Zivil-militärischer Strukturen Angriff in Berlin

Berlin burning

In der Nacht vom 26/27.8.2012 haben wir in Berlin Orte zivil-militärischer Zusammenarbeit angegriffen. Die Imtech Hauptniederlassung in Neukölln, die Niederlassung des Sonderforschungsbereich SFB700 in Dahlem wurden mit Farbe und Steinen markiert und Autos des BW/Deutsche Bahn Furhparks und des Technischen Hilfswerks den Flammen des antimilitaristischen Feuers übergeben. Wir sehen unsere Aktion als dezentralen Beitrag zum antimilitaristischen Aktionstag des des Antifa Camps in Dortmund, als Teil der „War Starts here“ Kampagne und für den Internationalen Antikriegstag am 1. September.

 

Immer mehr Aufgaben werden im Rahmen einer zivil-militärischen Zusammenarbeit an private Unternehmen und öffentliche Institutionen abgegeben. In vielen Bereichen weiten sich militärische Aufgaben im Zivilen aus, die Grenzen verschwimmen und werden dadurch unscharf.


Was an den Orten passiert, die wir angegriffen haben, ist alles andere als harmlos, sondern ist Teil der Militarisierung der Gesellschaft mit technologischer, logistischer und wissenschaftlicher Unterstützung der Interventionskriege der Bundeswehr. Nicht erst seit der Abschaffung der Wehrpflicht wird die Bundeswehr grundlegend umstrukturiert. Ihr offizieller Auftrag wurde von einer Verteidigungsarmee hinzu einer einer Angriffsarmee mit dem Ziel der Schaffung von Sicherheit und Spezialisierung der Bundeswehr geändert. Gemeint ist nicht die Sicherheit von Menschen, sondern die Sicherheit der Wirtschaftsordnung im Interesse der westlichen Hegemonialmächte. Militärische Interventionen im Ausland haben immer weniger einen militärisch organisierten Gegenüber. Unter dem Stichwort „vernetzte“ Sicherheit trainiert die Bundeswehr Aufstandsbekämpfung mit NGO's, der Post, DHL und den deutschen Universitäten, z.b.in Afghanistan. Es geht nicht mehr darum Kriege zu gewinnen, sondern die Besatzung der Länder muss danach funktionieren. Wer die nicht militärisch organisierten Gegner sind, ist nicht schwer zu erraten.


Imtech steht als Beispiel für die Rüstungsindustrie und ist im Auftrag der Deutschen Bahn und der Bundeswehr tätig, beliefert Kraftwerks-, Energie- und Schiffbautechnik und stattet Schiffe der Deutschen Marine (Einsatzgruppenversorger) mit klimatechnischen Systemen aus. Seit 2009 ist Imtech in Großbritannien an den beiden neuen Flugzeugträgern für die Royal Navy und bei der polnische Marine tätig. Zum Thema Sicherheit und Aufstandsbekämpfung kann sich Imtech rühmen mit dem“Real Time Crime Center” der New Yorker Polizei. Die Bullen haben Zugriff auf Bildschirme von Echtzeitvideos von öffentlichen Plätzen und können diese jederzeit mit anderen Behörden abgleichen.Die Imtech GmbH entstand 2002 aus einem Zusammenschluss der Wandsbeker Firma Rudolf Otto Meyer (ROM) und der Firma Rheinelektra Technik. Seit 1992 ist die auf Schiffs-Kältemaschinen spezialisierte VSG Verfahrenstechnik für Schiffsbetrieb GmbH eine 100prozentige Tochter von ROM. Schiffskälteanlagen wird ROM auch zum anstehenden Bau der Fregattenklasse 124 beisteuern. Damit trägt Imtech Verantwortung für den Beschuß somalischer Küstendörfer und Häfen durch Schiffe der Mission Atalanta. Diesen Krieg der NATO gegen sogenannte "Piraten" gilt es zu sabotieren wie jeden anderen Einsatz der Bundeswehr. Die somalischen „Piraten“ sind ein Beispiel dafür sich gegen die brutalen Auswirkungen des Kapitalismus zu wehren, denn den somalischen Fischern wurde jegliche Lebensgrundlage durch die Grossindustriefischrei und Raubfischerei entzogen. Das Meer vor Somalia ist leergefischt. Imtech hat viele Filialen in der BRD und war schon oft Angriffsziel in der Vergangenheit von Antimilitarist_innen, siehe z.b.: https://linksunten.indymedia.org/de/node/64422


Ähnliches Beispiel ist BW Furhpark. Die Deutsche Bahn ist ein wichtiger Partner der Bundeswehr, da sie ein grossen Anteil an Transporten für Kriegsgerüst und Soldat_innen trägt. Der BwFuhrparkService GmbH hat für die Bundeswehr ein wirtschaftliches und kundenorientiertes Mobilitätskonzept entwickelt und umgesetzt. Das Unternehmen verfügt über einen Fuhrpark von fast 25.000 Fahrzeugen und ist damit einer der größten öffentlichen Fuhrparkmanager Deutschlands. Die Gesellschaft ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Bundesministeriums der Verteidigung sowie der Deutschen Bahn AG. Für uns ein weiteres angreifbares Beispiel um auf die fortschreitende zivil-militärische Zusammenarbeit hinzuweisen.


Ein nächstes Beispiel für zivil-militärische Zusammenarbeit ist das THW. Seit 2008 gibt es Kooperationsprotokoll zwischen dem Bundesministerium des Innern, vertreten durch die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, und dem Bundesministerium der Verteidigung über die Zusammenarbeit bei Hilfeleistungen im In- und Ausland.Das Kooperationsprotokoll ist das Ergebnis einer intensiven Verständigung zwischen Bundeswehr und Technischem Hilfswerk über Unterstützungsleistungen im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit.Es regelt unter anderem die Mitbenutzung von Liegenschaften der Bundeswehr durch das THW sowie gegenseitige Ausbildungsunterstützung. Für Einsätze im Ausland enthält es Vereinbarungen zum Mitflug von THW-Helfern in Luftfahrzeugen der Bundeswehr, zur medizinischen Mitversorgung von THW-Helfern in Einsatzsanitätseinrichtungen der Bundeswehr und zu verschiedenen Maßnahmen logistischer Unterstützung, z.B. Einbindung der THW-Helfer in die Feldpost- und Bargeldversorgung.In dem unterzeichneten Kooperationsprotokoll wird die in der Vergangenheit bereits oft getestete ressortübergreifende Unterstützung auf eine verbindliche Grundlage gestellt und so das besondere Interesse an einer engen Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und dem THW verdeutlicht.

Aus Katastropheneinsätzen werden schnell militärisch überwachte Ausnahmegebiete. Beim Hurrikan Katrina in New Orleans wurden bspw. mittels Militär die Reichen evakuiert und die Armen sollten verelenden, um dann ihre Viertel plattzuwalzen um neue Villen zu bauen. Zum Glück erfolgte ein internationalen Hilferuf und so konnte durch selbstorganisierte Krankenhäuser und Volksküchen das schlimmstes verhindert werden. Die Fluglotsenproteste in Spanien wurden durch das Militär beendet etc.


Erst letzte Woche wurde der Bundeswehr vor dem Verfassungsgericht eingeräumt, dass in Ausnahmefällen der Einsatz von militärischen Mittel möglich ist. Das lässt Spielraum für viele Interpretationen: Wird sich/soll sich ein solcher Einsatz wirklich gegen die Überschwemmungen richten? Oder gegen andere „Kathastrophen“ im Jargon der Herschenden, d.h. Gegen Menschen, die sich gegen Kapitalismus, Armut und Ausbeutung wehren. Gerade in Zeiten der sogenannten Finanzkrise verschärft sich die soziale Kluft und die Angst der Herrschenden vor Unruhen. Schon oft wurde die Bundeswehr in der Vergangenheit illegal eingesetzt (G8, 1.Mai), entgegen den mahnenden Forderungen aus den Konzentrationslagern „Nie wieder Krieg- nie wieder Faschismus“ und dem daraus folgenden Prinzip „Nie wieder Krieg von deutschem Boden“ und „keine Zusammenarbeit von Militär und Polizei im Inneren“.


Im Nato Strategie Papier „Urban Operation 2020“ planen die Nato-Staaten mit engagierter Beteiligung der BRD den Aufbau des Militärs im Inneren. Das in der Politik robuste Maßnahmen gegen die Bevölkerung für nötig erachtet werden, zeigt die Ausrichtung der Urban Operations Conference. Ihr Ansatz ist die paramilitärische Lösung für soziale Konflikte in Städten. Diese Städte sollen nicht mehr weggebomt werden, sondern für das kapitalistische Gesellschaftsmodell noch nutzbar sein. Staatliche Stellen rechnen mit aufstandsähnlichen Ereignissen in absehbarer Zeit, sonst würden sie nicht in diesen Absatzmarkt investieren (mehr dazu: https://linksunten.indymedia.org/node/52821).


Um diesen Plänen der NATO gerecht zu werden baut die BRD in Zusammenarbeit mit Rheinmetall Defense eine Stadt „Schnöggersburg“ im Gefechtsübungszentrum (GÜZ), mitten in Sachsen-Anhalt. Eine Stadt mit Regierungsviertel, Elendsviertel, Flugplatz, Autobahn, Marktplatz, U-Bahn, Flussbett etc, um dort mit deutschen High-Tech Aufstandsbekämpfung im urbanen Raum zu üben. Im September vom 12.-17.9. wird dort ein Widerstandscamp stattfinden „War Starts here Camp“.

Um zu einer Angriffs,-Berufsarmee zu werden braucht es Rekrut_innen. Zur Rekrutierung neuer Soldat_innen tritt die Bundeswehr vermehrt in öffentlichen Räumen an Schulen, Unis, Jobcentern, auf Girls Day versuchen sie Menschenschlächter_innen zu finden.


