Brandanschlag Hafenstraße'96 | 17 Jahre danach...

Florian Kastner

In der Nacht des 18. Januars 1996 brannte das Asylbewerberheim in der Hafenstraße 52 in Lübeck. 10 Menschen starben, 38 wurden zum Teil schwer verletzt. Noch in der Tatnacht wurden vier Neonazis aus Grevesmühlen und Umgebung festgenommen, die zum Zeitpunkt des Brandes in der Nähe des Hauses in der Hafenstraße waren und von denen drei zudem frische Brandspuren aufwiesen.

 

Die Freilassung der Grevesmühlener Neonazis beruht laut Staatsanwaltschaft Lübeck im wesentlichen auf zwei Punkte. Erstens wurde damals eine falsche Uhrzeit für den Ausbruch des Brandes ermittelt, zweitens gab der Tankstellenpächter Robert Kastner den Neonazis zur Tatzeit ein Alibi.

 

Kastner selber führte damals die Tankstelle am Padelügger Weg in Lübeck, bei der die Grevesmühlener Neonazis Maik Wotenow, Rene Burmeister und Heiko Patynowski ihr Auto tankten, bevor sie das Asylbewerberheim in der Hafenstraße 52 anzündeten. Kastner als Verantwortlicher der Tankstelle kooperierte mit der Lübecker Staatsanwaltschaft und verschaffte den Neonazis durch einen strittigen Kassenbon zur Tankzeit ein Alibi, welches die Täter massiv entlastete.

Der unkritische Umgang der Staatsanwaltschaft Lübeck mit diesem Alibi reiht sich ein in den Versuch der systematischen Verschleierung der neofaschistischen Hintergründe des Brandanschlages und dem Schutz der eigentlichen Täter.

 

Heute ist Robert Kastner Besitzer mehrerer Tankstellen in Lübeck und Ostholstein. Zu seinen Tankstellen gehören derzeit:

 

Lübeck:

  • Shell Station, Ziegelstraße 167, 23556 Lübeck
  • Star Tankstelle, Kronsforder Allee 126, 23560 Lübeck
  • Star Tankstelle, Walderseestraße 19, 23566 Lübeck

 

Oldenburg in Ostholstein:

  • Star Tankstelle, Burgtorstraße 77, 23758 Oldenburg i.H

 

In der Vergangenheit stellte sich bei antifaschistischen Recherchen heraus, dass an mehreren der von ihm betriebenen Tankstellen das vom NPD-Bundesvorstand herausgegebene neonazistische Monatsblatt „Deutsche Stimme“ auslag. Die Tatsache, dass Kastner als Franchise-Unternehmer für das ausgelegte Sortiment verantwortlich ist und die von ihm abonnierte Zeitung auslag, zeigt seine Sympathien für und Nähe zur NPD.

 

Unter diesem Umständen verwundert es nicht, dass auch sein Sohn Florian Kastner die Nähe zur extremen Rechten sucht. Florian Kastner gehörte zum engen Umfeld der „Freien Nationalisten Lübeck“. Auch nach deren Fusion im März 2012 mit der Aktionsgruppe „Autonome Nationale Sozialisten Stormarn“ zum „Aktionsbündnis Lübeck-Stormarn“ sucht Florian Kastner regen Kontakt zu aktiven Mitgliedern und steht mit einigen dieser in einem freundschaftlichen Verhältnis.

 

Florian Kastner trat bisher noch auf keiner neonazistischen Veranstaltung öffentlich in Erscheinung, jedoch greift er rechte „Thematiken“, wie die Forderung „Todesstrafe für Kinderschänder“ auf und sympathisiert aktiv mit diesen.

 

Auch 17 Jahre nach dem rassistisch motivierten Brandanschlag haben wir die Täter und ihre UnterstützerInnen nicht vergessen. Robert Kastner, welcher den Neonazis das für die Lübecker Staatsanwaltschaft stärkste Alibi verschaffte, hat dadurch die Freilassung der Täter ermöglicht. Seine Sympathien mit rechter Ideologie lassen Spekulationen über eine noch weitreichender Verflechtung mit den Geschehnissen in der Nacht des 18.01.1996 zu.

 

Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen zum Jahrestag des Brandanschlags sein Haus (Dürerstraße 15, 23617 Stockelsdorf), mit Farbe umzugestalten. Robert Kastner wird für sein Handeln zur Verantwortung gezogen werden. Er wird feststellen, dass Neonazi sein, Probleme kriegen heißt.

 

Wir verbleiben in offener Feindschaft...

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Sehr gute Aktion.

Danke dafür.

Wurden die mutmaßlichen Täter freigesprochen? Oder wurden sie nur irgendwann aus dem Gefängnis "freigelassen"?

Die Täter wurden nach ihrer Festnahme relativ schnell wieder aus der Haft entlassen. Das Verfahren gegen sie wurde mehrere Male eingestellt und wieder aufgenommen. Anklage gegen sie wurde seitens der Staatsanwaltschaft Lübeck nie erhoben, dementsprechend gab es auch keinen "rechtskräftigen" Freispruch.

Nazis aus der Deckung holen & offensiv angreifen! Grüße aus dem Osten.

Es gab in einem langwierigen Prozess den Versuch, den Anschlag einem libanesischen Bewohner des Heims anzuhängen. Der wurde irgendwann mal freigesprochen. Die Faschos waren da schon längst raus aus dem ganzen Verfahren.

Es sei an dieser Stelle an die unrühmliche Rolle von Christoph Kleine, heute Interventionistische Linke, bei der Verhinderung einer antifaschistischen Demonstration in Grevesmühlen erinnert, die "den Tätern auf die Pelle rücken" wollte: http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=401

zunächst mal finde ich diesen artikel recht gut.ich frage mich allerdings warum das hauptaugenmerk auf den sohn des arschloch-vaters gelegt wird?klar,er scheint ein idiot zu sein,allerdings hätte ich fotos der damaligen angeklagten bagasche und des vaters sinnvoller gefunden.

Ich finde das Engagement zu dieser Thematik durchaus lobenswert. Allerdings finde ich die Art und Weise des Herangehens befremdlich. Niemand da, der mal hätte Korrektur lesen können? Außerdem empfehle ich bei der Recherche auch die Ausfindigmachung der entsprechenden Rechtsform durchaus hilfreich und nicht das hereinwerfen einzelner Wirtschaftsbegriffe, die auf drei verschiedene Rechtsformen des Tankstellenbetreibers schließen lassen. Weiterhin frage ich mich, warum der Sohn, für den ein Nebensatz gereicht hätte, so eine große Rolle in dem Artikel spielt, der hat doch gar nichts mit dem Brandanschlag damals zu tun. Warum Fotos von ihm, nicht vom Tankstellenbetreiber? Die Adresse ist doch bekannt, warum wird kein Foto von ihm gemacht? 

ein foto von robert kastner ist doch nun wirklich ne kleinigkeit und hätte diesen durchaus guten artikel abgerundet . vielleicht reicht es jemand nach?