Eine Frage nach radikaler antispeziesistischer Taktik

Brandergebnis: Fabrik steht still
Was ist eigentlich der Kampf den wir als Tierbefreiungsaktvist*innen kämpfen? Seine Natur? Welche Strategien gibt es? Guerilla oder Infostand?

Mir wird ja so gerne erzählt, es müsse mehr Outreach geben. Mehr Leute müssten freundlich über die gesundheitlichen Vorzüge pflanzlicher Ernährung informiert werden etc. Alles andere sei Gewalt. Sämtliche Ansätze die darüber hinausgehen Menschen freundlich lächelnd Pamphlete zusammen mit veganen Muffins zu überreichen (Anm. 1), sei extremes Zeug. In Veganismusgruppen in diversen Internetforen oder im echten Leben wurde mir schon erzählt, dass es das gleiche sei, wenn (lebewesenfreie) Schlachtereien brennen und wenn Geflüchtetenunterkünfte brennen. Ich frage mich ob die ganze Community so denkt und dieser Umfang der Unfähigkeit zur Reflektion üblich ist.

Welche Mittel sind eigentlich legitim und welche effektiv? Müssen sich wirklich jedes mal die Leute die sich vegan nennen mit ihrer elitären akademischen Überheblichkeit von jeder einzelnen direkten Sachbeschädigung distanzieren? Jede ALF Aktion zerreden? Ihre Mittelmäßigkeit in die Befreiungskämpfe Anderer mischen? Für mich ist das purer Reaktionismus. So gerne ich mich irgendwo hinstelle, Leuten Flyer in die Hand drücke und mit ihnen stundenlang darüber diskutiere ob es denn nun wirklich eine Einschränkung der individuellen Entfaltung ist, keine Milchprodukte zu konsumieren (z.B.). So unterhaltsam Onlinediskussionen mit widerlichen Fleischesser*innen sein mögen. So gerne ich auf Demos rumkrakele und irgendwas von Tierbefreiung und Menschenrecht schreie. Meine Frage ist: Macht das das Sinn? Findet Ihr wirklich dass das Sinn macht? Auf staatlich sanktionierten Demos? Auf staatlich sanktionierten Infoständen? Vom selben Staat der Tierausbeutung subventioniert?

Wieviel Energie und Kraft fließt in die Diskussion mit bornierten Passant*innen. Wie viel Tränen fließen bei uns wenn wir monatelang eine Demo vorbereiten und als der einzige Effekt eine kurze Erwähnung in einer nichtssagenden Zeitung auftaucht, welcher besagt, dass "Tierschützer [sic] protestierten". Wenn die ahnungslose Bourgeoisie uns nur "Peta" hinterherruft, weil sie mal irgendwann was bei RTL darüber gesehen haben. Als wäre das Einzige was die vegane Bewegung kann sich in Sexismus und Holocaustrelativierung subsumieren ließe.
Also: Wir führen einen ungleichen Kampf gegen eine der größten, wenn nicht die größte Industrie auf der einen Seite und unserer kleinen Freizeit und unserem übersichtlichen Privatgeld auf der anderen Seite. Wir tauschen keine Argumente in einem gleichwertigen Kreis am runden Tisch aus, an dem alle Seiten gleichberechtigt sind. Bestenfalls greifen die reformistischen Tierschützer*innen unsere Erfolge ab und drehen sie für ihre speziesistischen Ziele um. Unser Argument wird aufgeweicht und wir haben nicht die Ressourcen das richtig zu stellen, dass es die breite Masse verstehen kann. Wir müssen endlich realisieren, dass wir einen Guerillakampf führen.
Guerillakämpfe lassen sich nicht mit Petitionen gewinnen.
Die bürgerliche Reaktion sagt: "Ja, aber Schlachthäuser in Brand zu stecken bringt ja auch nix. Denk doch auch mal an die Außenwirkung!" Wieviele Fälle von Schlachtbetrieben brauchen wir noch, bei denen Versicherungen sich einfach weigern diese weiter zu versichern, bis die Leute einsehen, dass --doch-- es was bringt, diese Fabriken zu zerfetzen. (Anm. 2)
Wenn wir kollektiv die Energie, die wir jetzt damit verbringen uns um Demonstrationen zu kümmern, die zehntausend Auflagen haben und von niemandem außenstehenden verstanden werden, für Direkte Aktionen nutzten. Stellt Euch das nur mal kurz vor. Wenn nicht nur einmal im Jahr ein Schlachthaus brennt, sondern wenn jeden Tag Dinge die nur zum Mord bestimmt sind zerstört werden. Wenn den Schlachtenden ihre Instrumente, ihre Mittel, ihr Eigentum entzogen wird. Wenn keine Versicherung sich an die Tierindustrie mehr rantraut, weil jeden Monat eine Fabrik brennt, Laster täglich kaputt gehen, jeder Betrieb überall schon mehrfache Erfahrung mit Sabotage gemacht hat. Ohne Mackerbekenner*innenschreiben, ohne Tara und Positionierung.
Wir gewinnen sowieso keine Sympathiepunkte. Wir haben keine Sichtbarkeit. Was haben wir also von dem behämmerten aufgesetzen Grinsen vegetarischer Bünde?
Es wird Zeit (wieder) die anderen Zähne zu zeigen (Anm. 3). Klandestin und ohne Egokacke. Ruhig und effektiv. Das was am besten funktioniert.