Auch an den Universitäten stehen der Bundeswehr die Türen weit offen. An einigen Universitäten wird dies durch eine Zivilklausel, die Forschung zu anderen als friedlichen Zwecken verbietet, unterbunden. Viele dieser Regelungen entstanden nach dem 2. Weltkrieg unter dem noch frischen Eindruck der Indienstnahme der Wissenschaften während des Faschismus. Doch genauso wie die Einsicht, dass Deutschland nie wieder an einem Angriffskrieg beteiligt sein sollte , scheinen solche Erkenntnisse in Zeiten, in denen zur EM endlich auch das deutsche „Volk“ wieder ungeniert stolz auf sein Vaterland sein darf, der Etablierung deutscher Macht- und Wirtschaftsinteressen in der Welt im Weg zu sein. So werden solche Zivilklauseln teilweise schlicht und ergreifend nicht beachtet, wie z.B. an der TU Berlin. In anderen Fällen tarnt sich militärisch relevante Forschung als Sicherheitsforschung. Sicherheitsforschung dient offiziell nicht in erster Linie militärischen Zielen, aber es wird ganz offen zugegeben, dass deren Ergebnisse „auch“ für militärische Zwecke genutzt werden können. Wir begrüßen die in den letzten Jahren an vielen Unis entstandenen Initiativen zur Einführung von Zivilklauseln, auch wenn dies natürlich nicht genug ist.


An der FU Berlin gibt des mit dem SFB 700 ein Bilderbuchbeispiel sozialwissenschaftlicher Sicherheitsforschung. Zentrales Gebäude und Postadresse ist bezeichnenderweise das Alfried-Krupp-Haus, benannt nach Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, seit 1931 Mitglied der SS, seit 1943 Vorsitzender und alleiniger Eigentümer der Krupp AG, einer der wichtigsten Rüstungslieferanten des Nationalsozialismus, Wehrwirtschaftsführer und Mitglied des Rüstungsrates. 1948 wurde er in den Nürnberger Prozessen wegen der Beschäftigung von Zwangsarbeitern, u.a. auch KZ-Häftlingen aus Ausschwitz, und der Plünderung (Demontage von Industrieanlagen in besetzten Gebieten und Wiederaufbau im deutschen Reich) zu 12 Jahren Haft verurteilt. Nach seinem Tod ging sein Vermögen an die Krupp Stiftung, der auch das Alfied-Krupp-Haus gehört und die es dem SFB 700 zur Verfügung stellt.


Getragen von der FU Berlin, der Uni Potsdam, dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), der Hertie School of Governance und dem European University Institute Florenz, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), allesamt zivile Einrichtungen, widmet sich der SFB 700 der Frage: „Wie und unter welchen Bedingungen werden Governance-Leistungen in den Bereichen Herrschaft, Sicherheit und Wohlfahrt in Räumen begrenzter Staatlichkeit erbracht, und welche Probleme entstehen dabei?“.


Bei dem Wort Governance denkt ein Mensch, dem akademische Diskurse nicht fremd sind, zunächst an eine postmoderne Tradition herrschaftskritischer Forschung. Der Versuch, Herrschaft als erbrachte Leistung zu verharmlosen, ist an Zynismus kaum zu übertreffen. Mit Sicherheit und Wohlfahrt ist höchstens am Rande das Wohlergehen der Menschen gemeint, nämlich genau dann, wenn es der Akzeptanz der militärischen Intervention und damit der Sicherheit der deutschen Soldaten, der Legitimität der Herrschaft, dem Zugang zu Ressourcen und, wie auch offen zugegeben wird, der Sicherheit der Produktionsstätten dient. Eigentliches Ziel des SFB 700 ist es, in instabilen Regionen der Welt, zu deren Instabilität man zur Not auch erst mal etwas nachhelfen muss, die Machtverhältnisse zu verstehen und zum eigenen Nutzen beeinflussen zu können. Der SFB 700 forscht für den Krieg im Dienst deutscher Macht- und Wirtschaftsinteressen und hat damit weder an der Uni noch irgendwo sonst eine Existenzberechtigung.


Wir hören schon die entsetzen Aufschreie, wir würden mit unserer Aktion die Freiheit der Wissenschaft angreifen. All den entsetzten Menschen können wir nur erwidern: euer Entsetzen kommt zu spät! Diese Freiheit wird schon seit Jahren durch die neoliberale Umgestaltung der Hochschulen angegriffen, wirtschaftliche und militärische Interessen bestimmen die Inhalte der Lehrpläne und der Forschung, unbequeme gesellschaftskritische Inhalte und Dozent_innen wurden weitgehend verbannt. So wurden z.B. 2 Professuren für Politische Ideengeschichte durch 2 weitere Professuren für den SFB 700 ersetzt. Wir schließen uns den Forderungen nach Zivilklauseln an allen Unis an, genauso wie der vom AstA FU erhobenen Forderung der Abschaffung des SFB 700.

 

 

Aber damit haben wir noch lange nicht genug. Denn ohne die Abschaffung der Bundeswehr, nationalstaatlicher Grenzen und der kapitalistischen Weltordnung wird es kein friedliches und selbstbestimmtes Zusammenleben der Menschen geben. Ein kriegsführender Staat, eine boomende Wirtschaft mit Kriegsgerät und -technologie und den passenden Besatzungskonzepten, kann am wenigsten eine kriegshinterfragende Bevölkerung gebrauchen. Dem wollen wir etwas entgegensetzen, und zwar hier und jetzt den Krieg beginnt hier.

 

Nie wieder Deutschland!

Solidarische Grüße ans Antifa-Camp und War starts here Camp in der Altmark!

Kriegstreiberei und Militarisierung markieren, blockieren, sabotieren!

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# 2761

Ein Gebäude der Freien Universität in der Binger Straße in Wilmersdorf wurde heute Nacht von unbekannten Tätern mit Farbbeuteln beworfen. Eine Parole wurde auf die Straße gesprüht und die Zugangstreppe mit Farbe begossen. Auch hier hat der Polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

 

In Friedrichshain und Neukölln brannten in der vergangenen Nacht drei Autos und ein Lkw. Da in beiden Fällen eine politische Motivation nicht ausgeschlossen werden kann, hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Brandstiftung übernommen. Menschen wurden nicht verletzt.

# 2753

Drei in Brand gesetzte Kraftfahrzeuge der „Deutsche Bahn AG“ stellte gegen 1 Uhr 30 ein vorbeifahrender Taxifahrer in der Lichtenberger Straße fest und alarmierte die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte löschten die Flammen. Durch die Hitzeentwicklung wurden vier weitere Fahrzeuge beschädigt.

# 2754

In der Haarlemer Straße bemerkte ein Anwohner gegen 2 Uhr 45 auf einem Gelände des Technischen Hilfswerks einen brennenden Lkw „Daimler Benz“. Auch hier löschten Rettungskräfte der alarmierten Feuerwehr.

 

"Ein nächstes Beispiel für zivil-militärische Zusammenarbeit ist das THW. Seit 2008 gibt es Kooperationsprotokoll zwischen dem Bundesministerium des Innern, vertreten durch die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, und dem Bundesministerium der Verteidigung über die Zusammenarbeit bei Hilfeleistungen im In- und Ausland.Das Kooperationsprotokoll ist das Ergebnis einer intensiven Verständigung zwischen Bundeswehr und Technischem Hilfswerk über Unterstützungsleistungen im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit.Es regelt unter anderem die Mitbenutzung von Liegenschaften der Bundeswehr durch das THW sowie gegenseitige Ausbildungsunterstützung. Für Einsätze im Ausland enthält es Vereinbarungen zum Mitflug von THW-Helfern in Luftfahrzeugen der Bundeswehr, zur medizinischen Mitversorgung von THW-Helfern in Einsatzsanitätseinrichtungen der Bundeswehr und zu verschiedenen Maßnahmen logistischer Unterstützung, z.B. Einbindung der THW-Helfer in die Feldpost- und Bargeldversorgung.In dem unterzeichneten Kooperationsprotokoll wird die in der Vergangenheit bereits oft getestete ressortübergreifende Unterstützung auf eine verbindliche Grundlage gestellt und so das besondere Interesse an einer engen Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und dem THW verdeutlicht."

 

Diese Zusammenarbeit folgt doch daher, dass der staat nicht mehr geld für das thw ausgeben will und versucht es mit in die bundeswehr einzugliedern. das thw ist doch hier selber nicht die "schuldige" Organisation, es versucht nur mit der ihr zur verfügung stehenden mitteln, bestmögliche hilfe anzubieten. deswegen halt ich symbolische akte auf fahrzeuge des thw's durchaus für fragwürdig.

?

Ich versteh deine Kritik nicht.  Es wird doch gerade kritisiert, dass das THW die Bundeswehr unterstützt.  Dem widersprichst du ja auch nicht.  Des weiteren wird kritisiert, dass die Grenzen zwischen Bundeswehr und zivilen Organisationen verschwimmen und es dadurch verantwortliche Organisationen "harmlos" wirken. Das trifft auf das THW zu, auch dem widersprichst du nicht.  Und so, wie ich die Aktion verstanden habe, geht es gerade darum, diese "Harmlosigkeit" zu demaskieren.

Bestmögliche Hilfe auch für die Bundeswehr anzubieten heißt nun mal, Teil der militärischen Organisation und damit auch mitverantwortlich für deutsche Kriegseinsätze zu sein.

Das THW war immer antimilitaristisch und Hilft armen wie reichen Menschen Weltweit im Katastrophenfall um vor Ort schnell helfen zu können wird es von dem Militär wenn man es so nehmen will mit Logistik und Transportmöglichkeiten unterstützt.

 

Was ist daran Falsch das das Militär den Katastrophenhelfen hilft ?

 

Das THW war als Wehrersatzdienst für Pazifisten immer eine alternative denn es ist eine Organisation die eben nicht das Militär Unterstützt sondern das Militär unterstützt das THW

Das THW war von 2002-2007 in Afghanistan ( http://www.thw.de/DE/Aktion/Einsaetze/Ausland/Projektgebiete/Afghanistan/afghanistan_node.html ) und hat damit den Einsatz der Bundeswehr unterstützt.

Ja genau,

Links einstellen und nicht lesen ?

Ihr seid ja Spezialisten, wer Lesen kann ist eindeutig im Vorteil.

Aber das klappt ja bei Euch nicht, man merkt´s.

 

Ihr wisst ja noch nicht mal, was das THW ist, welche Aufgabe es hat und wer eigentlich das THW ist:

 

88.000 Ehrenamtliche Helfer ;-))

du sagst es richtig und verstehst es falsch: das THW war als Wehr-Ersatz-Dienst..." - ein Ersatz für den direkten Wehrdienst: ein Hinter-Front-Dienst / ein mögliches Kanonenfutter, Panzergrabenschaufeln, Lazarett-Zelt und Ponton-Brücken Dienst. Jede ernstzunhemende Friedensbewegung hat (neben dem Hinweis auf Totalverweigerung) geschrieben: Geht als (echter) _ZIVI_ NICHT zum THW!

