Was ihr schon immer über die Herner Straße 131 wissen wolltet aber bisher nicht zu fragen wagtet

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Was ihr schon immer über die Herner Straße 131 wissen wolltet aber bisher nicht zu fragen wagtet

 

1. „Warum wurde die Herner Straße 131 besetzt?“

 

Das Haus steht seit längerer Zeit leer, das Ladenlokal bereits seit 16 Jahren, während zahlreiche Menschen vergeblich auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind oder in Massenunterkünften leben müssen. Wir finden das nicht in Ordnung! Durch diese Besetzung wird einer von vielen Leerständen in Bochum wieder nutzbar.

Außerdem gibt es hier nicht genug selbstverwaltete Räume, in denen man sich ohne Geld auszugeben, aufhalten und in Austausch kommen kann.

 

2. „Wer ist Eigentümer*in des Hauses und besteht dort Kontakt?“

 

Das Haus gehört einer älteren Frau, die es aus persönlichen Gründen leider nicht schafft sich um das Haus zu kümmern. Sie ist nur schwer erreichbar, aber wir suchen kontinuierlich das Gespräch mit ihr, um eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden.

 

3. „Wie viele seid ihr?“

 

Da alle Menschen, die teilhaben möchten, auch Teil dieses Projektes sind, ist es schwierig eine Zahl zu nennen. Der Unterstützer*innenkreis wächst stetig. So waren beim Grillfest am Sonntag um die 200 Leute anwesend, die sich anschließend teilweise ins Projekt eingebracht haben. Bei Twitter folgen der Aktion fast 700 Leute. Sie alle machen die Aktion möglich.

 

4. „Was sind eure Pläne und Ziele?“

 

Es geht um das Zusammenbringen von Menschen, unabhängig von ihrem Einkommen, ihrer Herkunft, ihrer Sexualität, ihres Aussehens und und und … Die Hernerstraße 131 bietet genug Platz, um dies möglich zu machen. Zum Beispiel könnte das Ladenlokal als Treffpunkt dienen und die oberen Stockwerke könnten renoviert werden, um als Wohnraum für verschiedensten Menschen zu dienen. Für Geflüchtete könnte Unterstützung angeboten werden. Im direkten Austausch mit Anderen lernt sich Deutsch als Sprache am schnellsten.

Es sollen möglichst viele Ideen hier einen Platz finden. Wenn ihr Vorschläge oder Interesse habt, kommt vorbei und nehmt an unseren regelmäßigen offenen Versammlungen teil.

 

5. „Was halten die Nachbar*innen davon?“

 

Wir sind mit vielen anliegenden Nachbar*innen im Austausch. Es kommen täglich interessierte Anwohner*innen vorbei, um ihre Unterstützung zu bekunden, Ideen einzubringen oder auch konstruktive Kritik zu äußern. Außerdem bekommen wir viele Spenden. Vorallem mit der direkt angrenzenden Nachbarschaft besteht ein steter Kontakt, um sowohl ein gutes Verhältnis zu halten als auch Störungen zu vermeiden. Wir haben eine Telefonnummer veröffentlicht, unter der wir jederzeit erreichbar sind (01633408501).

 

6. „Besteht Kontakt zur Polizei?“

 

Nein, es besteht kein direkter Kontakt. Wir erfahren nur das, was über die Presse an die Öffentlichkeit gelangt. Es fahren vermehrt Streifenwagen am Haus vorbei und Zivilpolizist*innen versuchen solidarische Personen in Gespräche zu verwickeln. Dies wird meist abgelehnt.

 

7. „Findet ihr, dass Hausfriedensbruch ein legitimes Mittel ist?“

 

Aus den bereits genannten Gründen halten wir Hausfriedensbruch für eine angemessene Aktionsform. Hausbesetzung ist eine Form der Direkten Aktion, die genauso wie Anti-Nazi-Blockaden, durch unmittelbares Handeln zu unmittelbaren Resultaten führen soll.

