„Bleeding Pride“ – Wolfenbütteler Band mit Verbindungen in die Nazi-Szene

antifalogo.png

Absage von Konzert gefordert

Am 2. April 2011 will die Band „Bleeding Pride“ in der Kneipe „Zur Mühle“ in Wolfenbüttel auftreten. Der Sänger der Wolfenbütteler Band schreibt u.a. regelmäßig im Internetforum „Thiazi“, dem größten und bedeutendsten Diskussionsforum der Nazi-Szene, und bot dort auch verbotene Rechtsrock-CDs zum Kauf an.

 

 Die Band durfte im Februar bereits im Jugendfreizeitzentrum der Stadt Wolfenbüttel auftreten. In Braunschweig wurde ein für Ende April geplantes Konzert inzwischen von den Verantwortlichen abgesagt, nachdem das Antifaschistische Plenum auf die Verbindungen des Sängers von „Bleeding Pride“ in die Nazi-Szene hingewiesen hatte.

 

Claudia Johnklus, Sprecherin des Antifaschistischen Plenums, fordert eine Absage des Konzertes:

„Auch wenn es sich bei der Band um keine offene Naziband handelt, sondern diese sich nach außen hin unpolitisch gibt, fordern wir eine Absage des Konzertes. Wer     einen Nazi in seinen Reihen duldet, dem sollte keine Bühne geboten werden.“

 

Hintergrundinfos: zu „Bleeding Pride“:

 

Hakenkreuztorte zum Geburtstag

Ganz offen stellen die Nutzer im „Thiazi“-Forum ihre Gesinnung zur Schau: Zum Geburtstag wurde dem Sänger von „Bleeding Pride“ im Forum mit Postkarten aus der NS-Zeit und mit Bildern von mit Hakenkreuz verzierten Torten gratuliert.

 

Verbotene CDs im Angebot

Immer wieder berichtet Matze im „Thiazi“-Forum über neue Rechtsrock-CDs. So schrieb er am 11.05.2009 über die CD „Europa erwache“ der Band „Macht & Ehre“: „Hab die Scheibe heute mor­gen auch bekommen und muss sagen, das sie mehr als gut ist. Ich kann die scheibe nur weiter empfehlen.“ Die genannte CD enthält eindeutig faschistische Texte, wie z.B. den folgenden: „Nig­ger, Juden halten hier Gericht, so geht das aber nicht. Oh, Brüder und Schwestern der weißen Rasse, schützt eure Kinder und eure Rasse. Europa erwache! Erwache, aber nicht zu spät.“

Matze berichtet im „Thiazi“-Forum nicht nur über neu erschienene CDs, sondern bot dort auch selbst wel­che zum Verkauf an, darunter von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indizierte Titel, wie z.B. die CD „Ran an den Feind“ der Band „Landser“. In der Rubrik „Thiazi sucht den Superstar“ veröffentlicht Matze alias „Evil-M“ auch regelmäßig Lie­der von „Bleeding Pride“. Zuletzt rief die Band bei „Thiazi“ zu einem Gewinnspiel auf:

 

„Bleeding Pride Gewinnspiel So wir schätzen mal, das das hier ganz gut reinpasst. Da ja Anfang Februar unser Demo Album rauskommt, wollten wir euch mal die Chance lassen das gute Stück zu gewinnen^^. Die ersten 10, die den Text von dem in den Link verfügba­ren Song zu 85% niederschreiben können, bekommen eine handsignierte CD für UM­SONST … Ihr dürft auch gern Kommentare zu dem Song hinterlassen. Und bitte nur die lustigen Sachen hier posten alles andere bitte per PN MkG Matze & der Dellinger“

 