Ihr habt euch echt nicht richtig ueber das THW informiert und ich kann ueberhaupt nicht nachvollziehen was ihr damit bezwecken wollt! Wenn das Wasser euch bis zum A....steht, dann sind THWler und BWler gut genu fuer euch die Sansaecke Tag und Nacht zu schleppen und alles zu tun um euer Hab und Gut zu retten. Deutschlandskulturerbe zu schuetzen! Da wird nicht gefragt was fur eine politische Meinung, welcher Glaube, welche Nationalitat.... da wird angepackt und zugepackt um zu helfen! Nicht nur bei Naturkatastrophen, Explosionen, Blindgaengern vom 2. Weltkrieg.... ihr haettet euch nicht durch irgenwelche links lesen sollen sondern vielleicht mal genaue Nachforschungen betreiben sollen: wer oder was ist das THW genau...was sind deren Aufgaben im V-Fall und im Frieden ... alles was ihr geschafft habt ist wiedermal die teuren hartverdienten und bezahlten Steuergelder, die Deutschland gut brauchen kann, sinnlos zu verschwenden....hoffentlich braucht niemand von euch oder euren Familien mal Hilfe vom THW, um euer Leben oder Hab und Gut zu retten bzw. zu bergen! Denn vielleicht koennen sie jetzt nicht rechtzeitig da sein, weil ihr ja unbedingt Fahrzeuge vernichten musstet!

Ich wuerde vorschlagen, dass ihr euch mal genauer ueber das THW informiert...ueber deren Aufgaben im In- und Ausland....und hoert auf sinnlos Steuergelder zu verschwenden mit euren Aktionen.... die kosten Deutschland nur Geld und dies muss am Ende von jedem Mitburger in unserer Heimat getragen werden!!!!!!!!!!!!

Soeben habe ich die Meldung von der "Markierung" des SFB 700 gelesen. Als Mitarbeiter des Sonderforschungsbereichs (Teilprojekt D 7: Wissen, Ware, Widerstand - Governance Geistiger Eigentumsrechte in Indien und Brasilien) möchte ich hierzu persönlich Stellung nehmen: Ziel unserer Forschung ist die Analyse und Beschreibung sozialer Interaktionszusammenhänge, die zu bestimmten politischen Entscheidungen oder deren Umsetzung führen. Ganz konkret arbeite ich zu indigenen Bevölkerungsgruppen und dem Schutz ihres Wissens vor in- und ausländischen Biopiraten. Hierzu führe ich Interviews (derzeit gerade wieder in Brasilien) mit allen Akteuren, die mit diesem Thema befasst sind. Dies umfasst indische Naxaliten ebenso wie Adivasis, brasilianische Indios und Quilombos, Umweltschutzgruppen, Politiker und Unternehmensvertreter.

Im Gegensatz zu der von Ihnen als "Kriegsforschung" titulierten Arbeit geht es mir darum, diskriminierende Praktiken aufzudecken, um sie einer politischen Bearbeitung zugänglich zu machen. Ich sehe meine Arbeit durchaus in einem normativen Kontext, aber anders, als Ihr Artikel es nahelegt: Nur wenn wir über soziale Dynamiken Bescheid wissen, können wir auf ihre Veränderung hinwirken. Dass die Ergebnissse natürlich auch anders genutzt werden können, ist sicherlich richtig, aber ich wüsste nicht, wie ohne eine vertiefte Beschäftigung mit schwierigen politischen Fragen überhaupt eine Emanzipation unterdrückter Bevölkerungsgruppen möglich sein sollte. Ob eine "Markierung" des SFB-Gebäudes vor diesem Hintergrund gerechtfertigt ist, halte ich, gelinde gesagt, für überaus fraglich.

Du fragst dich, wie Emanzipation ohne Forschung funktionieren soll?  Schau dir mal die sozialen Bewegungen an, die in diesem Gebiet großartiges geleistet haben, ganz ohne Sonderforschungsbereich.  Emanzipation ist immer etwas, was von den Betroffenen selber ausgeht (was nicht heißt, dass sie alle anderen nichts angeht), denn die wissen schon ganz gut selber, was sie stört, noch bevor sie erforscht wurden.  Als westlicher Wissenschaftler sich einzubilden, man müßte den den armen Indigenen die Emanzipation und den Fortschritt bringen, erinnert bösartig an neokoloniales Gedankengut. 

Habt ihr eure "Schützlinge" gefragt, ob sie eure Forschung brauchen? Habt ihr sie über die Gefahren, dass dieses Wissen auch gegen sie verwendet werden kann, informiert?  Was tut ihr, um den Nutzen den Menschen zur Verfügung zu stellen, und was tut ihr, um Mißbrauch zu verhindern?  Wer hat die Fragen formuliert, die ihr als wichtig erachtet?  Und wer finanziert eure Forschung?  Wieviele Angehörige der Bevölkerungsgruppen, zu deren Wohl ihr angeblich arbeitet, befinden sich in eurem Team? Wer hat dich gebeten, in die potlitschen Dynamiken in Brasilien einzugreifen? 

Es ist völlig richtig, dass man in Dynamiken nur eingreifen kann, wenn man sie kennt und versteht.  Die wichtige Frage ist aber, wer aus welchem Interesse und mit welcher Legitimität eingreift. 

Entweder du bist wirklich so naiv zu glauben, du würdest den Menschen etwas gutes tun, oder du weißt ganz genau, was du da tust, und versuchst nur, den unschuldigen Schein zu wahren.

Die Aktion hat schon die richtigen getroffen.

Sehr geehrter anonym,

 

ich würde vorschlagen, dass Sie erst einmal einen Blick in die Publikationen (z.B. SFB Working Paper Nr. 35) werfen, bevor Sie eine aus meiner Sicht berechtigte, aber m.E. ebenfalls relativ naive Kritik äußern. Sofern Sie Interesse daran haben, können wir uns gerne auch persönlich unterhalten, wenn ich wieder in Berlin bin. Ich glaube nicht, dass eine differenzierte Diskussion über dieses Forum möglich ist, sondern halte ein Gespräch für sinnvoller.

Ich habe ehrlich gesagt kein Interesse an einem persönlichen Gespräch mit Menschen, in deren Briefkopf der Name einer der krassesten Nazis vorkommt.

Als würde der seit 50 Jahren tote Alfried Krupp noch irgendwas damit zu tun haben. Es gibt doch zig gleichnamige Stiftungen die aus den ehemaligen Vermögen von verurteilten Kriegsverbrechern finanziert werden. Der Mensch, der entscheidet was mit dem Geld gemacht wird ist der Präsident der Stiftung - Suchfunktion sei dank - Berthold Beitz, der in WW2 Menschen vor dem KZ gerettet haben soll. Aber es ist natürlich bequemer, seine Meinungen nicht zu überprüfen oder zu hinterfragen.

Ein Präsident entscheidet darüber, wo, wann und wie Geld ausgegeben wird. Und die Ausgabe soll sich rentieren, denn sonst ist sie Verschwendung und dadurch ein Verlust; der Gewinn eines solchen Geldeinsatzes muss (unmittelbar) nicht materieller Natur sein, denn "Wissen" kann sich auch mittel- oder längerfristig lohnend machen. Ständen die Menschen im Mittelpunkt, wäre es doch nichts weiter zu machen, als ihnen zu sagen:"Hey, wir haben Geld, etwas politische Macht und Wissen, was wir euch zur Verfügung stellen können. Können wir euch nützlich sein, und wenn ja, wie?" Alles andere ist eine Bevormundung bzw. die Verfolgung von anderen Interessen als die der Gruppe, für die mensch was tun will.

 

Was Forschungen wie die von Thomas R. bezwecken, ist die Eingliederung in die kapitalistisch-demokratische Gesellschaft von Menschen, die bis jetzt außerhalb davon gelebt haben. Es soll verhindert werden, dass sie weiterhin abseits der Sachzwänge, die eine auf Kapitalakkumulation basierte Gesellschaft zu bieten hat.

Dass eine solche Maßnahme unter den Namen Hilfs-, Kooperations- oder Forschungsprojekt läuft, heißt, dass der Staat, in dem sich die zu erforschende Gemeinschaft befindet, sich nicht leisten kann, diese mit Gewalt auseinanderzunehmen und die Menschen direkt für seine Zwecke zu nutzen. Dafür gibt es unzählige Gründe, wie z.B. die Sicherstellung von Wissen, das nutzbar gemacht werden kann; die Angst vor (organisierten) Aufständen, siehe u.a die Zapatistas; den Druck der internationalen Gemeinschaft, besser gesagt der Gläubiger oder möglichen Wirtschaftspartner, die ein öffentliches Massaker nicht gerne sehen; usw.

 

Und auf die Frage, wieso solche Gemeinschaften in Gefahr sind, gibt es selten eine Antwort. In diesem Fall: Was sind Biopiraten, wo kommen sie her bzw. woraus sind sie entstanden und warum. Sind es wirklich Piraten, oder halten sie sich an die Spielregeln (d.h. Gesetze)? Wenn es Piraten gibt, dann gibt es sicherlich auf "gute" Seeleute, die zwar das Gleiche tun, aber von der Seepolizei legitimiert wurden; wer sind diese und wodurch unterscheiden sie sich von den Piraten (tun sie das überhaupt)? Wer soll die "armen Indios" beschützen? Etwa der Staat, die Institution, die per Gesetz erlaubt, dass die Indios alles, was sie haben, verlieren dürfen? Oder die Unternehmen, die sich zu "fairen Bedingungen" sich um "win-win-Situationen" für die lokale Bevölkerung bemühen sollen?

 

Nur wenn wir über soziale Dynamiken Bescheid wissen, können wir auf ihre Veränderung hinwirken.

Richtig, denn nur so können sich die vom Staat diktierten kapitalistischen Lebensbedingungen an die jeweilige Situation anpassen und dadurch viel effektiver und effizienter sein, als ohne eine solche Forschung. Die größtmögliche Ausbeutung ergibt sich nicht von alleine.

