Bochum: Prozeß gegen Mitglieder der Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld

Aufkleber der Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld(Foto: Azzoncao)

Am nächsten Freitag, den 12. April 2013 wird vor dem Bochumer Landgericht ein Prozess gegen zwei Mitglieder der Skinheadfront Dortmund Dorstfeld stattfinden. Bei den beiden wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung Angeklagten handelt es sich um niemanden Anderes als um Sven Kahlin und seinen jüngeren Bruder Jan Kahlin.

 

Bei der Tat dürfte es sich um die Schlägerei handeln, die die Kahlinbrüder Ende Juni 2011 in einer Bochumer Nachtbar anzettelten. Hier feierten die Naziskins den Junggesellenabschied von Sven Kahlin, der am 1. Juli 2011 Sandra Matthaei heiratete. Seit dem hieß die junge Mutter, die im Internet als ihren Sport „Straßenkampf“ angab, Sandra Kahlin.

 

Die Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld existiert seit ca. 10 Jahren in Dortmund. Die meisten ihrer Mitglieder wohnen im Oberdorstfelder Steinauweg oder in den angrenzenden Straßen. Die Skinheadfront versteht sich als eigenständige neonazistische Kameradschaft. Das hinderte ihre Mitglieder aber nicht daran, für die DVU und NPD als Kandidaten anzutreten. Sie beteiligt sich bei neonazistischen Aufmärschen und Aktionen und unterhält gute Kontakte in die neonazistische Rechtsrock und Naziskins-Szene im In- und Ausland

Auf das Konto der Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld geht eine Vielzahl gewalttätiger Bedrohungen und Überfälle. In Dorstfeld selbst gegen BesucherInnen von Kirchfesten, Kandidaten der demokratischen Parteien im lokalen Wahlkampf, Personen die zur Wahl gehen wollten oder gegen MigrantInnen.

Dazu kommt die Beteiligung an dem Überfall auf antifaschistische Demonstranten auf der Raststätte Rabensteiner Wald im Frühjahr 2009, der Überfall von 300 Rechtsradikalen auf die 1. Mai-Demo des DGB 2009 in Dortmund, die Übergriffe auf Migrantinnen im Juni 2011 in einer Dortmunder Bahn und auf der Pfingstkirmes, der Überfall auf die Hirsch Q am 12.12.2010, auf zwei türkisch-stämmige Jungen auf dem Weihnachtsmarkt 2011, auf ein Frau mit dunkler Hautfarbe im August 2012 in McDonald am Dortmunder HBF, usw. usf.

 

Sven Kahlin nimmt in dieser gewalttätigen Skinhead-Kameradschaft ein besondere Position ein. Am 28. März 2005 erstach er den antifaschistischen Punker Thomas Schulz aus Dortmund. Dieser hatte ihn wegen seiner NS-Gesinnung zur Rede stellen wollen. Kahlin erstach der unbewaffneten und arglosen Familienvater gezielt mit einem Stich in dessen Herz. (http://www.nadir.org/nadir/initiativ/azzoncao/schmuddel.html)

Dieser Mord machte Sven Kahlin zu einem Helden in der Dortmunder Naziszene. Der politische Gehalt der Tat wurde seitens des Gerichts nicht anerkannt. Sven Kahlin wurde im November 2005 wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt (Aktenzeichen 14 (I) K 3/05) aber schon im September 2010 wegen guter Führung nach viereinhalb Jahren aus der JVA Werl entlassen. Danach kam es zu weiteren Angriffen und Körperverletzungen durch Sven Kahlin. Gegen einen Kneipenwirt in Dorstfeld, gegen die BesucherInnen der Hirsch Q im darauf folgenden Dezember und gegen zwei türkische Jugendliche auf dem Weihnachtsmarkt 2011. Für die letztere Straftat wurde er mit anderen Mitgliedern der Skinheadfront im Januar diesen Jahres verurteilt. Er selbst erhielt fast zwei Jahre Gefängnis.

