsradikalen Borussenfront (1982) an Karfreitag planten, habe das Ordnungsamt Kontakt zur Polizei aufgenommen. „Dort gibt es“, betonte Meinders weiter, „keine Erkenntnisse darüber, ob und ggf. wo eine solche Veranstaltung geplant ist.“

 

Die Immobilie gehört seit Jahresbeginn 2011 der Stadt. Sie hatte das Haus gekauft, um zu verhindern, dass Neonazis die Immobilie kaufen. Nach wie vor nutzen Nazis die Räumlichkeiten zu verschiedenen Treffen.

 

Die Grünen fordern in einer Stellungnahme die Verwaltung auf, alle Möglichkeiten zu nutzen, um eine Feier der rechtsradikalen, ehemaligen Borussenfront im städtischen Gebäude zu verhindern. „Jede Aktion der Dortmunder Neonazi-Szene ist eine zu viel“, so Grünen-Fraktionschef Mario Krüger. Dass nun sogar in einem städtischen Haus der Geburtstag der Borussenfront gefeiert werden soll, sei unerträglich und eine Verhöhnung der Stadt. Aus guten Gründen habe die Stadt zu Jahresbeginn das Haus gekauft. „Von einer Auflösung der Verträge mit den jetzigen Mietern haben wir seit dem nichts mehr gehört.“

 

„In den letzten zwei Wochen häuften sich Anschläge der Dortmunder Neonazis gegen die, die sie als Gegner ihrer rassistischen und völkischen Ideologie ausgemacht haben“, so Ulla Richter vom Bündnis Dortmund gegen Rechts.

Hausrecht wahrnehmen

Anscheinend würden die Autonomen Nationalisten eine Art „Frühjahrskampagne“ starten, um Antifaschisten einzuschüchtern, was auch der Farbanschlag auf der Haus von HSP-Betriebsratschef Gerd Pfisterer zeige. „Die Stadt ist aufgefordert, ihr Hausrecht in dem Haus Rheinische Str. 135 wahrzunehmen und dem braunen Spuk ein Ende zu setzen.“ Ist es ein „Warmlaufen“ vor dem 1. Mai, an dem Nazi-Schläger schon einmal die Demonstration des DGB überfallen haben?