Vielleicht wäre es wirklich sinnvoll, wenn Sie bei Gelegenheit einen Blick in das Arbeitspapier Nr. 35 des SFB 700 werfen: In meiner Forschung geht es gerade darum, zu untersuchen, unter welchen Umständen Menschen die Möglichkeit zukommt, sich einer öko-kapitalistischen Verwertungslogik zu entziehen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass ein einfaches "Ich mach' nicht mit!" nicht reicht, weil es sich meist um Gruppenrechte handelt, aus denen immer jemand "herausgekauft" werden kann. Allerdings ist es mithilfe demokratischer Verfahren für indigene und traditionale Gemeinschaften durchaus möglich, eine ungewollte "Inwertsetzung" ihres Wissens zumindest aufzuhalten und manchmal auch zu verhindern.

Zur normativen Frage: Es geht mir nicht darum, eine kapitalistische oder alternative Wertordnung moralisch zu bewerten. Aus meiner Sicht dient Politikwissenschaft dazu, Möglichkeiten und Grenzen politischer Entscheidungsprozesse aufzuzeigen; politische Entscheidungen selbst aber liegen aus meiner Sicht außerhalb der Wissenschaft. Gerade in einem Fall aber, in dem die internationale Zivilgesellschaft sich bereits eine bestimmte Meinung gebildet hat, die auf Verwertung des Wissens abzielt, denke ich, dass die Aufarbeitung und Bewusstmachung von Alternativen und der Möglichkeiten ihrer Realisierung ein emanzipatives Potenzial hat - ob dieses genutzt wird, hängt aber von Entscheidungsträgern auf allen Ebenen des politischen Systems (international, national, lokal) ab.

Du schreibst:

 

politische Entscheidungen selbst aber liegen aus meiner Sicht außerhalb der Wissenschaft.

 

Das heißt, Wissenschaft ist an sich nicht politisch und bietet nur Technologien an.  Vielleicht beschäftigst du dich nochmal mit der wissenschaftskritischen Literatur so ziemlich jeder emanzipatorischen Bewegung, die es geschafft hat, sich zumindest kurzfristig an den Unis zu etablieren.  Besonders ausführlich hat sich die 68er Sutdent_innenbewegung und die feministische Bewegung wissenschaftskritisch geäußert.  Dort wird genau deine Sicht auf Wissenschaft kritisiert.  Wissenschaft ist an sich politisch und Iinteressengeleitet, die Verschleierung als unpolitisch dient nur dazu, sich der gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaft zu entziehen und die Frage danach zu verunmöglichen.

Für einen Wissenschaftler, der sich die Emanzipation auf die Fahnen geschrieben hat, sollte die Kenntnis emanzipatorischer Wissenschaftskritik eigentlich zum kleinen Einmaleins gehören. 

Wir können uns gerne über Wissenschaftstheorie und -kritik unterhalten, aber eine wirklich fundierte Diskussion ist m.E. über diese Kommunikationsform schwer zu bewerkstelligen. Wie bereits geschrieben, können wir uns gerne persönlich darüber unterhalten - Mitte September bin ich aus Brasilien zurück.

 

Vorab nur soviel: Nach meinem persönlichen Verständnis sollten Wissenschaftler ihre normative Ausrichtung (und auch ggf. mögliche Interessenkonflikte) transparent machen. Sie haben vollkommen recht damit, dass das Erkenntnisinteresse hiervon nicht unberührt bleibt. Bei allen damit verbundenen Schwierigkeiten denke ich aber auch, dass empirisch-analytische und normative Aussagen getrennt bleiben sollten. Für ihre empirische Forschungsarbeit können Wissenschaftler in der Regel einen aufgrund der zeitlichen Privilegierung wahrscheinlicheren Korrektheitsanspruch (im Sinne einer Übereinstimmung von Aussage und empirischer Realität) behaupten als Menschen, die sich nur in ihrer Freizeit mit einem Thema beschäftigen können. Dies gilt aber nicht für die normative Einschätzung, weil hier Werturteile zugrundeliegen, die individuell höchst unterschiedlich ausfallen und letzten Endes axiomatisch sind, d.h. nicht kausal begründet werden können bzw. müssen. Wenn Werturteile als Wissenschaft ausgegeben werden, ist dies aus meiner Sicht deshalb höchst undemokratisch und anmaßend. Ich persönlich denke, dass die von Ihnen zitierte 68er-Bewegung zum Teil auch daran gescheitert ist, dass sie für sich eine Urteilskompetenz beansprucht hat, die von einem größeren Teil der Mehrheitsgesellschaft nicht ohne Weiteres akzeptiert wurde.

Die 68er Bewegung als gescheitert zu beurteilen, ist eine sehr subjektive Bewertung. Die feministische Bewegung ist ganz bestimmt nicht gescheitert, ihre wissenschaftskritischen Argumente sind unwiderlegt.

Zu der normativen Beeinflussung deiner Arbeit (ich wollte sie eigentlich nicht lesen, habs jetzt doch gemacht):  Du beschreibst die Prozesse in Indien und Brasilien, greifst dabei auf das Wissen und die Erfahrungen der lokalen Akteure zurück, und fügst dem kaum etwas hinzu, was sie noch nicht wissen dürften.  Es handelt sich lediglich um eine Beschreibung, die vielleicht für westliche Lerer_innen von Interesse ist, aber den betroffenen Akteur_innen kaum helfen sollte. Die meisten beteiligten Institutionen nennst du mit Namen, mit Ausnahme der globalen wirtschaftlichen Akteur_innen.  Bei deren Strategien und Verwicklungen nach Europa hört deine Beschreibung dann auf. Das Ganze ist aus einer westlichen Perspektive geschrieben, die westliche Erkenntnisinteressen bedient, aber keine der Betroffenen. Über die politischen Strategien, die zu dem größeren Einfluss der indigenen Selbstorganisation in Brasilien geführt hat, weißt du nichts zu sagen. Und entgegen deiner Behauptung, dass Emanzipation unbedingt deine Analysen braucht, haben die das doch auch ohne ziemlich gut hingekriegt. In Indien hat das wegen der starken, gewalttätigen Repression nicht geklappt.  Eine wirklich bahnbrechende Erkenntnis, ich wette, die Leute vor Ort haben das bis jetzt noch nicht mitgekriegt. Über die lange Tradition der Aufstände in Indien, die meiner Meinung nach durchaus eine rationale Reaktion auf extreme Repression sind, hast du außer dem abfälligen Verweis auf Terrorismus nichts zu sagen.  Ist ehrlich gesagt auch besser, wenn du dich damit nicht beschäftigst.  Ich habs nicht zu Ende gelesen, es ist wirklich langweilig, aber deine grandiose Analyse scheint darauf hinauszulaufen, das Selbstbestimmung durch Macht verhindert wird.

Deine Fragestellung setzt von vornerein fest, dass es darum geht, das Wissen einer kapitalistischen Verwertung zugänglich zu machen, und wie man das mit dem geringsten Widerstand hinkriegt. Die Selbstbestimmung der Betroffenen interessiert darin nur soweit, wie sie diesem Ziel hilfreich ist. Im schlimmsten Fall kann man daraus die Erkenntnis ziehen, dass starke Repression ein effektives Mittel ist, um den Widerstand der Betroffenen zu brechen, man es dabei aber nicht übertreiben darf, damit sie nicht zu Terrorist_innen werden, kommunistischen Ideen gegenüber aufgeschlossen werden und eine Bedrohung der inneren Sicherheit darstellen.  Damit positionierst du dich politisch sehr eindeutig für eine kapitalistische Wirtschaftsordnung, und dies ist von deiner wissenschaftlichen Arbeit überhaupt nicht getrennt und deine persönliche Meinung, sondern durchzieht sie. Genauso deutlich positionierst du dich durch den Fokus deiner Arbeit für westliche Interessen.  Deine Arbeit bietet einiges an Möglichkeiten für westliche Unternehmen, die Dynamiken zu verstehen und mit möglichst wenig Widerstand einzugreifen, und keinen Erkenntisgewinn für die betroffenen Menschen. Die Strukturen und Denkweisen des Widerstandes werden offengelegt, über die Strukturen, Ziele und Verwicklungen der global Player wird weitgehend geschwiegen.  Das ist eine eindeutig politisch motivierte Parteinahme als integraler Bestandteil deiner wissenschaftlichen Arbeit und damit, um deine eigenen Worte zu benutzen, undemokratisch und anmaßen.

Zunächst einmal vielen Dank für die Kritik!

Ich denke, bei der weiteren Überarbeitung des Papiers sollte vielleicht noch etwas klarer herausgestellt werden, dass die betroffenen Bevölkerungsgruppen für sich das Recht reklamieren, selbst über die Intergration in ökokapitalistische Verwertungsprozesse zu entscheiden. Ferner sollte vielleicht etwas früher darauf hingewiesen werden, dass die Selbstbestimmung zwar teilweise von nationalstaatlichen Akteuren unterstützt wird (Brasilien), aber am Widerstand der Industriestaaten gegen eine Novellierung des internationalen Patentrechts praktisch zu scheitern droht. Dann würde dieser Punkt auch für Leser klarer, die das Paper nur überfliegen.

An einigen Punkten möchte ich Ihnen allerdings auch widersprechen: 1) Dass ich bestimmte Institutionen und Akteure mit Klarnamen nenne, andere aber nicht, hat folgende Gründe: Bei westlichen Unternehmen hatte ich zum Zeitpunkt der Abfassung des Papers noch keine Zweitbestätigung, und ähnlich wie für Journalisten zitiere ich nie nur aus einer Quelle. Was die Nennung von Indigenen-Vertretern nangeht, so habe ich diese nach ihren Präferenzen gefragt. Insbesondere in Indien wurde ich explizit aufgefordert, mit Klarnamen zu arbeiten, weil die internationale Veröffentlichung aus Sicht der Akteure einen gewissen Schutz vor dem indischen Regierungsapparat darstellt. 2) Zur Frage des emanzipatorischen Potenzials bzw. der westlichen Perspektive: Sie haben vollkommen recht, dass ich aus einer westlichen Sichtweise heraus schreibe, alles andere würde ich mir nicht zutrauen. Allerdings kann ich aus einer westlichen Perspektive heraus mich an Akteure in den Industriestaaten wenden und ihnen mitteilen: Eure Handlungsweisen haben bestimmte Konsequenzen - wollt ihr das? Darüber hinaus war aber auch das Feedback der Akteure vor Ort im Wesentlichen positiv: Die Verknüpfung lokaler Regulierungsversuche mit dem internationalen Recht und den Dynamiken in der CBD/WIPO war ihnen nach eigenen Worten nicht ganz klar. 3) Zur Frage der Selbstorganisation als Grund für den relativen Erfolg von Indios und Quilombos in Brasilien: Hier bleibe ich bei dem, was ich im Paper geschrieben habe: Die Selbstorganisation ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor - die Unterstützung der Regierung und gerade auch der normative Referenzpunkt ILO Resolution 169 sind ebenso von Bedeutung. 4) Zur normativen Ausrichtung: Vielleicht habe ich mich nicht klar genug im Paper ausgedrückt, vielleicht ist es die durch Ihre Vorannahmen geprägte Lesart, oder beides, aber hier noch einmal zur Klarstellung: Ich maße mir kein Urteil an, ob indigene oder traditionale Gemeinschaften ihr Wissen verkaufen sollen. Die Meinungen derjenigen, mit denen ich im Gespräch bin, gehen in diesem Punkt extrem auseinander, und ich bin wahrlich nicht derjenige, der ihnen sagen sollte, was sie zu tun haben.