 

8. „Warum sind viele von Euch vermummt?“

 

Da es sich bei einer Hausbesetzung um Hausfriedensbruch handelt, wollen wir uns zunächst einmal vor rechtlichen Folgen schützen. Desweiteren wollen einige von uns ihre Persönlichkeitsrechte wahren, wenn die Kameras der Medien auf sie gerichtet werden. Nicht einzelne Gesichter sollen Geltung bekommen, sondern die Handlungen von Allen mit ihren vielfältigen Begründungen.

Nicht zuletzt vor Neonazis und anderen politischen Gegner*innen ist ein Schutz der eigenen Identität angebracht.

 

9. Wie positioniert euch zu Gewalt?

 

Da wir hier ein friedliches Projekt ins Leben rufen wollen, geht von uns keine Gewalt aus.

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Vielleicht haben Sie es mitbekommen, einige junge Menschen haben das vor sich hingammelnde Haus, die Herner Straße 131 besetzt. Auf der Front stehen Sprüche wie "Eigentum ist Diebstahl", eine Aussage die unsere Motivation ganz gut unterstreicht.

Falls Sie sich jetzt fragen, was in aller Welt wir da wollen und wieso wir glauben, dass man sich ein leerstehendes Haus einfach nehmen kann, laden wir Sie herzlich ein, diese und viele andere Fragen mit uns zu diskutieren.
Um verschiedene Perspektiven auf die Problematik des Leerstandes und der Stadtpolitik in Zeiten des überbordernden Immobilienmarktes zu geben, haben wir uns einige gut informierte Gäste eingeladen.

Mit dabei sind:
- Recht auf Stadt Ruhr
- Erich Eisel (Jurist, Schwerpunkt Mietrecht)
- Refugee Strike Bochum
- Stadt für Alle
- bodo e.V.
- Mieterverein Bochum
- Prof. Dr. Arian Schiffer-Nassiere (EfH BO)
 
26.05. - Freitag - 19 Uhr - Herner Straße 131 im Hinterhof
Bei Räumung - Bahnhof Langendreer - Studio 108

https://meinezwangsversteigerung.de/zwangsversteigerung/Bochum/Hamme/130...

 

Ihr solltet der alten Frau, die offensichtlich ganz alleine vor der "betreibenden Behörde" steht, lieber helfen!

Eigentum ist Diebstahl!

 

(aber interessanter Link!)

"Da wir hier ein friedliches Projekt ins Leben rufen wollen, geht von uns keine Gewalt aus."
Warum distanziert ihr euch im vorauseilendem Gehorsam von Gewalt? Die Verhältnisse sind gewaltätig - nicht wir (es gibt verschiedene Formen von Gewalt - und einige davon sind im aktuellen Kontext / unter den bestehenden Verhältnissen mehr als legitim). Bochum: eure Hausbesetzung ist zwar gut gemeint euer 9 Punkte Programm leider etwas traurig & daneben ...

was für ein Programm meinst du? Ich les hier nur eine Art Katalog mit häufig gestellten Fragen.

Es gab da neulich n guten Beitrag zu Öffentlichkeitsarbeit in der linken Szene hier. Zu sagen dass das Hausprojekt selber (!) explizit pazifistisch ist, macht sich gut in der Öffentlichkeit (man will und braucht ja Solidarität!) und hindert gleichzeitig niemanden daran, im Bedarfsfall militant zu werden.

du meinst den "beitrag" indem sich ganz viel auf lasswell bezogen wurde, den typen der einer der stärksten sozial-wissenschaftlichen vertreter des "die masse ist zu dumm um selbst zu entscheiden"-theorems war?