Sein jüngere Bruder Jan Kahlin bekam für den Überfall auf die türkisch-stämmigen Jugendlichen ein Woche Jugendarrest. Und das obwohl er seit seinem 15 Lebensjahr zahlreiche Jugendstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung erhalten hatte. Und er letztinstanzlich vom Gelsenkirchener Verwaltungsgericht seinen Führerschein auf Grund seines hohen Aggressionspotenzials entzogen bekam.

 

Der Prozess findet um 9:30 Uhr im Raum C140 vor der 5. Strafkammer-Jugendkammer statt. Der mit dem Aktenzeichen II – 5KLs 1/13 versehene Prozess findet am 17., 24. und 26. April seine Fortsetzung.

 

 

 

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44894 Bochum

 

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Gebrüder Kahlin prügelten im Bermuda3eck
- Militante Nazis in Bochum vor Gericht

Am Freitag, 12. April, findet im Saal C 140 des Bochumer Amtsgericht der Prozessauftakt gegen die Neonazi-Brüder Sven (25) und Jan Kahlin (20) statt. Die beiden sowie weitere Mitglieder der „Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld“ hatten am 26. Juni 2011 in einer Bar im Bochumer Bermuda3eck im Rahmen eines Junggesellenabschieds gegen vermeintliche Linke gepöbelt und einen Gast mit Faustschlägen traktiert. Nachdem die gerufene Polizei lediglich Platzverweise gegen die Nazis ausgesprochen hatte, verübte die Gruppe am Hauptbahnhof einen weiteren tätlichen Übergriff auf eine andere Person.

Sven Kahlin, der 2005 den Punker Thomas „Schmuddel“ Schulz erstochen hatte, war im Herbst 2010 vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen worden, da ein Gutachter der Meinung war, er habe sich aus der rechten Szene gelöst und von ihm ginge keine Wiederholungsgefahr aus. Eine fatale Fehleinschätzung, pflegte Kahlin doch während seiner der gesamten Haftzeit Kontakt zu seinen Kameraden und wurde von der „HNG“ – einem Hilfsnetzwerk für Nazis im Knast (dessen stellvertretende Vorsitzende bis zum Verbot 2010 übrigens die Bochumer NPD-Landesschatzmeisterin Daniela Wegener – intensiv betreut.

Nur kurze Zeit nach seiner Haftentlassung trat Sven auf einer Nazi-Kundgebung als Redner auf und zeigte sich dort mit einem T-Shirt mit dem Slogan „Was sollten wir bereuen?“. Getreu diesews Mottos handelte Kahlin, der seit seiner Mordtat große Anerkennung in der Nazi-Szene genießt, in den Folgemonaten: Neben weiteren Gewalttaten beteiligte er sich am brutalen Angriff auf Gäste der alternativen Kneipe „Hirsch-Q“ im Dezember 2010 in Dortmund. Ein Verhandlungsbeginn hierzu ist noch nicht in Sicht, da das Dortmunder Landgericht momentan „überlastet“ ist. Zur Zeit verbüßt Sven Kahlin eine 21-monatige Haftstrafe, da er 2011 auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der „Skinheadfront“ zwei türkischstämmige Jugendliche grundlos zusammengeschlagen hatte. Weder beim Mord an Thomas „Schmuddel“ Schulz, noch beim Überfall am Dortmunder Weihnachtsmarkt mochte das Gericht eine „politische“ Tat erkennen.

Auch Svens Bruder Jan Kahlin ist kein unbeschriebenes Blatt: Seit seinem 15. Lebensjahr ist er zu zahlreichen Jugendstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Widerstand und Beleidigung verurteilt worden. Sowohl beim Überfall auf die Hirsch-Q als auch beim Übergriff auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt war er mit dabei, kam allerdings mit einer Verwarnung und einem Wochenende Freizeitarrest davon, da ihm lediglich nachgewiesen werden konnte, eine junge Frau bespuckt zu haben, die er als Linke ausgemacht hatte.
Als autonome Antifaschist_innen geht es uns nicht darum, eine möglichst hohe „Bestrafung“ für die Gebrüder Kahlin zu fordern. Zum einen, weil das Wegsperren von Nazis nicht selten dazu führt, dass diese gestärkt aus der Haft hervorgehen, zum anderen, weil wir eine freie und solidarische Gesellschaft anstreben, in der Knäste keinen Raum haben. Vielmehr möchten wir auf die Gefahr militanter – und mordender – Neonazis hinweisen und einer gesellschaftlichen Gleichgültigkeit, besonders dann, wenn es sich bei den Opfern um „Punks“ oder Menschen mit Migrationshintergrund handelt, und Entpolitisierung ihrer Taten entgegenwirken.