Nee, du hast meine Kritik gründlich missverstanden.  Die ist nicht konstruktiv und lässt sich durch ein paar kleine Anpassungen entschärfen, sondern grundsätzlich.

Es ging mir darum, zu zeigen, wie deine politischen und moralischen Vorstellungen und Interessen integraler Bestandteil deiner Arbeit sind, und ebend nicht ein paar Verzerrungen durch "schlechte" wissenschaftliche Praxis. Dies ist auch gar nicht anders möglich, denn wie du selbst schreibst, kannst du (und auch ich) aus keiner anderen als einer westlichen Perspektive schreiben.Genauso spiegelt deine Arbeit deine politische, nicht wissenschaftlich begründete Einstellung, Lobbypolitk wäre der richtige Weg, um die kapitalistische Verwertung zu regulieren, diese kapitalistische Verwertung sei alternativlos. Und damit tust du genau das, was du eigentlich nicht tun willst oder solltest:  du sagst den Leuten durch die Hintertür und versteckt hinter der angeblichen Neutralität wissenschaftlicher Analysen, was sie zu tun haben.

Und die angebliche Handlungsoption, die du aus deiner Forschung ableitest, die Akteure in den Industrienationen mit den Konsequenzen ihres tuns zu konfrontieren, ist nun wirklich naiv.  Denn genau das wollen sie, bzw. es ist ihnen egal. Es liegt in ihrem Interesse, dieses Wissen kaptitalistisch zu verwerten, und wenn du ihnen zeigst, wie sie das mit weniger Widerstand erreichen können, spielst du ihnen dabei in die Hände.  Das einzige Argument, dass sie überzeugen wird, ist Macht. Mach doch mal ne Studie über die Strukturen der internationaen Akteur_innen und ihre Verbindungen, und hör dabei nicht an europäischen Grenzen auf. Versuch von ihnen ehrliche Antworten über ihre Motive, Strategien und Denkweisen zu erhalten unter der Fragestellung, unter welchen Bedingungen sie die Selbstbestimmung aller Menschen akzeptieren und von der Verwertung des hier diskutierten Wissens absehen würden.Und verseh mich jetzt nicht falsch, ich will den Menschen nicht vorschreiben, dass sie kein Interesse an einer kapitalistischen Verwertung haben dürfen.  Aber zu einer wirklich freien Entscheidung gehört die realistische Option, auch nein sagen zu dürfen.

Ich kann dir jetzt schon prophezeien, dass du a) keine ehrlichen Antworten erhalten wirst und b) die Antwort auf die Frage Macht heißt. Und, im Extremfall, um mal wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren, kann Macht auch militärische Macht heißen. Aber auch wenn es hier um subtilere Machtformen geht, bleibt immer noch die von dir unbeantwortete Frage nach der Legitimität westlicher Eingriffe offen. Die nach der Legitimität der Zugriffe international agierender Wirtschaftsunternehmen auf das Wissen der Indigenen und die nach der Legitimität deiner Forschung, die, nach deinen eigenen Angaben, Grundlage für einen Eingriff sind. Und vor dem Hintergrund, dass wir uns beide einig sind, dass deine Perspektive auf die ganze Geschichte eine westliche ist und deiner Rezeption postkolonialer Theorien sollte dir die Fragwürdigkeit deines Unterfangens, aus einer westlichen Perspektive unter vorgeblich menschenfreundlichen Motiven in nicht-westliche Dynamiken einzugreifen, selber verdächtig erscheinen.

Ich glaube, auch Sie haben mich etwas missverstanden.

  • Ich sehe die kapitalitische Verwertung des Wissens mitnichten als alternativlos an, und mir geht es gerade darum, meinen zumeist "westlichen" Lesern zu verdeutlichen, dass es wichtig und gemessen an den Standards des Völkerrechts auch richtig ist, Alternativen offen zu halten.
  • Was Ihre Skepsis gegenüber Lobbyarbeit angeht, so kann ich Ihnen aus meinen Erfahrungen mit Índios und Adivasis sagen, dass diese politische Überzeugungsarbeit gegenüber Entscheidungsträgern der brasilianischen bzw. indischen Mehrheitsgesellschaft für extrem wichtig halten. Zumindest in meinen Untersuchungsräumen und -fällen gibt es keine Möglichkeit für die indigenen Minderheiten, sich den politischen Entscheidungsprozessen zu entziehen; die Vorstellung von einem Leben in radikaler Abgrenzung von diesen Prozessen ist meinen Gesprächspartnern fremd. Im Gegenteil, sie fordern mehr Teilhabe, und nicht weniger, und dafür organisieren sie sich in Brasilien politisch und in Indien (wohl eher notgedrungen) teilweise auch militärisch. 
  • Was die Frage, ob "westliche" Einflussnahmen per se unterlassen werden sollten, angeht, stimme ich persönlich Ihren Bedenken teilweise durchaus zu. Gleichzeitig weiß ich aber, dass die Frage aus Sicht meiner Gesprächspartner ziemlich akademisch anmutet. Internationale Unternehmen, Umweltschutz-NGO etc. sind nun einmal da, und es geht für die Leute darum, das für sie Beste daraus zu machen und Schaden zu verhindern. Und unter Umständen sind diese externen Akteure sogar manchmal bereit, sich für die Interessen der lokalen Bevölkerung einzusetzen.
  • Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass ökonomische Eigeninteressen und Machtressourcen in den inter- und transnationalen Beziehungen klar dominieren. Allerdings kann ich empirisch zumindest in meinen Untersuchungsfällen nicht feststellen, dass dadurch so etwas wie eine transnationale Kapitalistenklasse entstände; dafür sind die jeweiligen Eigeninteressen der Beteiligten zu unterschiedlich. Hinzu kommt, dass auch marginalisierte Bevölkerungsgruppen gewisse Machtressourcen haben (symbolisch, manchmal aber auch durchaus durch Koalitionsbildung politisch). Weiterhin gilt, dass Entscheidungsprozesse in internationalen Organisationen so etwas wie eine "organisierte Heuchelei" erzwingen, die Wirtschaftsakteure dazu nötigen, zumindest rhetorisch bestimmten außerökonomischen Prioritäten zuzustimmen. Aus diesen "Scheinversprechen" entsteht dann aber wieder die Möglichkeit marginalisierter Akteure, Druck und Gegenmacht aufzubauen. Das klappt zugegebenermaßen nur manchmal, aber immerhin :-)
  • Was die Legitimität der eigenen Forschung angeht, so können Sie mir glauben, dass ich diese Frage durchaus auch im Kopf habe. Allerdings denke ich, dass die universitäre Forschung trotz Drittmittelgebundenheit Freiheitsgerade lässt, über die andere Akteure kaum verfügen, weil sie immer etwas "liefern" müssen, sei es ökonomischen Gewinn oder einen wie auch immer zu bewertenden ökologischen oder sozialen output. Von daher denke ich, dass universitäre Forschung mit all ihren Schwächen eine gewisse Gegenexpertise zu Studien darstellen kann, die Sie sonst nur von eigeninteressierten Akteuren gleich welcher Provenienz erhielten. 
  • Zum Abschluss eine kleine Nebenbemerkung: Wenn Sie in Brasilien von "nicht-westlichen Dynymiken" sprächen, würden Sie ziemliches Unverständnis ernten, weil man sich hier (geografisch richtig) als "Westen" empfindet.

Also: Schöne Grüße in den Osten :-)

 

-Die Meinungen, die du hier gerade von dir gibst, haben mit denen, die sich in deiner Arbeit ausdrücken, fast nichts mehr zu tun. Der Fokus deiner Arbeit liegt immer noch darauf, wie ausländische Unternehmen am besten an das Wissen rangkommen.

-Die Frage nach der Legitimität mit "Ich hab drüber nachgedacht und mich selber legitimiert" zu beantworten, ist mir wirklich ein bisschen zu einfach. Wer legitimiert dich, diese Entscheidung zu treffen? Einige Menschen sind da zum Glück anderer Auffassung. 

- von transnationalen kaptialistischen Klassen hab ich kein Wort gesagt. Auch habe ich nie behautpte, dass marginalisierte Gruppen keinerlei Möglichkeit haben, sich selber zu ermächtigen. Solche Prozesse mit Analysen im Auftrag der Betroffenen zu unterstützen wäre emanzipatorische Forschung, noch besser wäre es, ihnen die Möglichkeiten zu inhaltlich und organisatorisch  freier eigener Forschung anzubieten.  Deine Forschung geschieht nicht im Auftrag und mit der Legitimität der Betroffenen, sondern im deutschen Auftrag, nach deinen Interessen und den Interessen der Institution, für die du arbeitest, mit einer Legitimierung durch dich selber. Das Netzwerk von Institutionen, dass den SFB 700 ermöglicht, trägt und finanziert, und ihre poltische Ausrichtung und Interessen kannst du selber recherchieren. Viel Interesse an Emanzipation wirst du dabei nicht finden. Die Chance, dass du überschneidungen zu den wirtschaftlichen Akteuren findest, die den von dir beschriebenen Indigenen das Leben schwer machen, schätze ich ziemlich hoch ein.