Von „Hasserfüllt“ zur Bleeding Pride“

Matze, der auf einer StudiVZ-Seite von „Bleeding Pride“ mit den Worten „Gebrülle zu völkischer Melodie Eisenesel Matze“ vorgestellt wurde, spielte zuvor u.a. bei „Brutal Deluxe“, „Krassguard“ und „Die Kampfgefährten“. Bereits 1998 gründete er zusammen mit Benjamin H. – genannt „Dellin­ger“ – die Band „Hasserfüllt“. Diese löste sich 2002 auf und wurde 2007 wieder gegründet. 2010 löste sich „Hasserfüllt“ erneut auf und Matze und Benjamin H. gründeten das Nachfolgeprojekt „Bleeding Pride“. Einzelne Lieder die ursprünglich für „Hasserfüllt“ entstanden wurden von „Blee­ding Pride“ übernommen und finden sich z.B. auf der im letzten Jahr erschienenen ersten De­mo-CD wieder.

 

Vom Rechtsrock zur Grauzone

Während in den Liedern und Texten von „Bleeding Pride“ (bisher) kein offener Bezug auf faschis­tische Ideologien oder rechte Parolen festgestellt werden konnten, fanden sich im Repertoire ihrer Vorläuferband „Hasserfüllt“ auch eindeutige Rechtsrocksongs. So stellte Matze z.B. am 16.05.2009 eine von „Hasserfüllt“ gecoverte Version des von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Me­dien indizierten Stück „Zeit zu handeln“ der Band „Stuka“ ins „Thiazi“-Forum. Auf einer 2001 in Ei­genproduktion veröffentlichten Musikkassette von „Hasserfüllt“ findet sich eine Coverversion des Liedes „Alibaba“ der Nazi-Band „Standarte“. Ganz offen wird darin in zum Mord an türkischen Mi­grantInnen aufgerufen: „Steckt sie in den Kerker oder schickt sie ins KZ, von mir aus in die Wüste aber schickt sie endlich weg. Tötet ihre Kinder, schändet ihre Fraun, vernichtet ihre Rasse und lehrt ihnen das Graun.“

In einem ebenfalls bei „Thiazi“ veröffentlichten Interview mit Matze macht dieser die politische Aus­richtung von „Hasserfüllt“ deutlich:

 

„Welche Musik hört Ihr im privaten Bereich? Gibt es da irgendwelche Favoriten? Oder alles querbeet? Ach das kommt immer drauf an wie gerade die Laune ist, das können manchmal ruhige Stücke sein, oder doch die etwas härtere Gangart. Also ich selber hör von RAC bis Metal. Favoriten gibt es eigentlich nicht wirklich, nur zur Zeit läuft bei uns im Proberaum sehr oft Gigi und X.x.X. Was fällt Euch zu folgenden Dingen ein? … c) Nationaler Wider­stand – Hoffe das er noch größer und stärker wird d) Ian Stuart Donaldson – Großartiger Musiker ist leider viel zu früh von uns gegangen R.I.P. e) Reemtsma und sein Wanderzir­kus – An dieser Stelle muss ich mich leider selber ZENSIEREN“

 

Fazit

Auch wenn die bisherigen Demo-Veröffentlichungen von „Bleeding Pride“ auf einschlägigen Nazi-Seiten unter dem Begriff „RAC“ eingeordnet werden, ist die Band als solche bisher nicht als of­fene Rechtsrock-Band in Erscheinung getreten. Sie bewegt sich eher in einem musikalischen Um­feld und in einer Szene, die als Grauzone bezeichnet wird. In dieser Szene sind die Übergänge und Überschneidungen zwischen den „unpolitischen“ Subkul­turszenen, rechtsoffenen Szenen und der Rechtsrockszene allerdings teilweise fließend. Auch wenn „Bleeding Pride“ nur als „unpolitische“ Band in Erscheinung tritt und vielleicht nicht alle Bandmitglieder die Einstellung ihres Sängers teilen: Einer Band, die jemanden in ihren Reihen duldet, der in der Nazi-(Musik)-Szene aktiv ist, sollte keine Bühne geboten werden.

 

Braunschweig, den 10.03.2011
Antifaschistisches Plenum