(1) Anmerkung: Das ist ebenfalls ein akzeptables Mittel, und ich möchte mich keinesfalls davon entsolidarisieren was die vielen Menschen leisten die sich hier engagieren. Aber eben nicht das einzige Mittel, dessen wir uns bedienen können.
(2) http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/VGH-will-Wiesenhof-nicht-mehr-versichern,wiesenhof562.html
(3) Obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte, sollte darauf hingewiesen werden, dass dies kein Aufruf dazu ist Personen zu verletzen oder schlimmeres.
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Was willst du der Welt da draussen denn mitteilen?

-Stundenlange Gespräche nerven dich.

-Industrieanlagen anzünden macht dir mehr Spaß als überflüssige Diskussionen.

-Menschen die Fleisch konsumieren sind "widerlich".

-Ein Tier zu töten ist "Mord", da du dir die Welt einfach so machst wie du sie gerne hast.

-Die Holocaustleugnung von Peta findest du gar nicht so schlimm, sie machen ja schließlich auch noch andere Dinge.

-Für dich ist die Befreiung von Legehennen eine Art "Guerilla"?

 

Du solltest dich mal reflektieren oder ist dieser Text ein Hilfeschrei?

war ja klar, dass hier sofort wieder die fleisch-linke unkonstruktiv rummosern muss...

...was willst du uns damit jetzt sagen?

ich finde den Text an sich - sicher auch aus der Frustration heraus - sehr überheblich. Ich klammer jetzt mal kurz die ein oder andere inhaltliche Ungenauigkeit aus (wer ist "die Reaktion"? etc.) und besinne mich auf das, was ich viel relevanter finde und zwar für jedes Thema, das wir bearbeiten:

 

Man sollte Ebenen der Aktion nicht gegeneinander ausspielen, sie funktionieren nur gemeinsam. Militante Aktionen zu einem Thema, bei dem sich nie welche die Mühe gemacht haben, es - in zugegebenermaßen kleinteiligen und mühevollen - Basisarbeit überhaupt für Menschen außerhalb der Szene zugänglich und relevant zu machen, hätten wenig Schlagkraft. Andersrum kann man durch militante Aktionen Dinge unterstreichen, Handlungsräume zeigen etc. Wichtig ist hierbei auch die Definition von Militanz: einfach etwas anzünden muss nich militant sein, kann es aber. Eine Demo, die sich gegen den Willen von Stadt und Staat kollektiv Räume nimmt, kann auch ohne Böller und brennende Barrikaden militant sein.

 

Also, alles eine Frage des gemeinsamen Handelns. Ebensowenig wie die einen sich durch militante Aktionen spalten lassen, sollten es die anderen nun nicht in Richtung: ihr müsst was Militantes machen, sonst distanzieren wir uns, fabrizieren!

Lese ich da nicht so sehr raus, vor allem wegen der Anmerkung "Das ist ebenfalls ein akzeptables Mittel, und ich möchte mich keinesfalls davon entsolidarisieren was die vielen Menschen leisten die sich hier engagieren. Aber eben nicht das einzige Mittel, dessen wir uns bedienen können."

 

Direkte aktion und Öffentlichkeitsarbeit zu spalten wäre echt doof.

und nichts anderes! Der Rest des Textes sagt das für mich eben nicht aus.

Ich esse zwar selber Fleisch, und halte Antispezisismus für eine total bescheuerte Sache. Der Text ist ansich allerdings in sich schlüssig. Die Argumentation macht zumindest Sinn, wenn man etwas am  Verwertungsprozess von Lebewesen auszusetzen hat.

 

Schlachthöfe niederbrennen ist eine tolle Sache, aber eine Aktionsform die wohl überlegt und nur von erfahrenen Teams durchgeführt werden sollte. Es wäre  insofern nötig, Menschen die potentiell dazu bereit sind das nötige Know How zu beschaffen, z.B. Verteilen der Broschüre p.r.i.s.m.a.

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Leidenschaftlicher pathos und ein aufruf zum gefährlichen dasein in der nacht,

mauern niederbrennend. Mag zwar nicht komplett durchdacht und theoretisch untermauert sein,

aber selbst wenn es keinen grossen schaden am als falsch benannten anrichtete ist es doch schön,

sich so befreien zu wollen und sprünge statt schritte zu wagen. Es mag vieleicht auch spass machen,

im internet zu maulen und es besser zu wissen, dies ist aber auch ziemlich einfach meist.

Ich finde deinen Artikel gut, allerdings muss ich dazu anmerken:

Ich distanziere mich auf keinen fall von direkten aktionen, denn sie gelfen sehr viel im kampf gegen die tierausbeutungsindustrie!

Allerdings kann man einen Kampf nicht nur mit Tierbefreiungen und Sachbeschädigungen gewinnen. Nur alles zusammen kann eine Wirkung zeigen, legale Aufklärungsarbeit und illegale aktionen.

Bevor es so weit kommt, dass es täglich direkte aktionen geben würde, würde unsere Regierung einfach jeden, der bei so etwas erwischt wird, als terrorist lebenslänglich in den knast bringen. Die Tiermörder würden einfach bewaffnete wachleute einstellen und die bullen würden aufklärungskampagnen in schulen machen, gegen die "tierterroristen"! Ich finde auch deine kritik gegenüber Bekennerschreiben komisch, denn sonst würden die schlachthöfe den brand ihrer anlage auf technische fehler schieben.

Du vergisst auch, dass direkte aktionen viel mehr zeit und Geld brauchen als eine demo.

Wenn du nur schlachthöfe zerstörst, wirst du die bevölkerung nie dazu bringen können, vegan zu werden.