- Die Freiheitsgrade, die du angeblich hast, nutzt du nicht besonders überzeugend.  Ich wüde auch bezweifeln, dass diese besonders groß sind.  Wirkliche Freiheit muss man sich organisatorisch schaffen, z.B. so:  http://www.imi-online.de/uber-imi/ . Ist anstrengend, kostet Freizeit, bringt weder Geld noch Karriere, ist aber glaubwürdig und garantiert Unabhängigkeit von anderen als den selbst gewählten und transparent gemachten Interessen. Und, du wirst es schon erraten haben, die können den SFB 700 so gar nicht leiden ;)

Ein paar Anmerkungen:

 

  • Mich würde wirklich interessieren, wo genau in meiner Arbeit Sie den Fokus auf der Wissensgewinnung für ausländische Unternehmen sehen. Es tut mir wirklich leid, aber ich kenne keine Passage, in der ich so etwas geschrieben hätte.
  • Meine Legitimation kann ich mir letztlich nur selber geben, ich sähe nicht, dass andere Menschen diese Aufgabe für mich übernehmen könnten. Andere können Kritik äußern, auf die ich (wie gerade auch jetzt) auch eingehe, und wenn ihre Meinung mich überzeugt, ändere ich meine Verhaltensweisen. Gerade in Bezug auf die Forschungsaktivitäten erfahre ich von den Leuten, mit denen ich im Rahmen von Interviews zu tun habe, aber eher eine Bestärkung darin fortzufahren. Dies gilt auch und gerade für die Adivasis, mit denen ich in Kontakt bin. 
  • Ihr Vorschlag, den "Betroffenen" (schon das Wort ist recht umemanzipatorisch) "die Möglichkeiten zu inhaltlich und organisatorisch freier eigener Forschung anzubieten", übersteigt zunächst einmal praktisch meine finanziellen Mittel. Wichtiger ist aber ein grundsätzliches Problem: Mit finanzieller Unterstützung würde ich genau die Art von Intervention ausüben, die Sie an sich ablehnen.
  • Der SFB 700 wird mit Steuergeldern, also letztlich auch durch Ihren Konsum finanziert. 
  • Ich kann über die IMI nichts sagen, außer dass der SFB-Artikel etwas arg verkürzend ist. Generell würde ich davor warnen, NGO als per se unabhängig anzusehen.

- Ich habe nicht behauptet, dass NGOs per se unabhängig sind, und auch nicht, dass IMI vollständig unabhängig ist, sondern abhängig von einer politisch linken Orientierung.

- diese relativen Freiheitsgrade, die du so gutheißt, wurden in den lezten Jahren massiv beschnitten, von der Unileitung der FU wurden weitgehende inhaltliche Umstrukturierungen durchgesetzt, die gesellschaftskritische Wissenschaftsansätze benachteiligten und von denen der SFB profitierte. Bin gerade zu müde, links dazu rauszusuchen.

-Von Betroffenen von Herrschaftsmechanismen zu sprechen ist in deutschen emanzipatorischen Kreisen ziemlich üblich. Eine Unterstützung auf Wunsch und unter der Kontrolle von Betroffenen sehe ich nicht als problematisch an.

- die Legitimität von potentiell neokolonialen Interventionen kannst du dir zwar selber zusprechen, ich empfinde dies aber als anmaßend und politisch daneben und kann sie dir absprechen.  Und andere Leute haben das vor ein paar Nächten anscheinend auch gemacht, genauso wie die Proteste gegen den SFB 700 vor ein paar Jahren.

- deine Kritik an der Kritik am SFB ist nicht mal mehr verkürzt, sondern schlicht und ergreifend nicht vorhanden.

- Es ist nicht mein Ziel, dich zu überzeugen, es ist mein Ziel, die Legitimität der Aktion, um die es hier eigentlich geht, innerhalb einer linken Öffentlichkeit zu verteidigen, zu der du offensichtlich nicht gehörst.  Und außer dir widerspricht hier ja auch niemand, also kann ich eigentlich aufhören. Deine hier vorgetragenen Argumente dürften keinen emanzipatorisch denkenen Menschen überzeugen, zumal der akademische Stil der Auseinandersetzung, zu dem ich mich hab hinreißen lassen, eh an vielen Menschen hier vorbeigegangen ist. Mein Fehler. Dass neoliberal denkende Menschen, die sich angesichts der menschenverachtenden Verbrechen des Kapitalismus kein moralisches Urteil erlauben wollen und keine klare Position dagegen beziehen, sondern alles auf die aushandlung grundsätzlich gleichwertiger Interessen reduzieren, obwohl dir ausgesprochen umfangreich bewusst ist, welche Scheiße und welches Unrecht dabei produziert werden,  meine Ansichten und poltischen Vorstellungen nicht teilen, ist mir relativ egal.  Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn es anders wäre. Du bringst zwar ab und zu ein paar Fetzen vernünftiger Überlegugnen, aber du denkst sie nicht zu Ende und ziehst keine Konsequenzen daraus, sondern beruhigst nur dein Gewissen damit, dass du mal drüber nachgedacht hast. Du weißt entweder selber nicht, wo du eigentlich stehst, bist unglaublich naiv oder übst dich hier in zugegebenermaßen nicht so schlechter politischer Rhetorik. Wenn du dir klar geworden bist, was du eigentlich willst und glaubwürdig die Seiten wechseln willst, habe ich kein Problem damit. Wenn nicht, see you on the streets ;)

  • Ich glaube, dass wir in vielen Punkten gar nicht so weit auseinanderliegen, so dass wir uns tatsächlich schon bei Demos begegnet sein könnten. Was uns allerdings unterscheidet, ist m.E. mein Bedürfnis, den Dingen etwas tiefer auf den Grund zu gehen und nicht bei Vorannahmen stehen zu bleiben. Und dadurch kommt es dazu, dass ich eine "Schwarz-Weiß-Sicht" zumindest in meinen Forschungsfeldern um einige Graustufen erweitere. Man kann dies vielleicht als "Revisionismus" verachten, aber dazu stehe ich.
  • Ich bleibe dabei, dass ich (auch nicht potenziell) weder die Absicht habe, neokolononial zu intervenieren, noch dies in irgendeiner Weise zu begünstigen. Stattdessen glaube ich, dass meine Arbeit - und hier wirklich potenziell - deartigen Gefahren entgegenwirken kann.
  • Eine Kritik am SFB würde ich hier nicht diskutieren, sondern zunächst einmal direkt innerhalb des SFB äußern. Und bislang habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass dies gut möglich ist ...
  • Zwar finde ich es schade, dass ich Sie nicht überzeugen konnte. Aber andersherum konnten Sie mir auch nicht verdeutlichen, warum es Sinn machen soll, eine Diskussion über die Arbeit des SFB 700 statt mit Argumenten mit "Markierungen" zu führen. Immerhin: Ich glaube, dass unser öffentlicher Austausch es anderen ermöglicht, sich das Für und Wider unserer jeweiligen Positionen zu vergegenwärtigen.

Ich wollte die Diskussion ja eigentlich beenden, aber ich kann das hier doch nicht so stehen lassen. 

Du schreibst:

  • Mich würde wirklich interessieren, wo genau in meiner Arbeit Sie den Fokus auf der Wissensgewinnung für ausländische Unternehmen sehen. Es tut mir wirklich leid, aber ich kenne keine Passage, in der ich so etwas geschrieben hätte.

Das steht so nirgends wörtlich, sondern ist rekonstruiert aus der Fragestellung und dem Fokus der Arbeit, wie ich schon ein paar mal betont habe. Die Betrachtungen der Versuche der Selbstbestimmung der Indigenen in Indien bricht da ab, wo sie als ohmächtig angesichts der gewaltsamen Repression erkannt werden und endet mit dem abwertenden und entsolidarisierenden Verweis auf den Versuch der militärischen Organisierung als meiner Meinung nach nicht völlig ungeeigneter Maßnahme gegen überwältigende Repression und langfristigen Versuch, die Machtverhältnisse herzustellen, die Selbstbestimmung erlauben. Von dem Moment an richtet sich die weitere Analyse auf die Indische Regierung und ihre Maßnahmen, dass den indigenen gewaltsam entrissene Wissen für die eigene kapitalistische Verwertung gegen die Zugriffe ausländischer Unternehmen zu schützen. Aus der Perspektive, wie deutsche Unternehmen Zugang zu diesem Wissen bekommen, mit welchen Strukturen sie zu verhandeln haben und auf welche Gegenmaßnahmen sie dabei treffen absolut folgerichtig, aus der Perspektive, wie die indigene Bevölkerung zur Selbstbestimmung auch (aber nicht hauptsächlich, das scheint mir eher ein Nebenschauplatz in den Auseinandersetzungen zu sein, auch wenn mein Wissen hier ausgesprochen dünn ist und deine Arbeit darüber auch kein Wort verliert) über ihr traditionelles Wissen kommt, nichts anderes als eine Entsolidarisierung.  An dieser Stelle das Wort Terrorismus durch militärische Organisierung zu ersetzen löst das Problem nicht.

Und bevor du jetzt auf die Idee kommst, tatsächlich die Strukturen zu erforschen, mit denen Indigene ihre Machtbasis zu verbessern versuchen: Mach es nicht! Die Strategien einer relativ machtlosen Minderheit zu analysieren und diese Analyse ihren politischen Gegnern zugänglich zu machen ist kein Akt der Solidarität.

Ich danke Ihnen für den Hinweis, dass ich die Strategien der Firmen (übrigens nicht nur deutsche, aber egal) vielleicht etwas klarer darlegen sollte, um nicht den Eindruck zu erwecken, den Sie von dem Paper gewonnen haben. Allerdings ist das relativ einfach: Ein paar Rupien bzw. Reais an jemanden, der etwas weiß, die genetischen Ressourcen eingepackt, auf die sich das Wissen bezieht - und schnell wieder weg! Komplizierter wird es, wenn Firmen die Ressourcen in größerer Menge brauchen; dann verbünden sie sich ganz gerne mit Umweltschutz-NGO und den Forstbehörden, um den Zugang zu den Wäldern für die Adivasis zu sperren. Ich meine, dass ich das geschrieben hätte, vielleicht sollte es aber stärker herauskommen.

Was die (meines Wissens relativ gering ausgeprägten) Gegenstrategien von Seiten der Adivasis angeht, so brauchen Sie sich keine Sorgen machen: Ich denke, die gehören wirklich nicht in die Öffentlichkeit.