Deshalb wollen wir auf den kommenden Nazi-Prozess diejenige Aufmerksamkeit lenken, die er verdient und rufen antifaschistische Prozessbeobachter_innen und Journalist_innen dazu auf ihn kritisch zu begleiten.

 

Fortsetzungen des Prozesses sind für den 17.04., 24.04. und 26.04. geplant.

Es scheint in Mode zu kommen, kurze Meldungen in die Welt zu setzen, die man mit bürgerlicher Presse unterfüttert.

Keine eigene Recherche, keine eigene Analyse, statt dessen Weiterverwertung kapitalistischer Mainstreampresse.

 

Aber selbst das Übernehmen der Presse-Infos scheint schwierig zu sein. Es waren nämlich mehr als 400 Faschisten am 1. Mai und nicht nur 300. Und hättet ihr den Prozess gegen Giemsch und Deptolla wegen der Aktionen am 1. Mai verfolgt, dann wüsstet ihr auch, dass es kein gezielter Angriff auf die DGB-Demo war. Aber bei so einem PR-Antifaschismus kann man halt nicht mehr erwarten.

 

Sven Kahlin ist übrigens schon lange nicht mehr mit Sandra zusammen. Sie hat einen neuen Typen und Kahlin während seiner U-Haft verlassen. Auch das hätte man wissen können, wenn man nicht nur aus Presse-Artikeln übernimmt, sondern vielleicht auch mal Prozesse besucht, mit Leuten "von unten" spricht und sich aktiv einbringt.

 

Anegklagt sind die Kahlin-Brüder übrigens wegen vors. Körpververletzung und gef. Körpververletzung.

Aber wenigstens wird zur Prozessbeobachtung aufgerufen. Immerhin.

Wenn du so viel darüber weist, dann hättest du ja selber nen Artikel verfassen und publizieren können.

 

Wenn dein Tonfall nicht so grauenhaft wäre, könnte man einige Dinge aus deinem Beitrag doch glatt als konstruktive Ergänzung verstehen. Leider willst du nicht mitarbeiten, sondern nur rumstänkern.

POL-BO: Bochum / Angriff auf Passanten endet im Polizeigewahrsam

Bochum (ots) - Nachdem eine Gruppe von zwölf jungen Männern am 26. Juni einige feuchtfröhliche Feierstunden in der Bochumer Innenstadt verbracht hatte, kam es im Bereich des Bochumer Hauptbahnhofes zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit zwei Passanten. Zuvor hatte die alkoholisierte Gruppe bereits in einer Bar herumgepöbelt und sich eine Auseinandersetzung mit weiteren Gästen geliefert. Bei dem Gewaltakt am Kurt-Schumacher-Platz schlugen die Männer gegen 01:10 Uhr unvermittelt auf zwei Bochumer ein, so dass diese zu Boden gingen. Alle zwölf Gruppenmitglieder, im Alter von 19-32 Jahren, wurden durch die alarmierte Polizei vorläufig festgenommen und in das Polizeigewahrsam gebracht. Die beiden attackierten Bochumer kamen glücklicherweise nur mit dem Schrecken davon, nach ambulanter Behandlung in einem örtlichen Krankenhaus konnten sie ihren Heimweg antreten. Die Bochumer Kriminalpolizei hat diesen Fall nun übernommen. Die Ermittlungen dauern an.

Wegen Gewalt vorbestrafter Neonazi und sein Bruder in Bochum vor Gericht

http://www.derwesten.de/staedte/bochum/wegen-gewalt-vorbestrafter-neonaz...