 

aber ich zitiere das hier gern noch mal:

Wie er in dem von ihm verfassten Eintrag zu Propaganda in der Encyclopaedia of the Social Sciences schrieb, müssen die demokratische Dogmen abgelegt werden, dass Menschen am besten über ihre eigenen Interessen urteilen könnten („democratic dogmatisms about men being the best judges of their own interests“), denn Menschen seien in ihrem Urteil über ihre eigenen Interessen oft sehr ungeeignet, sie bewegten sich schnell und ohne gute Begründung von einer Alternative zur anderen („men are often poor judges of their own interests, flitting from one alternative to the next without solid reason“).

https://de.wikipedia.org/wiki/Harold_Dwight_Lasswell#Leben

 

und genau so kapitalismusgeprägt und systemkonform war der von dir erwähnte artikel auch geschrieben, "guter beitrag" am arsch.

Gibt es auch politische Ziele die ihr verfolgt, etwas das z.B. geeignet ist, die herrschenden kapitalistischen Verhältnisse in fortschrittlicher Weise abzuschaffen?

Ich denke, dass das schaffen von linken/alternativen Orten alleine schon ein schritt gegen "den Kapitalismus" ist oder nicht?

Hast du noch nie von Gentrifzierung gehört? Links/alternative Projekte ziehen, doch häufig ein linksbürgerliches Publikum an, dass mit seinen Geld den Stadtteil tot gentrifiziert. Wenn dem keine Strategie entgegengesetzt wird, die explizit sozialrevolutionäre Inhalte verbreitet, dann.....

Ich mag mal bei Formulierungsschwierigkeiten helfen:

 

- Wenn Ihr auf die Frage nach einer Legitimität von "Hausfriedensbruch"  mit einer Legitimation antwortet begeht Ihr den Fehler die Eigentumsfrage gegen Euchselbst zu entscheiden da Ihr sie affirmiert: "Hausfriedensbruch" ist nicht nur deren, das falsche Vokabular sondern bekräftigt den Anspruch des Staates auf die Gewahrung von Eigentum durch diesen. Ihr könntet den Terminus schlichtweg ablehnen. Umverteilung ist kein Diebstahl, Angriffe auf Nazis sind immer Notwehr usw.usf. Wenn aber dann auf die ausbleibende Aufkündigung des Gesellschaftsvertrages (Staat/Eigentum) auch noch ein "Recht"auf "Persönlichkeit" geltend gemacht wird, und die Vermummung ebenfalls nicht selber bereits schon als inhaltliches nicht nur Mittel sondern Kampfform begriffen wird kommt Ihr den Verhältnissen nach: inbeschwichtigender Indifferenz verklärt Ihr die Ausgangslage zu einer offenen, im Interesse aller lösbaren. Es wird ja nicht erwartet dass Ihr Euch selber (über die Maßen) kriminalisiert, aber was ganz klar fehlt ist der Bezug auf Sozialismus/Kommunismus/Anarchismus. Und auch wenn sicherlich genug Leute mit solchen Hintergründen mit am Start sind Euch zu unterstützen, muß man sich ja aber dennoch dagegen verwehren instrumentalisiert zu werden für ein bürgerliches Unterfangen. Autonome sind keine Manövriermasse die man vor sich her in was einspannen kann (ohne Euch zu uterstellen dass Ihr das wollt), und wenn die Kampfformen (Hausbesetzung) sich inhaltlich nicht festmachen lassen an Standpunkten die erklärtermaßen Aufstand und Umsturz "erwägen" sagen wir mal, hat Solidarität Grenzen die Ihr selber setzt.

 

Ist aber auch schwierig sich in einer Situation mit akuter Räumungsbedrohung untereinander rumzustreiten über die richtige Strategie.

Lasst Euch nicht spalten, doch gebt auch zu erkennen dass Ihr nicht von zB. der Sozialdemokraten/DGB-FilzMafia wie im Ruhrpott üblich seid.

 

In besseren Zeiten stand auf Transpas an uns(A)n Häusern zu lesen:

BEI RÄUMUNG KRIEG