Falls es dir mit emanzipatorischen Absichten wirklich ernst sein sollte, woran ich durchaus meine Zweifel hab, ist das natürlich begrüßenswert. Dann solltest du aber nicht vergessen, dass wir hier eigentlich gerade die farbenprächtige Kritik an einer Institution diskutieren, von der du dich inzwischen ja immerhin soweit distanziert hast, dass du es für nötig erachtest, deine Freiheitsgrade ihr gegenüber zu betonen, und nicht an deiner persönlichen poltischen Meinung jenseits deiner Forschung.

Du würdest dich glaubwürdiger machen, wenn du der Kritik, die dich zu dieser Betonung der Freiheitsgrade bewegt, mal darlegen könntest, und den Worten dann auch Taten folgen lassen würdest.

Meine Zustimmung zu deiner Forschung hast du trotzdem nicht.

Mein Kommentar auf die Freiheitsgerade bezog sich auf die Möglichkeit, innerhalb universitärer Forschung (aufgrund der Steuerfinanzierung) nicht ökonomischen oder gesellschaftlich gerade angesagten Prioritäten folgen zu müssen. Vor diesem Hintergrund verteidige ich gerade die wissenschaftliche Forschung, die ich als im Regelfall sehr offen für alle möglichen Perspektiven erlebe.

 

P.S. Bin ab morgen auf Flugreise und nehme den Computer evtl. nicht mit, antworte deshalb später.

Es geht aber nicht darum, was Sie sich unter Wissenschaft vorstellen, sondern was Wissenschaft hier und jetzt ist, woher sie kommt und wie sie geht. Der Supermarkt ist auch nicht da, um Menschen mit Essen zu versorgen, obwohl ich es mir sehnlichst wünsche.Damit Sie eine Ahnung haben, was ich meine, habe ich hier einen Absatz aus https://linksunten.indymedia.org/de/node/62338 kopiert:

Die Uni liefert alles für den Frieden – daher auch für den Krieg – nützliche Wissen

Was schließlich die „Militarisierung“ des Geistes an Universitäten und in der Öffentlichkeit betrifft, so ist es, mit Verlaub, schon ein wenig albern, zu Nachweiszwecken den „Dual-Use“ der Knalltrauma-Forschung oder Ballistik zu bemühen und Personal aus Bundeswehrhochschulen und Sicherheitskonferenzen in kriegshetzerischer Mission enttarnen zu wollen. Schließlich nimmt Deutschland alle Produktivkräfte, über die es verfügt, die materiellen wie die ideellen, in den Dienst und bezieht daraus den Erfolg, der die Grundlage seiner imperialistischen Macht und Aufsichtsrechte und ‑pflichten ist, die es sich weltweit herausnimmt. In einer Nation, die sich dermaßen offensiv zu ihrem Aufsichtsrecht bekennt und ankündigt, dieses vermehrt wahrnehmen zu wollen, gibt es streng genommen nichts an ökonomischen und wissenschaftlichen Leistungen, das nicht auf seine Weise ein nützlicher Beitrag für den politischen Dual-Use einer überlegenen Eingriffsmacht wäre. Wer den Krieg kritisieren will, kommt daher um eines einfach nicht herum: Ohne die Kritik am vom Staat eingerichteten zivilen Leben, wie es in einem Kapitalstandort gang und gäbe ist, ist die Kritik an den Exzessen der souveränen Gewaltsamkeit, die die Führer der Nation im Interesse derselben bisweilen für nötig erachten, schlicht und ergreifend nicht zu haben. Im Zusammenhang mit Bundeswehroffizieren im Lehrbetrieb und Militärdiplomaten auf Honorarprofessur-Stühlen sollte man diesen Grundsatz gleichfalls beherzigen. Denn es sind ja nun unbezweifelbar höchst zivile RepräsentantInnen der deutschen Öffentlichkeit, denen der Standpunkt einer überlegenen imperialistischen Aufsichtsmacht sehr gern zu Kopf steigt; bisweilen so sehr, dass sich ihnen gegenüber hartgesottene Kommissköpfe wie feige Zauderer ausnehmen. Wenn die, wie neulich in Libyen und jetzt schon wieder im Fall Syrien, der Auffassung sind, Deutschland dürfe „keinesfalls überstürzt handeln“ und für „Zurückhaltung“ und „Besonnenheit“ plädieren, dann fragen die hübschen Moderatorinnen von ARD und ZDF äußert aufgeregt nach, ob nicht die Verantwortung, die Deutschland trägt, das Mitschießen im Krieg geradezu gebietet. Um eine friedliebende Öffentlichkeit „auf Kriegskurs zu bringen“, braucht es in einer freiheitlichen Demokratie wahrlich keinen Marsch des Militärs durch Schule und andere Institutionen.

In meiner Forschung geht es gerade darum, zu untersuchen, unter welchen Umständen Menschen die Möglichkeit zukommt, sich einer öko-kapitalistischen Verwertungslogik zu entziehen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass ein einfaches "Ich mach' nicht mit!" nicht reicht, weil es sich meist um Gruppenrechte handelt, aus denen immer jemand "herausgekauft" werden kann. Allerdings ist es mithilfe demokratischer Verfahren für indigene und traditionale Gemeinschaften durchaus möglich, eine ungewollte "Inwertsetzung" ihres Wissens zumindest aufzuhalten und manchmal auch zu verhindern.

Die Einzige Möglichkeit, sich der öko-kapitalistischen Verwertungslogik zu entziehen, ist das Nicht-Mitmachen! Alles andere ist ein Versuch, das eigene Gewissen zu beruhigen und sich in die kapitalistische Gesellschaft einzugliedern. Sie können zwar ihren Forschungsobjekten erzählen, sie könnten den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt, der sie gleichschalten will, mit seinen eigenen Waffen bekämpfen; was dann folgt, ist aber kein Leben abseits der demokratisch-kapitalistischen Gesellschaft, sondern eine Anpassung, die viel tiefgehender und reibungsärmer als sich Ihre Geldgeber und die (inter-)nationale Gemenschaft vorstellen können.

Zur normativen Frage: Es geht mir nicht darum, eine kapitalistische oder alternative Wertordnung moralisch zu bewerten.

Aber das tun sie doch in Ihrer Arbeit. Lesen Sie Ihren ersten Satz nochmal. Würden Sie das System nicht bereits moralisch beurteilen, dann würden Sie doch keine Notwendigkeit sehen, den Menschen zu erklären, wie sie "sich einer öko-kapitalistischen Verwertungslogik entziehen" können. Ich habe kein Problem damit, wenn Sie "nur" Ihre Arbeit tun, aber Sie können mir nicht erzählen, dass Sie es aus moralischen Gründen tun, und im zweiten Satz bestreiten Sie diese moralische Begründung.

Gerade in einem Fall aber, in dem die internationale Zivilgesellschaft sich bereits eine bestimmte Meinung gebildet hat, die auf Verwertung des Wissens abzielt, (...)

Es ist keine Meinung! Die Akkumulation von Kapital ist der einzige Zweck einer kapitalistischen Gesellschaft! Und es gibt keine sog. Alternativen innerhalb des Systems, die nicht systemimmanent und-stabilisierend sind. Es stimmt nicht, dass Wissenschaft im Kapitalismus anti-kapitalistisch sein kann. Und die sog. freie Wissenschaft ist frei, weil nur dadurch echte verwertbare Forschung betrieben werden kann. Außerdam kann ihre Freiheit jederzeit widerrufen werden. Zur Wissenschaftskritik ist in den folgenden Kommentare bereits einiges geschrieben worden.

 

Herr Thomas R., Ihren Text werde ich nicht lesen, denn Ihre Argumente, die Sie hier offenlegen, sprechen für sich und dürften in Ihrem Dokument wohl nicht anders lauten. Auf meine Kritik sind sie nicht eingegangen, und ich glaube nicht, dass ich in Ihren Texten eine Antwort darauf finden werde. Ich habe selbst Erfahrung in Kooperationshilfe (damals trug sie noch den politisch inkorrekten Namen Entwicklungshilfe) und weiß, wozu solche Recherchen gut sind, wie ähnliche Hilfs- bzw Kooperationsprojekte laufen und was sie bezwecken. Auch wenn Sie die ihrer Meinung nach besten Absichten haben, hinterfragen Sie diese und Ihre Handlungen und begreifen Sie, welche Ziele Ihre Forschung verfolgt.

Kurz zwei Anmerkungen:

  1. Ich teile Ihre Einschätzung, dass es weder für indigene Bevölkerungsgruppen noch für westliche Wissenschaftler (NB: auch nicht für deren Kritiker)  möglich ist, sich der kapitalistischen Gesellschaftsordnung vollends zu entziehen. Allerdings ist weder in meinen Unteruschungsräumen noch in Deutschland jedweder Lebensbereich dieser Verwertungslogik untergeordnet, sondern es gibt (sicherlich abhängige) "Inseln", in denen das Handeln der Menschen anderen Wertvorstellungen folgt. Um diese Bereiche zu erhalten oder sogar auszudehnen, können Menschen sich in Verhandlungen begeben, die wiederum von Machtverhältnissen und der Ausgestaltung der Entscheidungsinstitutionen beeinflusst werden, indem diese entweder Spielräume eröffnen oder auch versperren. Ich stimme Ihnen nicht zu, dass ein einfaches "Nicht-Mitmachen" eine Alternative darstellt; auch der Wagenburg-Bewohner hängt letztlich von der Ausgestaltung der Eigentumsrechte und den lokalen politischen Machtverhältnisse ab, und der brasilianische Índio von den Entscheidungen in Parlament und Regierung. Um es mit Adorno zu sagen: "Es gibt kein wahres Leben im falschen." Um aber zumindest ein "weniger falsches Leben" zu ermöglichen, kann eine politikwissenschaftliche Analyse hilfreich sein. 
  2. Ich kann Ihre Skepsis gegenüber (bleiben wir bei dem Begriff) "Entwicklungshilfe" durchaus verstehen, meine lokalen Erfahrungen sind auch ambivalent, wobei dies insbesondere auch bei Konflikten zwischen Umweltschutzzielen und soziokulturellen Prioritäten gilt. Wenn Sie meinen Text lesen würden, könnten Sie ihre diesbezüglichen Vorurteile bzgl. meiner Arbeit vielleicht etwas relativieren.

Wenn jemand den Namen eines Kriegsverbrechers und führenden Nazis auf seiner Visitenkarte nicht im Widerspruch zu seinem ach so humanitären Zielen sieht, ist das für mich wirklich der Punkt, an dem eine Diskussion keinen Sinn mehr macht. 

Wie ein Mensch, der angeblich Menschen vor dem KZ gerettet hat, es mit sich vereinbaren kann, diesen Namen hochzuhalten und sich nicht in aller gebotenen Schärfe davon zu distanzieren, ist mir echt ein Rätsel....

Und du hast Recht, meine Meinung, dass ein positiver Bezug den Nationalsozialismus und die Ehrung ihrer führenden Köpfe sich für emanzipatorisch oder auch nur demokratisch denkende Menschen von selbst verbietet, bin ich nicht bereit zu hinterfragen.

Leute, was soll der Quatsch Rettungsfahrzeuge anzuzünden? Inwiefern wird die Welt dadurch besser? Gar nicht, aber Ihr steht jetzt ganz schlecht da. Das THW ist eine Hilfsorganisation. Sie hilft allen, den Ärmsten und Schwächsten zuerst. Beim Hurrican Katrina gehörte das THW zu den ersten Internationnalen Organisationen die geholfen haben, es wäre schneller gegangen wenn man uns gelassen hätte. Was ist so schlimm daran, das wir die Gelände der Bundeswehr nutzen dürfen? Das wir die Flugzeuge der Bundeswerh mitnutzen können ist doch toll, so kann besser Katastrophenhilfe geleistet werden. Sollte nicht alles was den Hilfsorganisationen hilft unterstützt werden?

War einer von Euch mal in einem Ortsverband und hat gesehen was wir da machen? Wahrscheinlich nicht, sonst würdet ihr niemals auf diesen Unsinn kommen denn hier passiert nichts schlimmes. Wir üben wie man Verletzte rettet. Halten das Gerät in schuss. Das alles ehrenamtlich. Es gibt kein Geld dafür, dafür geht viel Zeit und Mühe drauf. Mancher riskiert seinen Job. Diese Aktion ist genauso schlimm wie ein Angriff auf die Freiwillige Feuerwehr. Der finanzielle Schaden ist das eine(Informiert Euch mal was so ein Fahzeug kostet), aber was glaubt ihr wie wir uns fühlen? Wir werden als Kriegsunterstützer hingestellt, obwohl viele Kameraden ganz bewusst Wehrdienstverweigerer sind. Wir alle sind gegen Kriege. Unser ganzes Engagement um anderen zu helfen, macht Ihr zunichte. Fühlt Ihr Euch eigentlich toll dabei unsere arbeit zu zerstören? Wenn Ihr noch einen Funken von Gewissen habt, dann geht Ihr wenigsten zur Polizei und stellt Euch!

Was schlimm daran ist, dass ihr mit der BW zusammenarbeitet, kannst du im ursprünglichen Text nachlesen.  Wenn ihr alle so gegen Kriege seid, dann sucht euch eine ehrenamtliche Tätigkeit, die dieser Einstellung auch entspricht, oder sorgt dafür, das THW in eine Organisation zu verwandeln, die sich von der Bundeswehr und ihrer Vereinnahmung distanziert. 

 

Da dir anscheinend geläufige Kritik nicht bekannt ist, hier der entsprechende wikipediaabschnitt zur Kritik an zivil-militärischen Zusammenarbeit bei Auslandseinstäzen: 

 

Von verschiedenen Hilfsorganisationen wird Kritik am Konzept der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit in Auslandseinsätze geäußert[1], z.B. dass durch die zivile Komponente Krieg eine humanitäre Note gegeben und damit der Krieg verharmlost würde, sowie dass sich das Risiko für die zivilen Kräfte erhöhe, Ziel von gewalttätigen Aktionen zu werden, da sie vor allem für die Bevölkerung vor Ort oft schwer von militärischen Akteuren zu unterscheiden seien und somit als potentielle Feinde wahrgenommen würden.[2] Außerdem werde durch die Zusammenarbeit von zivilen mit militärischen Akteuren die Neutralität der zivilen Helfer und Helferinnen in Frage gestellt, sodass diese möglicherweise in den Konflikt mit einbezogen würden.[3] Oft bestehe die Aufgabe ziviler Organisationen unter anderem darin, als Vermittler zwischen den Konfliktparteien zu agieren (siehe auch Mediation), wofür eine neutrale Haltung natürlich unverzichtbar sei. Zudem bestehe die Gefahr, dass zivile Akteure in ihrer Forderung nach Gewaltfreiheit nicht mehr ernst genommen würden, wenn sie sich selbst auf den Schutz des Militärs verlassen (müssen). Auch müsste dort, wo zivile nichtstaatliche Akteure Konflikte ihrer humanitären oder entwicklungspolitischen Ziele mit dem Auftrag des Militärs sehen, schon aus Rücksicht auf ihre Spender Abstand zum Militär gehalten werden. Dabei betrachten sie auch die Frage, ob militärisches Eingreifen im konkreten Fall unter Berücksichtigung aller politischen und ethischen Aspekte aus ihrer Sicht sinnvoll erscheint. [4]

Billiger hattest du es wohl gerade nicht. Also gibtst du offen zu, das es überhaupt nichts bringt unsere Fahrzeuge anzugreifen. Tatsächlich verschlimmerst du im Zweifel damit Not und Elend. Toll gemacht! Mensch, wir wir auf Mittel der Bundeswehr zurückgreifen können um anderen zu helfen dann machen wir das! Wir lindern die Not der Zivilbevölkerung! Ihr versteht es einfach nicht: Wir sind keine Handlanger der Bundeswehr! Das ist Beleidigend für jeden einzelnen Kameraden! Wir leben eben in einer Welt mit Militär. Die Kooperation besteht vor allem darin das wir auch mal die Gelände der Bundeswehr nutzen dürfen um mal fahrten durch schweres Gelände zu üben oder die Rettung von Verschütteten zu trainieren. Das alles dient nicht dazu beim nächsten Krieg besser vorbereitet zu sein, sondern für die nächste Gasexplosion oder Fälle wie den Einsturz des Kölner Stadtarchives. Sprich, keiner von uns wird von der Bundeswehr vereinamt. Bei uns tauchen keine Offiziere auf und sagen uns was wir zu machen haben. Tatsächlich haben die uns gar nichts zu sagen. Ich kann es nur wiederholen: Geht hin, schaut es euch an was wir machen. Die Adresse habt ihr ja.

Zunächst einmal verschlimmer ich überhaupt nichts, ich habe lediglich geäußert, dass ich die Begründung nachvollziehen kann und die Kritik berechtigt finde. Du hast offensichtlich als angeblicher Pazifist kein Problem mit der Bundeswehr, das hingegen finde ich nicht nachvollziehbar und deinen Pazifismus damit auch nicht glaubwürdig. Genauso offensichtlich hast du auch kein Interesse an einer ernsthaften Auseinandersetzung, da du inhaltlich nicht auf Argumente eingehst. Daher macht es wahrscheinlich auch keinen Sinn, weiter mit dir zu diskutieren.

Niemand hat etwas dagegen, dass ihr, ohne Verbindung zur BW, Zivilisten helft. 

Definiere mal Pazifist. Tatsächlich ist es so, das eine reine Verteidigunsarmee durauchaus im Sinne eines Pazifisten ist. Auf meine Argumente gehst du auch kein bischen ein, ich habe schon versucht dazulegen das die Kooperation mit der Bundeswehr eine rein friedliche ist. So bauen wir keine Pontonbrücken für die Bundeswehr, dafür haben die genug Pioniere. Wir liefern auch keine Munition an Soldaten noch sonstiges Material an Soldaten. Dafür haben sie ihre Logistikbatalione. Im Übrigen würden das die Helfer auch verweigern. Das einzige was wir tun ist Wiederaufbauhilfe leisten bei Zivilisten. Für mich ist die Grenze diese, das wir keine Militärischen Infrastrukturen aufbauen. Klar, wenn wir eine Brücke reparieren, wird wohl sicherlich auch der ein oder andere Militär-LKW drüber fahren. Aber das ist nicht wirklich schlimm. Denn für mich zählen eher die Hilfskonvois die drüber fahren. Denn es ist so, das Militär hat Hubschrauber mit denen es die eigenen Leute versorgt. Für die Zivilbevölkerung macht man nur ungern sowas teures locker. Ob es jetzt den Krieg verharmlosen könnte oder nicht kann man diskutieren. Gewalt kann aber kein Argument und schon gar keine Lösung sein. Für mich ist die Kooperation einfach Notwendig um effektiv Hilfe leisten zu können. Übrigens haben wir im Ortsverband eine Menge Bilder von Einsätzen aus einigen Jahrzehnten. Du siehst darauf viel, was du nicht siehst sind Soldaten. Weil im Einsatzfall schön getrennt wird zwischen Bundeswehr und THW. Ich hoffe mal das ich ausreichend dargelegt habe, das die Kooperation mit der Bundeswehr eine rein friedliche ist. Also erklär mir nochmal bitte für (die Variante für Dumme) warum es gut ist THW-Fahrzeuge anzuzünden.

P.S. Ich hab nie gesagt, das ich Pazifist bin.

Ein kleiner Tip noch: Mit dem THW macht ihr euch das falsche Feindbild. Wir bedrohen niemanden, ich hoffe wenigstens das glaubst du mir. Kümmert euch doch erstmal um echte Bedrohungen: Eine ist die EUROGENDFOR.

Wenn ich das von euch extremisten richtig verstehe, ist es also falsch in eine Bundeswehrmaschine zu steigen um z.B. 2004 Menschen zu Helfen die von einem Tsunami getroffen wurden. Da das THW über keine eigenen Transportmaschinen verfügt, war es der einzige Weg in die Kriesenregion. Mit Sicherheit ist es dann auch falsch auf die Manpower und die Transportkomponente Bundeswehr in Hochwassereinsetzen wie z.B. an der Oder oder Elbe zurückzugreifen, um Deiche und somit zivile Existenzen zu retten.
Die Feuerwehr hat auch ehemalige Militärfahrzeuge. Fakelt die doch gleich mit ab - dann werden eure hirnlosen Brandstiftungen wenigsten nicht mehr gelöscht!
Das einzige was Ihr erreicht habt: grenzenlosen Hass!